System-Reform: Sportgericht ersetzt Spruchkammer

Amateurfußball

Ein Fußballer begeht eine Tätlichkeit, beleidigt den Schiedsrichter oder beschimpft einen Gegenspieler übel. Nach derartigen Vergehen blühte dem Sünder in der Vergangenheit meist eine mündliche Verhandlung vor der Spruchkammer. Das ist seit dieser Saison nur noch in besonders komplizierten Fällen notwendig.

DORTMUND

, 08.09.2017, 12:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
System-Reform: Sportgericht ersetzt Spruchkammer

Sperren können von den Einzelrichtern nun schneller auf elektronischem Wege ausgesprochen werden. © Schütze

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Veränderungen in der Rechts- und Verfahrensordnung und deren Folgen für Vereine und Funktionäre.


Warum wurde das alte System reformiert?

Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband, dem sämtliche Fußballklubs in Nordrhein-Westfalen angehören, hat seine Rechts- und Verfahrensordnung in vielen Punkten zum 1. Juli dieses Jahres verändert. Kurz zusammengefasst sollen die sportgerichtlichen Verfahren zeitgemäßer, schneller, unkomplizierter und kostengünstiger vonstatten gehen.


Was verändert sich konkret für den Kreis Dortmund?

Wie in allen anderen Kreisen des Verbands gibt es keine Kreisspruchkammer mehr. Sie wurde ersetzt durch ein sogenanntes Sportgericht. Das besteht aus dem Vorsitzenden Frank-Bernd Meyer, der im Wechsel mit Alfred Sellung die Aufgabe des Einzelrichters im Wechsel übernimmt. Eine wichtige Neuerung ist auch, dass die Staffelleiter jetzt als Verwaltungsstellen zählen. Sie dürfen allerdings keine Strafen, sondern nur Verwarnungen, Verweise und Ordnungsmaßnahmen aussprechen.


Wie wird Fehlverhalten sanktioniert?

Der Schiedsrichter trägt zum Beispiel eine Rote Karte in den Spielbericht ein. Diesen kann der Staffelleiter kurz nach Abpfiff des Spiels im DFBnet einsehen und bei „leichteren“ Vergehen, etwa einer Notbremse, sofort eine Sperre für den Spieler verhängen - maximal für vier Spiele. Um sich nähere Informationen zum Vorfall einzuholen, darf der Staffelleiter neuerdings selbst Nachforschungen anstellen, also Beteiligte etwa am Telefon befragen. Alle Vergehen, die ein Strafmaß von vier Spielen Sperre übersteigen, leitet der Staffelleiter an das Sportgericht weiter. Hier befasst sich der Einzelrichter mit dem Fall und fällt im schriftlichen Verfahren eigenständig ein Urteil. Die angedachte Strafe wird dem Verein über das elektronische Postfach im DFBnet zugestellt. Dieser kann die Strafe annehmen oder dagegen Beschwerde einlegen.


Was passiert, wenn Spieler oder Vereine nicht mit einem Urteil einverstanden sind?

Der Staffelleiter ist die erste Instanz. Widerspruch gegen seine Entscheidung geht an den Kreisvorstand als übergeordnete Verwaltungsstelle. Anschließend geht der Fall weiter ans Sportgericht. Bei Beschwerde gegen eine Entscheidung des Sportgerichts auf Kreisebene geht es weiter auf Bezirksebene. Letzte Instanz ist das Sportgericht des Verbands.


Wie kommen die Einzelrichter zu einem Urteil?

Genau wie die Staffelleiter dürfen auch sie Nachforschungen anstellen. Neu ist, dass sie Bewegtbilder, also Videomitschnitte vom betreffenden Spiel, zur Beweisaufnahme nutzen dürfen. Ebenso dürfen jetzt selbst gewonnene Erkenntnisse, etwa wenn sie zufällig beim betreffenden Spiel vor Ort waren, mit ins Urteil einfließen.


Wann kommt das Sportgericht zusammen?

Das Sportgericht setzt sich aus dem Vorsitzenden und zwei Beisitzern zusammen. Eine mündliche Verhandlung vor dem Sportgericht soll die absolute Ausnahme sein, wie Dortmunds Kreisvorsitzender Jürgen Grondziewski erklärt: „Wenn Zeugen angehört werden sollen und ein Streitfall nicht über Telefon oder Email zu klären ist, tagt das Sportgericht. Das liegt dann im Ermessen der Einzelrichter.“


Wie sind die ersten Erfahrungen mit dem neuen System?

In den ersten Wochen gab es im Kreis Dortmund keinerlei negative Erfahrungen. „Mit dem neuen System soll alles schneller und günstiger ablaufen“, erklärt Grondziewski. „Wir haben festgestellt, dass schon einiges an Kosten eingespart wurde“, so der Vorsitzende.

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