SVD-Trainer Peter Radegast: Sagt noch jemand Sportstadt Dortmund?

dzBasketball-Interview

Aus sportlicher Sicht kann Basketball-Trainer Peter Radegast vom SVD zufrieden sein. Doch im Interview beklagt er die schlechten Bedingungen „für die meisten Ballsportarten“ in Dortmund.

Dortmund

, 27.12.2018, 09:44 Uhr / Lesedauer: 4 min

Herr Radegast, die Hälfte der Spielzeit ist rum. Wie fällt das Fazit der Hinrunde aus?

Insgesamt positiv, wir liegen voll im Soll. Hätte mir jemand vor der Saison gesagt, dass wir nach der Hinrunde mit vier Siegen auf Platz zehn stehen würden, hätte ich blind zugegriffen. Aber wir haben uns das erarbeitet und erkannt, dass über Sieg oder Niederlage in den meisten Fällen wir selbst entscheiden. Es war ja bislang in den meisten Fällen nicht so, dass wir auf unglaublich starke Gegner getroffen sind. Vielmehr haben wir bei den Niederlagen durch unsere Fehler oder schwache Phasen dafür gesorgt, dass wir ins Hintertreffen geraten sind.

In der Tabelle steht Ihr Team derzeit auf einem sicheren Platz. In der Rückrunde muss Ihr Team zu den meisten direkten Konkurrenten. Und Auswärtsspiele gehören zu den Schwächen des SVD. Woran liegt das?

Wenn ich das wüsste, hätte ich das längst geändert… Es ist wohl so, dass wir durch die Besonderheit in der Brügmann-Halle – rutschiger Boden, relativ dunkle Halle, die Zuschauer sitzen weit weg vom Geschehen – einen gewissen Heimvorteil haben, weil die Gastteams sich daran erst gewöhnen müssen. Hinzu kommt, dass wir, von einigen Ausnahmen abgesehen, ein relativ unerfahrenes Team haben, das sich von großer Auswärtskulisse beeindrucken lässt. Gegen die Zuschauer anzuspielen kann einen herausfordern, kann einem aber auch eine Menge Respekt einflößen.

Der SVD hat sich in der neuen Klasse eingelebt. Wie viel Entwicklungspotenzial steckt noch in der Mannschaft?

Schon eine Menge. Das haben wir bei den Siegen gegen Haspe und Ibbenbüren, zwei Teams, die uns eigentlich überlegen sein sollten, gesehen. Das Problem ist, dass wir diese guten Leistungen noch nicht konstant abrufen können. Daran müssen wir arbeiten. Wir müssen einfach noch mehr an uns glauben.

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Gezeigt hat die Hinrunde aber auch, dass die Mannschaft stark abhängig ist von der Leistung Aaron Bowsers.

Na klar, jede Mannschaft hat ihre Schlüsselspieler. Bei uns ist das sicher Aaron. Hinzu kommt noch „Fiffi“ Fuhrmann wegen seiner Präsenz auf dem Feld, und weil er das Spiel leitet. Natürlich konzentrierten sich die Gegner vor allem auf Aaron. Das heißt für die anderen, dass sie mehr Verantwortung übernehmen müssen. Aaron einfach den Ball zu geben und ihn machen zu lassen, funktioniert in dieser Klasse nicht mehr.

Wie haben sich die drei Neuzugänge Jari Beckmann, Idrissa Diene und Darko Dimkovski gemacht?

Das sind alle drei gute Typen, und wir sind froh, dass wir sie in der Mannschaft haben. Jari ist bei uns mittlerweile eine feste Größe. Er ist der sechste Mann, kommt von der Bank ins Spiel und gibt dem Team viel Energie. Das ist eine Rolle, in der er sich sehr wohl fühlt. Auch Idrissa hat sich bei uns gut eingelebt. Er hatte zu Saisonbeginn starke Phasen, ist durch seine Verletzung zurückgeworfen worden. Bei beiden Spielern darf man ja nicht vergessen, dass sie erstmal noch sehr jung sind und auch noch in Bochum trainieren. Das ist keine geringe Belastung. Darko ist ebenfalls eine Verstärkung. Er hat besonders zu Saisonbeginn starke Spiele gemacht. Sein Vorteil ist, dass er große Gegenspieler gut verteidigen kann. Das hilft ins sehr.

Jari Beckmann hat nicht nur auf dem Feld eine wichtige Rolle, sondern noch eine weitere Sonderaufgabe…

Ja, in der Tat, er ist unser „Wischermann“. Er hat sogar seinen eigenen Wischer, mit goldfarbenem Stiel. Das mag sich jetzt lustig anhören, ist es aber eigentlich nicht. Vor jedem Training müssen wir den Dreck in der Halle zusammenkehren. Man glaubt gar nicht, was da alles zusammenkommt. Staub, Wollmäuse, weiterer Mist. Wenn er das nicht täte, wäre der Hallenboden dermaßen glatt, dass die Verletzungsgefahr für die Spieler viel zu hoch wäre.

Womit wir bei den außersportlichen Umständen wären. Die Hallensituation ist und bleibt ein Problem?

Ja. Auch wenn wir über die Weihnachtspause trainieren können und die Halle nicht gesperrt ist. Das halte ich für selbstverständlich. Wir spielen ja in der 1. Basketball-Regionalliga, das ist ja schon die Schwelle zum Leistungssport, und am 5. Januar steigt gegen Herford auch unser nächstes Heimspiel. Eigentlich sollten wir aber vier Trainingseinheiten pro Woche haben. Wir bekommen aber nur drei, mehr lässt die Hallensituation bei uns eben nicht zu. Früher hieß das mal „Sportstadt Dortmund“. Ich weiß gar nicht, ob das noch jemand sagt, bin mir aber, nach allem, was ich so aus anderen Vereinen höre, sicher: Auf die Ballsportarten außerhalb des Fußballs trifft das bestimmt nicht zu.

Immerhin wird ab April die Halle Brügmann saniert.

Ja, mehr Hallenzeiten bekommen wir dadurch aber nicht. Und während die Halle geschlossen ist, dürfte die Lage eher problematischer werden. Nicht nur, weil sich die Trainingssituation damit verschlechtern wird. Zudem müssen wir auf eine andere Halle ausweichen, was dem Verein – und insbesondere der Jugendarbeit – nicht gut tut. Wir haben das ja vor vier Jahren gesehen, als die Halle zur Notunterkunft wurde. Da sind uns mehrere Jugendjahrgänge weggebrochen, weil unser Training verteilt über die Stadt anbieten mussten. Unser Einzugsgebiet ist nun mal die Nordstadt, da ist es schwierig für die Kinder zum Training nach Hörde zu kommen. Aber, wie gesagt: Das ist ja nicht nur ein Thema, das nur den SVD oder nur den Basketball betrifft. Die meisten Ballsportarten haben es sehr schwer bei uns.

Vielleicht ein positiver Aspekt zum Abschluss: Dass der SVD den Schritt in die 1. Regionalliga gewagt hat, scheint aufgegangen zu sein?

Prinzipiell schon. Der Verein ist zusammengerückt. Wir haben durch die schwierige Situation auch ehemalige Vereinsmitglieder aktivieren können, die uns tatkräftig unterstützten. So haben wir jetzt einen – wenn auch überschaubaren – Pool aus Ehrenamtlichen. Da können wir uns nur ganz herzlich bedanken. Und wenn ich mich so in der Liga umschauen: Bei uns läuft das organisatorisch besser als bei manch anderen Vereinen in der Liga. Aus finanzieller Sicht bleibt es aber leider schwierig für uns. Aus eigener Kraft kann das der Verein nicht stemmen – da brauchen wir weiterhin Unterstützung.

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