Schon Zweiter: Wie das „Patchwork-Orchester“ vom OSC Dortmund zu einer echten Mannschaft wird

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Über den phänomenalen Aufsteiger Dorstfeld wird diskutiert, über den schwachen Saisonstart von Hombruch ebenso. Allein den OSC Dortmund hatte niemand so recht auf der Karte. Wohl zu unrecht.

Dortmund

, 09.10.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vier Spieltage sind in der Handball-Verbandsliga absolviert. Und beim Blick auf die Tabelle reibt man sich doch etwas verwundert die Augen. Dort rangiert der OSC Dortmund mit 6:2-Punkten auf Rang zwei vor dem punktgleichen ATV Dorstfeld. Keine Frage, damit hätte Handball-Dortmund vor der Saison nicht wirklich gerechnet.

Überschaubare Halbwertzeit?

Die kritischen Stimmen überwogen, die dem „Projekt OSC Dortmund“ nur eine überschaubare Halbwertzeit attestierten. Die Mannschaft: Ein Sammelsurium aus Routiniers und A-Jugendlichen. Die Trainerbank: Besetzt mit der OSC-Legende Thorsten Stoschek und Anne Ewert, der A-Jugend-Trainerin. Ein echtes Novum im Männerhandball.

„Die meisten haben gedacht, dieses Experiment mit zwei Alpha-Tieren auf der Bank scheppert nach zwei Wochen und alles fliegt auseinander“, sagt Ewert, die schmunzelnd hinzufügt: „Und dazu ich als Frau im Männersport. Das konnte ja nicht gutgehen.“ Ist es aber, trotz aller längst überwunden geglaubter Klischees und Vorurteile. Klar ist aber auch: Selbst wenn das Trainerduo nicht mehr so belächelt wird wie am Anfang, intensiv beobachtet wird es allemal.

Eine ähnliche Philosophie

Stoschek und Ewert ergänzen sich ideal. Die 39-jährige Ewert, dreifache Mutter und bis zu dieser Saison Trainerin der A-Jugend des OSC, unterstreicht die „ähnliche Philosophie im Training und im Spiel“: „Wir haben die gleichen Ansichten, Thorsten und ich sind uns in den grundlegenden Dingen einig“, so Ewert.

„Wir arbeiten auf Augenhöhe. Wir halten uns gegenseitig den Rücken frei“, sagt Thorsten Stoschek, der deutschlandweit im Baumanagement tätig und damit viel unterwegs ist. „Allein aus diesem Grunde hätte ich dieses Konzept nicht allein bewältigen können – sondern nur zu zweit. Das war die Voraussetzung.“

Zehn Jahre Verbandsliga

Was hat der OSC Dortmund in den vergangenen Jahren nicht schon alles erlebt. Nach zehnjährigem Dauergastspiel in der Verbandsliga hatte sich für den OSC Dortmund im Sommer 2016 der Sprung ins westfälische Oberhaus erfüllt. Ein Jahr später folgte der sofortige Wiederabstieg, verbunden mit dem Ende der Ära von Trainer Thorsten Stoschek. Der Dortmunder hatte seit der Saison 2002/03 über 600 OSC-Spiele gecoacht und mehr als 2000 Trainingseinheiten geleitet, seine gesamte Handball-Karriere beim OSC und beim Ex-Bundesligisten Tusem Essen verbracht.

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Aus dem sofortigen Wiederaufstieg in die Oberliga wurde ein Jahr später nichts, in der Relegation setzte es zwei Niederlagen. In der Saison 2018/19 war der OSC dann als erklärter Titelfavorit gestartet – und als Fünfter weit unter den Erwartungen geblieben. Und noch bevor das letzte Meisterschaftsspiel beendet war, hatte sich die Hälfte der Mannschaft verabschiedet. Die traditionsreiche Handball-Hochburg OSC Dortmund war am Tiefpunkt angekommen.

Das Patchwork-Orchester

In nur vier Monaten seit Beginn der Vorbereitung im Sommer hat sich vieles geändert. Vorgefunden hatten Stoschek und Ewert eine Mischung aus Jung und Alt. „Wir hatten sieben erfahrene Spieler, die sich noch nicht zu einem Wechsel entschlossen hatten, dazu kamen sechs A-Jugendliche – vom OSC und aus der Umgebung“, so der 57-Jährige. Aus dem „Patchwork-Orchester“, wie Stoschek die Mannschaft nennt, hat sich eine Mannschaft formiert, die am vergangenen Freitag dem Spitzenteam aus Schalksmühle eine 25:22-Niederlage zufügte und sich damit mit 6:2-Zählern auf Rang zwei in der Tabelle positionierte.

Es läuft beim OSC, aber natürlich gibt es auch noch viel zu tun. Das wissen auch Stoschek und Ewert, die genau vor zehn Jahren ihre aktive Zeit beim Handball-Bundesligisten Borussia Dortmund unter dem damaligen Erfolgstrainer Gustl Wilke beendete. Besonders die jungen Spieler seien in ihren Leistungen naturgemäß noch nicht stabil genug.

Das Ende ist noch nicht erreicht

„Wir haben schon enorme Schritte nach vorn gemacht, aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht“, erklärt Ewert, die sich bewusst realistisch in puncto Zielsetzung gibt: „Ich möchte, dass wir personell zusammenwachsen, dass die ehemaligen A-Jugendlichen mit Hilfe der Routiniers einen Fuß in die Verbandsliga setzen.“

Was auch Thorsten Stoschek unterstreicht. „Die A-Jugendlichen heranführen, nach oben gucken, aber nicht nach ganz oben, dazu attraktiven Handball spielen und wieder mehr Fans in die Halle Hacheney locken“ lauten die Ziele des 57 Jahre alten Übungsleiters. „Die Fans sollen sehen, dass der OSC Dortmund wieder Tempohandball spielt, dass es zur Sache geht und sich ein Besuch lohnt“, sagt Stoschek.

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