Sanni Köster vom TV Hörde vor dem Topspiel: „Das wird eine echte Volleyball-Party“

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Sanni Köster fühlt „positiven Stress“ vor dem Spitzenspiel am Samstag gegen Köln. Ein Gespräch mit der Trainerin der Volleyballerinnen vom TV Hörde über Ehrgeiz, Harmonie und die Kunst des Coachens.

Dortmund

, 15.02.2019, 12:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch 20 lange, aktive Jahre auf dem Volleyball-Feld und jede Menge Erstliga-Erfahrung können nichts dran ändern: Susanne „Sanni“ Köster spürt eine „gewisse Grundnervosität“ vor dem Spitzenspiel der Frauen-Regionalliga am Samstag (16 Uhr) in Hörde. „Anspannung, Vorfreude, positiver Stress, egal, wie man es nennt. Ich freue mich jedenfalls richtig auf dieses Spiel und bin sicher, dass wir eine gute Chance haben“, sagt die Trainerin der Hörder Volleyballerinnen vor dem Liga-Knaller gegen FCJ Köln II im Redaktionsgespräch.

Ihre Mannschaft ist erst vor dieser Saison in die Regionalliga aufgestiegen, führt aktuell die Tabelle an und kann langsam für die Dritte Liga planen. Wie war das mit dem zuvor angekündigten Ziel Klassenerhalt?

Den haben wir inzwischen geschafft (lacht). Nein, es ist bisher wirklich alles optimal gelaufen. Wir wissen inzwischen, dass wir jede Mannschaft in der Liga schlagen können. Gut ist, dass der Aufstieg von uns nicht verlangt wird, das ist keine Pflichtübung. Aber wenn wir schon mal oben stehen, wollen wir auch oben bleiben, das steht fest.

Bisher haben Ihre Schützlinge erst ein Mal verloren, ausgerechnet gegen den Samstags-Gegner Köln...

Ich hab mir das Video aus dem mit 1:3 verlorenen Hinspiel noch mal angesehen, da waren wir wirklich schlecht, Annahme und Abwehr haben nicht funktioniert. Mein Co-Trainer Reinhard Wiesner und ich haben uns jetzt speziell auf die Kölnerinnen vorbereitet. Die sind sehr kompakt und geschlossen, taktisch unheimlich gut, machen wenige Eigenfehler und haben eine bärenstarke Abwehr.

Viel Lob für den Gegner, und dennoch hat der TV Hörde sechs Punkte Vorsprung an der Spitze. Was zeichnet denn Ihre Mannschaft aus?

Kämpferisch sind wir richtig gut, wir haben, ohne uns zu sehr loben zu wollen, einen Bombenangriff, wohl den besten der Liga. Unser Spiel steht und fällt aber mit der Annahme – und im Kopf. 50 Prozent im Volleyball sind Kopfsache. Ich rechne auf jeden Fall mit langen Ballwechseln, das wird auch konditionell fordernd. Das wird eine echte Volleyball-Party. Meine Mädels sind nach der Hinrunden-Niederlage richtig motiviert, sie wollen zeigen, dass sie es besser können.

Sie haben in Schwerte, Hörde und Münster 1. Bundesliga gespielt, spüren Sie den Ehrgeiz der Topsportlerin auch als Trainerin?

Das ist drin (lacht). Ich bin schon ziemlich kritisch, weise auf Fehler hin, piekse meine Spielerinnen auch gerne mal, um noch mehr herauszukitzeln. Grundsätzlich möchte ich jede Spielerin besser machen, da habe ich eine hohe Erwartungshaltung. Ich bin nicht Trainerin geworden, um nur die Bälle reinzuwerfen. Es ist sicher nicht immer ein Spaß mit mir (lacht).

Bei der Gala „Dortmunds Sportler des Jahres“, wo Ihr TVH Zweiter hinter dem Deutschland-Achter geworden ist, sah das aber ganz harmonisch aus...

Ja, das war eine super Erfahrung, dieser Abend war eine tolle Anerkennung für unsere Arbeit und für die Mannschaft die Chance, in besonderem Rahmen einmal die Seele baumeln zu lassen. In unserem Team verstehen sich alle sehr gut, aber das muss ja nicht immer zum Erfolg führen, manchmal lullt zu viel Harmonie auch ein. Bei uns unterstützt aber jeder jeden auf dem Feld. Das zu sehen macht mir großen Spaß. Die Arbeit mit der Mannschaft hat sich für mich sofort gut angefühlt.

Wie schwierig ist es, als Mutter die eigene Tochter zu trainieren. Sind Sie mit Hannah, die als Zuspielerin die Fäden im Hörder Spiel zieht, besonders streng?

Vielleicht ist das so, zu Hause wird manchmal nach einem, Spiel schon weiterdiskutiert. Hannah hat aber auf jeden Fall ihre eigene Art, mir mitzuteilen, dass jetzt genug gesagt ist. Als sie 1999 mit dem Volleyball angefangen hat, war das übrigens auch für mich ein Grund, mich nach der Konzentration auf Ausbildung, Studium und Familie wieder mehr aktiv als passiv mit dem Sport zu beschäftigen.

Sie sind Lehrerin in Vollzeit, haben auch Malerei und Grafik studiert mit eigenem Atelier in Schwerte, haben eine Familie mit zwei Kindern und sind Trainerin. Wie schaffen Sie das alles?

Die Malerei, die mir eigentlich sehr viel gibt, kommt derzeit eindeutig zu kurz. Wenn ich ins Atelier fahre, ertappe ich mich manchmal dabei, dass ich gedanklich schon das nächste Training am Abend vorbereite. Das ist der Kunst nicht zuträglich (lacht).

  • Der Erste empfängt den Zweiten – am Samstag um 16 Uhr kommt es in der Halle am Phoenix-See, Seekante, zum absoluten Topspiel der Frauen-Regionalliga.
  • Die Hörder Damen haben an der Tabellenspitze mit 38 Zählern sechs Punkte Vorsprung auf den FCJ Köln II, gegen den es im Hinspiel die bisher einzige Saisonniederlage gab.
  • Personell gibt es krankheitsbedingt noch einige Fragezeichen: Anna Blome fällt definitiv aus, Dana Kastrup plagt sich mit Schulterbeschwerden herum, Außenangreiferin Samanta Gega zwickt der Oberschenkel.
  • Trainerin Susanne „Sanni“ Köster (52), die den TVH zum Aufstieg in die höchste westdeutsche Spielklasse geführt hatte, ist Lehrerin für Wirtschaftslehre und Sport am Berufskolleg in Iserlohn. Zuvor machte sie eine Ausbildung als Steuerfachgehilfin, danach studierte sie Malerei und Grafik.
  • In der 1. Bundesliga war Köster für den 1. VC Schwerte, den TV Hörde und den USC Münster am Ball. Mit dem USC feierte sie 1991 auch den deutschen Pokalsieg.
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