Rückschlag für BVB U23: „Das war das Schlechteste, was wir gespielt haben, seit ich hier bin“

dzBVB U23

Die U23 von Borussia Dortmund wird ihrer Favoritenrolle gegen den SV Lippstadt nicht gerechnet. Trainer Mike Tullberg wird im Anschluss deutlich. Ein Spieler erklärt, was dem BVB fehlt.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 13.10.2019, 16:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein krasser Kontrast, der sich dem Beobachter nach Spielschluss am Samstag im Stadion Rote Erde bot. Während die Einlaufkinder vom SV Blau-Weiß Alstedde noch freudig-lächelnd für ein Erinnerungsfoto posierten, bahnte sich Dortmunds U23-Belegschaft ihren Weg in die Kabine, grimmig dreinschauend, genervt, enttäuscht.

Im Gegensatz zum Nachwuchs drückte ihnen das 1:2 (1:1) gegen den SV Lippstadt aufs Gemüt. Trainer Mike Tullberg siedelte die BVB-Leistung der letzten 20 Minuten in der ihm eigenen Skala letztlich ganz unten an. „Das war das Schlechteste, was wir gespielt haben, seitdem ihm hierhin gekommen bin“, rekapitulierte er verärgert.

Zwar bedeutete diese Pleite gegen den in Abstiegsgefahr schwebenden SVL bereits die vierte Niederlage im zehnten Regionalliga-Duell unter Tullbergs Leitung, diese allerdings resultierte in der Tat aus dem bisher schlechtesten Vortrag. Für diese talentierte Truppe, gespickt mit vielen technisch hochbegabten Spielern, war es ein deutlicher Rückschlag.

Dabei hatte es zu Anfang noch ganz anders ausgesehen. „In den ersten zwanzig Minuten“, sagte Dortmunds Fußballlehrer, „haben wir so begonnen, wie wir uns das gewünscht haben.“

Trotz eines BVB-Profis im Mittelfeld, baute die U23 stark ab

Dem BVB gelangen da frühe Ballgewinne, er startete besser, hatte mit Tobias Raschl aus dem Profi-Kader eine kreative Kraft im Mittelfeld, die sich darüber hinaus effektiv als Balldieb einbrachte – und so den Führungstreffer ermöglichte: Der 19-Jährige Mittelfeldspieler fing ein Anspiel ab, trabte mit Ball am Fuß noch ein paar Meter in Richtung Strafraum und assistierte dann Kapitän Joseph Boyamba zum 1:0.

Rückschlag für BVB U23: „Das war das Schlechteste, was wir gespielt haben, seit ich hier bin“

U23-Trainer Mike Tullberg fand deutliche Worte zur Leistung seiner Mannschaft gegen Lippstadt. © Thomas Bielefeld

Allerdings blieb diese glänzende Szene aus der 14. Minute eine der wenigen mit der nötigen Zielstrebigkeit, kurz danach bauten die Dortmunder stark ab.

Steffen Tigges, als zentraler Stürmer noch mit einer Kopfballchance zu Beginn der zweiten Halbzeit, haderte: „Wir haben viel zu langsam gespielt, den Ball zu lange gehalten. Jeder hatte zwei, drei Kontakte, dann ist es für den Gegner einfach, gut zu verteidigen.“ Und Lars Bünning, wegen einer Knieverletzung nach knapp zweieinhalb Monaten erstmals wieder für 58 Minuten auf dem Feld, meinte: „Wir hätten das Spiel teilweise schneller verlagern müssen. Uns haben dann die Ideen gefehlt.“

Die Ideen, um mal gefährlich zu werden. Bünning wünschte sich, „dass wir manchmal dann einfach auch schneller flanken.“ Als immer nur das schöne, flache Spiel zu forcieren.

„Von der gesamten Mannschaft“, kritisierte Tigges, „war das zu wenig. Defensiv müssen wir uns alle auch mehr in die Zweikämpfe hauen, müssen Angriffe des Gegners wieder schneller unterbrechen.“ Vor dem ersten Gegentreffer war dieses Manko vorzüglich zu beobachten, als Lippstadts Innenverteidiger und Torschütze Marius Kröner erst in noch ungefährlicher Zone nicht richtig attackiert wurde, dann der Doppelpass nicht unterbunden werden konnte – und Kröner schließlich frei vor Eric Oelschlägel zum erfolgreichen Abschluss kam (23.).

Dass sich der BVB nach dem zweiten Lippstädter Tor durch Kevin Hoffmeier in der 61. Minute nicht mehr aufraffen konnte, um wenigstens noch einen Punkt zu erobern, überraschte, hatte sich die U23 in den Wochen davor doch meist stabiler und wehrhafter präsentiert.

„Die Art und Weise der Niederlage ist nicht zu akzeptieren“, sagte Bünning. „Es hat so gewirkt, als hätten wir aufgegeben.“ Tullberg fehlte am Ende gleichfalls „die Körpersprache“. Der Däne hatte das Gefühl, „dass der Eine oder Andere den Sieg gar nicht mehr wollte.“ Bünning sagte dazu: „So wie es heute war, darf es nicht noch einmal vorkommen.“ Immerhin positiv: Sie alle aus dem Dortmunder Lager wählten hernach eine klare, kritische Ansprache, schönten nichts.

Tigges erklärt, was der jungen U23 fehlt

Doch wie kann es dieser so jungen U23 künftig gelingen, die Anzahl der sicherlich auftretenden Leistungsdellen dann auch wirklich zu minimieren? Tigges bemerkte, dass dem unerfahrenen BVB-II-Kollegium „die Hierarchie fehlt, die andere Teams mit anderer Altersstruktur haben. Dass wir das kompensieren müssen, war uns schon vorher klar.“

Intern hätten sie dies schon thematisiert – und seien zu dem Schluss gekommen: „Jeder ist in der Verantwortung, jeder muss sich auf dem Feld einbringen, keiner darf sich rausnehmen. Wir alle“, sagte der 21 Jahre junge Angreifer, „wir alle sitzen doch im selben Boot.“ Gegen Lippstadt war es eines ohne Kompass und Steuermann.

BVB II: Oelschlägel – Hippe, Rente, Bünning (58. Ruprecht), Morey (65. Wanner) – Tunga (69. Aydinel), Kaastrup (62. Hober), Raschl – Boyamba, Tigges, Führich – Trainer: Tullberg Tore: 1:0 Boyamba (14.), 1:1 Kröner (23.), 1:2 K. Hoffmeier (61.)
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