Real-Talk: Dieser Dortmunder Amateurfußballer hat seinen eigenen YouTube-Channel

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Auf dem Platz ist er schnell und torgefährlich, im Internet lässt er sich mehr Zeit. Mit seinem YouTube-Channel über Persönlichkeitsentwicklung will ein Schürener Neuzugang erfolgreich sein.

Dortmund

, 29.08.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein Glücksfall für den BSV Schüren, dass Leeroy Boatey sich aus eigenem Antrieb in der Westfalenliga umschaute. Der in Lüdenscheid wohnende 23-Jährige hatte nach einem weiteren Jahr mit wenig Spielzeit beim Oberligisten SC Düsseldorf keine Lust mehr auf Ersatzbänke: „Ich habe mich entschieden, eine Liga tiefer zu gehen und irgendwas in der Nähe gesucht“, sagt Boatey. Und da etwas mehr als 40 Kilometer nach Dortmund deutlich näher sind als 100 nach Düsseldorf, meldete sich der Linksfuß beim BSV Schüren.

Keine Scouting-Abteilung wie der BVB

„Wir haben ja keine Scouting-Abteilung wie Borussia Dortmund“, sagt Trainer Arthur Matlik, „wir sind da manchmal auch auf das Prinzip Glück angewiesen.“ Und Boatey sah schon beim ersten Training aus wie ein Sechser im Lotto: „Er ist genau das, was wir gesucht haben: Ein schneller Linksfuß mit einem guten Abschluss und ein absoluter Teamplayer“, sagt Matlik.

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Und weil auch menschlich schnell klar war, dass Boatey „ein extrem positiver und charakterlich feiner Mensch ist“, bat der BSV den 23-Jährigen schon nach dem ersten Training darum, in der kommenden Saison mit ihm planen zu dürfen: „Das ging echt schnell“, sagt Boatey, der die Zugabe sofort bei Peter Seifert hinterlegte.

Viele Hindernisse auf dem Weg

Die sportliche Karriere des Leeroy Boatey ist eine mit vielen Hindernissen. In der unbeschwerten Jugend ist er zunächst ein Jahr beim BVB, dann in Iserlohn, vier Jahre bei Rot-Weiß Ahlen, dann bei Westfalia Herne und schließlich wieder in Iserlohn, bevor er bei seiner ersten Seniorenstation beim Oberligisten TuS Ennepetal die ganze Härte des Sports kennenlernt: „Ich hatte vorher immer gespielt - und plötzlich wurde gar nicht mehr auf mich gesetzt“, erzählt Boatey, der sich daraufhin bei der U23 des SC Paderborn anbietet.

Bis kurz vor dem Saisonstart geht er davon aus, dort spielen zu können, „doch dann kamen ein paar Profis von oben runter und ich habe kurz vorher noch eine Absage bekommen“, sagt Boatey. Er schließt sich dem damaligen Oberligisten SpVgg Erkenschwick an, ist aber erst einmal gesperrt, weil Erkenschwick keine Ablöse für ihn zahlen kann. Nach seiner Freigabe spielt er dann zwar, doch im Winter verletzt sich Boatey - und muss wieder von vorne anfangen.

Schlimme Saison in Düsseldorf

Er versucht es beim SC Hassel, bekommt endlich Spielpraxis und muss dann mit ansehen, wie der Klub insovent geht: „Ich hab dann ein Auslandssemester in Venlo gemacht“, erzählt Boatey, der Sport- und Event-Management an der BIZ in Iserlohn studiert. Nach einem halben Jahr fußballerischer Auszeit geht er nach Düsseldorf, wo sich viele kleine Verletzungen zu einem Gesamtkunstwerk summieren, wegen dem er am Ende nur auf vier Einsätze kommt: „Die letzte Saison war die schlimmste“, sagt Boatey.

Also startet er neu, in Schüren, eine Liga tiefer wie gesagt, wo er auf den alten Ahlener Teamkollegen Hasan Bastürk trifft, auch Zivko Radojcic kennt er schon, weil der mit seinem jüngeren Bruder Jeffrey befreundet ist, der bei der TSG Sprockhövel spielt. Doch auch hier scheint Leeroy Boatey das Pech hold zu sein, gleich im ersten Testspiel kugelt er sich - nachdem er sein erstes Tor erzielt hat - den Ellenbogen aus und verpasst fast die gesamte Vorbereitung: „Ich kann den Arm immer noch nicht komplett strecken“, sagt Boatey, „aber für den ersten Einsatz hat es jetzt schonmal gereicht.“

Endlich weiterentwickeln

Gegen Brünninghausen gibt er sein Debüt, 90 Minuten lang, eine Niederlage zwar, ärgerlich natürlich, aber für Boatey nur der Anfang seiner persönlichen Geschichte: „Ich will hier so oft wie möglich spielen, reinkommen, dem Team helfen. Wenn nicht mit Toren, dann mit Vorlagen. Und mich endlich weiterentwickeln.“ Denn das konnte er in den vergangenen Jahren nicht.

Dafür hat er andere Dinge gemacht. Neben dem Studium zum Beispiel zusammen mit seinem Bruder einen YouTube-Channel gegründet, den er mittlerweile alleine betreibt: „Der hat jetzt noch keine 1000 Follower, aber das ist ein Prozess. Ich will damit Reichweite aufbauen“, sagt Boatey. Am Anfang postet er Gameplay-Videos, schwenkt dann auf Comedy um und ist nun bei Persönlichkeitsentwicklung gelandet: „Real-Talk“, wie er es nennt.

Real-Talk war auch nach der Derby-Niederlage gegen Brünninghausen nötig, zumindest seinen Trainer Arthur Matlik hat das 1:3 noch lange beschäftigt: „Wir wollen gegen Lennestadt die Niederlage gegen Brünninghausen wiedergutmachen“, sagt Boatey. Am ungewohnten Freitag (19 Uhr, Schürener Straße 47a) geht es gegen den Abstiegskampf-Konkurrenten aus dem Vorjahr, der den Schürenern den letzten Nichtabstiegsplatz wegschnappte, wodurch der BSV durch die harte Relegation musste.

Eine komplett neue Mannschaft

Boatey war damals noch nicht dabei. Aber in Schüren hat sich in dieser Saison einiges geändert: „Wir sind ja eine komplett neue Mannschaft“, sagt Matlik. „Das Mannschaftsgefüge passt super“, sagt Boatey dann auch, „jetzt müssen wir es nur auf den Platz bringen.“

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