Radegast: Mit Nowitzki verlieren wir eine Persönlichkeit, die es so nie wieder geben wird

dzBasketball

SVD-Trainer Peter Radegast begegnete Dirk Nowitzki einst zweimal auf dem Feld. Im ersten Spiel fand er sich damals besser, erinnert sich der Dortmunder heute - und wurde bitter bestraft.

Dortmund

, 10.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Nein, extra aufgestanden ist er für Dirk Nowitzkis letztes Heimspiel mit den Dallas Mavericks in der Nacht zu Mittwoch nicht, sagt Peter Radegast. Was weniger am besten deutschen Basketballer aller Zeiten liegt, als vielmehr an seinen Arbeitszeiten. In seinem Büro allerdings machte sich Peter Radegast dann am Mittwoch doch noch ein genaues Bild von Nowitzkis Abschied.

Radegast ist neben seiner Trainertätigkeit beim Regionalligisten SVD 49 Dortmund auch Chef-Trainer-Ausbilder beim DBB. Von 2010 bis 2015 war er Sportdirektor beim Deutschen Basketball Bund und lernte den heute 40 Jahre alten Würzbürger persönlich kennen. Im Interview mit Oliver Brand spricht Radegast über Nowitzkis Zeit bei der Nationalmannschaft, seinen Abschied - und ein direktes Duell als Aktiver auf dem Feld.

Sind Sie für das letzte Heimspiel von Dirk Nowitzki in der Nacht zu Mittwoch aufgestanden?

Heute Nacht nicht (lacht). Aber wir haben morgens im Büro dann die Nachrichten gesehen und uns die Verabschiedung mit den Hall of Famern angeschaut. Und natürlich auch seine kurze Rede.

Ist jemand, der Nowitzki nicht nur aus dem Fernsehen, sondern auch vom Deutschen Basketball Bund kennt, bei solchen Szenen emotionaler?

Auf jeden Fall. Dadurch, dass ich beim DBB bin, ist man ja nah dran. Auch wenn ich nur zweimal mit ihm direkt zusammengearbeitet habe. Er ist ja ein Typ, der sehr offen ist und alles andere als ein Fremdkörper. Dirk ist genauso wie er rüberkommt.

Radegast: Mit Nowitzki verlieren wir eine Persönlichkeit, die es so nie wieder geben wird

Peter Radegast © Stephan Schütze

Bei der EM 2011 in Litauen und 2015 in Berlin haben Sie ihn hautnah erlebt. Was verbinden Sie mit damals?

Ich habe heute noch das Bild vor Augen, als wir 2015 im letzten Vorrundenspiel gegen Spanien ausgeschieden sind. Er steht dort auf dem Feld, deutete an, dass es sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft war - und die ganze Halle jubelt. Kaum einer ist gegangen. Das war schon ziemlich emotional. Und als er dann die Halle verlassen hat, durch die Tribüne, da musste man schon selbst an sich halten und hatte glasige Augen. Man wusste: Das war es jetzt für ihn mit der Nationalmannschaft.

Wie hat sich Nowitzki damals innerhalb der Mannschaft gegeben?

Er ist natürlich hoch professionell. Aber er ist genauso locker, wie er am Bildschirm rüberkommt. Da ist nichts gespielt. Nichts aufgesetzt. Er ist nie einer gewesen, der irgendwelche Extras gefordert hat. Sondern er hat sich untergeordnet und war einfach ein Mitglied der Mannschaft.

„Er ist nie einer gewesen, der irgendwelche Extras gefordert hat. Sondern er hat sich untergeordnet und war einfach ein Mitglied der Mannschaft.“
Peter Radegast

Können Sie sich daran erinnern, als Sie Dirk Nowitzki das erste Mal gegenüberstanden?

Ganz gut sogar. Denn das war auf dem Feld. Das muss in der Saison 1996/97 gewesen sein. Wir haben mit Herten in der Relegation zur Bundesliga gegen Würzburg gespielt und wir sind direkt aufeinander getroffen.

Wissen Sie noch, wie es damals lief?

Im ersten Spiel dachte ich noch: Der ist ja ganz okay, aber ich fand mich besser (lacht). Im Rückspiel dachte ich dann: Oh scheiße… Das war schon hart, da hat er richtig gescort. Aber das Hinspiel haben wir gewonnen, und das Rückspiel war dann egal und wir haben verloren.

Wie war er zu verteidigen?

Gar nicht… (lacht)

Konnte man denn damals schon sehen, dass er einmal so gut werden würde?

Jeder hat gesehen, was für ein Ausnahmetalent er war. Dass er so eine Karriere hinlegt, war natürlich nicht vorauszusehen. Aber die Moves, die er drauf hatte, waren schon sehr stark. Und er hat sich ja auch kontinuierlich weiterentwickelt.

Waren Sie von seiner Entscheidung überrascht, dass er nun aufhört?

Nein, das nicht. Dirk Nowitzki war ja schon in den vergangenen Wochen auf Abschiedstour und wurde in den Hallen gebührend verabschiedet. Aber in seinem Alter wird es ja auch von Jahr zu Jahr schwieriger, sich zu motivieren, aber auch körperlich. Und er hatte ja auch viele kleinere Wehwehchen, die man halt so hat, wenn man älter wird. Und er würde sich selbst untreu werden, hätte er spontan gesagt: Ätschibätsch, ich mache doch weiter. Das wäre auch einfach nicht sein Stil. Aber er hat ja nun auch genug geleistet (lacht).

„Er würde sich selbst untreu werden, hätte er spontan gesagt: Ätschibätsch, ich mache doch weiter.“
Peter Radegast

Hätte Dirk Nowitzki denn von der Leistungsfähigkeit noch ein Jahr dranhängen können?

Es ist immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Bei manchen hat man ja das Gefühl, sie hören zu früh auf. Dirk hat jetzt noch eine vernünftige Saison gespielt, und er könnte sicherlich noch ein Jahr dran hängen. Aber dann würde er nur noch hier und da ein paar Minuten aufs Feld kommen und würde der Mannschaft in ein paar Spielen helfen. Aber das ist nicht sein Anspruch. Deswegen denke ich, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, mit dem Spiel aufzuhören.

Wie schwer wiegt der Abschied von Nowitzki für den deutschen Basketball?

Natürlich schmerzt es, gerade auch, weil wir eine so große Persönlichkeit verlieren, die es so nie wieder geben wird. Aber wir haben ja mittlerweile mehrere Profis, die in der NBA spielen. Dennis Schröder ist ja nun auch in aller Munde. Auch wenn er ein ganz anderer Typ ist. Wenn er so weiter macht, wird er sicherlich auch irgendwann All Star werden. Aber es ist schon so, dass wir viele junge Spieler haben, die in seine Fußstapfen treten können.

Glauben Sie, dass Dirk Nowitzki dem deutschen Basketball in irgendeiner Form erhalten bleiben wird?

In irgendeiner Form werden wir schon versuchen, ihn bei uns einzubinden. In welcher Form, weiß ich nicht. Aber unser Generalsekretär (Wolfgang Brenscheidt, Anm. d. Red.) ist ja auch gerade in Dallas. Da wird es sicherlich schon den ein oder anderen Austausch gegeben haben., was er sich vielleicht vorstellen kann. Aber jetzt ist sein letztes Spiel, und dann soll er erst einmal Ruhe haben. Und dann kann man schauen, wohin der Weg führt.

„In irgendeiner Form werden wir schon versuchen, ihn beim DBB einzubinden. In welcher Form, weiß ich nicht.“
Peter Radegast

Werden Sie sich sein letztes Spiel (in der Nacht zu Donnerstag) anschauen?

Das Gute heutzutage ist ja, dass man sich die Spiele auch zeitversetzt anschauen kann. Daher werde ich wohl auch nicht nachts aufstehen.

Wie war das früher, als es diese Möglichkeit noch nicht gab: Sind Sie da nachts wach geblieben, um sich die Finalspiele mit Dallas anzuschauen?

Natürlich. Aber da war es schwieriger, überhaupt die Spiele irgendwo sehen zu können. Aber irgendwie hat es immer geklappt. In Erinnerung geblieben sind mir aber eher die Spiele mit der Nationalmannschaft. Weil sie halt für uns von enormer Bedeutung gewesen sind.

Lesen Sie jetzt