Probleme mit dem FLVW-Fragebogen: Mehrmaliges Abstimmen pro Verein möglich?

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Der FLVW hat eine Umfrage an die Vereine geschickt, wie die Saison fortgesetzt werden soll. Lest hier, wie die Verantwortlichen diesen Fragebogen bewerten - und welches Problem es schon jetzt gibt.

Dortmund

, 18.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von Annullierung der Saison bis zur Fortsetzung der Spielzeit ist alles dabei: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat vier Möglichkeiten erarbeitet, wie die Saison weitergehen könnte. Um herauszufinden, wie die Vereine diese Optionen sehen, wurde ein Fragebogen an die Klubs geschickt.

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Hier nochmal die Szenarien im Überblick:

  • Abbruch und Saison annullieren: Bei diesem Szenario gäbe es keine Auf- und keine Absteiger aus den Ligen.
  • Abbruch und Hinrunde werten: Bei diesem Szenario würde der Tabellenstand der Hinrunden gewertet werden, um die jeweiligen Aufsteiger zu bestimmen. Absteiger gäbe es keine.
  • Abbruch und aktuellen Tabellenstand werten: Bei diesem Szenario würde der Tabellenstand zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs gewertet werden, um die jeweiligen Aufsteiger zu bestimmen. Absteiger gäbe es keine.
  • Saisonfortsetzung (falls möglich) ab September

Die Vereine haben einen Link zu einem digitalen Fragebogen zugeschickt bekommen und können über ihre Vereinskennziffer eine Option auswählen. Dabei ist es aber auch möglich, mehrere Male pro Verein abzustimmen. Das bestätigte ein Verantwortlicher. Wie geht der Verband damit um?

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„Jeder Verein hat natürlich nur eine Stimme. Wir haben eine Liste, wo wir sehen können, wer abgestimmt hat. Sollte es zu mehreren Abstimmungen innerhalb eines Vereins kommen, wird natürlich nur eine Stimme gewertet. Sollten unterschiedliche Optionen gewählt worden sein, setzen wir uns mit dem jeweiligen Verein nochmal in Verbindung“, erklärt Meike Ebbert von der Stabsstelle Kommunikation des FLVW.

Außerdem fügt Ebbert an: „Die Umfrage soll eine Stimmungsbild der Vereine abgeben. Anschließend soll es eine Videokonferenz mit den Verantwortlichen des Verbandes geben, auf denen auch andere Vorschläge, die über die bisherigen Ideen hinausgehen, vorgestellt werden.“

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So bewerten die Verantwortlichen von Dortmunder Vereinen die Umfrage:

Michael Linke, Vereinsschef ASC 09 Dortmund – das Team liegt im unteren Mittelfeld der Oberliga: „Die Frage ist, wie repräsentativ die Umfrage ist. In jedem Verein sind zahlreiche Teams versammelt. Während die einen sicher im Mittelfeld stehen, kämpfen die anderen vielleicht gegen den Abstieg. Insofern ist eine Entscheidung pro Verein super schwierig, eigentlich nicht machbar. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, was ich für den ASC 09 ankreuze. Vielleicht kreuzen wir auch gar nichts an. Das Problem ist ja auch, wer diese Entscheidung trifft. Mal ist es der Vereinsvorsitzende, mal ein Trainer. Ein Gesamtbild ist schwierig. Zudem ist die Entscheidung des FLVW davon abhängig, was in den Ligen darüber passiert. Auch wissen wir noch nicht, ab wann Großveranstaltungen wieder erlaubt sind. Bleibt es hier wirklich beim 1. September? Und wann gilt eine Veranstaltung als Großveranstaltung? Daher ist es alles Kaffeesatzleserei.“

Daniel Dukic, Sportlicher Leiter bei Westfalia Wickede – das Team liegt momentan auf einem Abstiegsplatz in der Westfalenliga: „Zunächst einmal finde ich es exzellent, dass der Verband die Vereine miteinbezieht. Damit schafft der Verband eine Transparenz und entscheidet nicht alleine. Wir haben bereits abgestimmt und uns für Option zwei entschieden. Zu diesem Zeitpunkt haben alle Teams die gleiche Anzahl an Spielen absolviert und daher halten wir diese Regelung für die fairste. Außerdem wollen wir keine antizyklische Saison. Wenn im September weitergespielt werden würde, müssten die anschließende Spielzeit aber auch die Hallenstadtmeisterschaft verschoben werden. Wir wollen eine Kontinuität für dieses aber auch für die kommenden Jahre.

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Reza Hassani, Trainer Türkspor Dortmund – das Team ist Spitzenreiter der Bezirksliga: „Ich denke, für uns kommen die Optionen zwei, drei und vier in Frage. Wenn die Saison annulliert werden würde, wäre das extrem schwierig für uns. Wir haben viel Kraft, Zeit und Aufwand investiert und deswegen wäre es ungerecht, wenn wir nicht aufsteigen dürften. Ich denke, die Umfrage wird bei der Entscheidung des Verbandes keine große Rolle spielen. Ich vermute sogar, dass dort schon eine Entscheidung getroffen wurde. Es ist ja auch so, dass für die meisten Vereine die erste Option, sprich eine Annullierung der Saison, die beste Sache ist. Daher sind die Teams, die aufsteigen wollen, klar in der Unterzahl.

Chris Meschede, Trainer Westfalia Huckarde – das Team liegt auf Rang zwei der Kreisliga A1, punktgleich mit Spitzenreiter Blau-Weiß Huckarde: „Wir hoffen natürlich auf eine Fortsetzung der Saison und werden daher auch die vierte Option ankreuzen. Ich bin dafür, dass alles sportlich entschieden wird. Mit den aktuellen Möglichkeiten sind Playoffs vermutlich auch vom Tisch. Das ist schade. Auch eine Annullierung der Saison wäre natürlich bitter und brutal ärgerlich. Gerade in den vergangenen Wochen waren wir stark in Form. Für uns wäre es auch okay, wenn es Geisterspiele gebe. Hauptsache ist, dass wir wieder Fußball spielen können.

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Thomas Faust, Trainer Blau-Weiß Huckarde – das Team ist Spitzenreiter der Kreisliga A1. „Für mich kommen nur die Optionen drei oder vier in Frage. Die ersten beiden Varianten finde ich nicht gut. Wenn man schon einen Stand der Saison wertet, dann den letztmöglichen – und eine Annullierung kann nicht das Ziel der Beteiligten sein. Bei Option drei sollte man zudem mehrere Aufsteiger zulassen und die Ligen auffüllen. Wenn wir die Möglichkeit haben, ist eine sportliche Entscheidung immer die beste. Ein Termin der Wiederaufnahme im September ist zudem sinnvoll, da dann die Sommerferien vorbei sind. Ich verstehe die Umfrage so, dass der Verband ein Stimmungsbild der Vereine einholen möchte. Wir Vereine haben ja am Ende nichts zu entscheiden. Sonst könnten die Verantwortlichen der Klubs ja auch andere Vereine versuchen zu beeinflussen.

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