Polizei: Auch BVB-Ultras waren bewaffnet in Aplerbeck - ASC erwartet Stellungnahme von Schalke

dzBei Oberliga-Spiel

Der Stadionsturm der Schalker Ultras sitzt den Verantwortlichen beim ASC 09 Dortmund noch in den Knochen. Vor allem die Aussagen des Schalker Trainers sorgen in Aplerbeck für Unverständnis.

Dortmund

, 27.05.2019, 14:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sollte ein schöner Abschluss einer fantastischen Saison für den ASC 09 Dortmund werden. Doch es wurde ein Nachmittag, den alle Aplerbecker am liebsten schnell vergessen würden. Der Stadionsturm der Schalker Ultras beim letzten Oberliga-Heimspiel zwischen dem ASC 09 und der U23 von Schalke 04 sorgte auch am Tag danach noch für Unbehagen: „Es war eine beklemmende Situation“, sagt der 1. Vorsitzender des ASC, Michael Linke.

Überraschende Anreise

Der Klub steht regelmäßig in Kontakt mit der Polizei, gerade bei Spielen mit erhöhtem Gefahrenpotenzial, doch dieses Mal, sagt Linke, „hatten wir keinerlei Information, dass etwas passieren könnte.“ Der ASC hatte standardmäßig 15 Ordner bestellt, zudem waren zwölf Polizisten der Wache in Aplerbeck vor Ort. „Wir haben dann um 14.15 Uhr die Nachricht bekommen, dass am Hauptbahnhof 100 bis 150 Leute mit blau-weißen Schals aus- und in die U47 nach Aplerbeck eingestiegen sind“, erzählt Linke.

Die Polizei berichtet in ihrer Pressemitteilung am Montag dann auch von einer „überraschenden“ Anreise der ungefähr 100 Gelsenkirchener Anhänger, „darunter zum größten Teil gewaltbereite Ultras“.

Und sie bestätigt, was zunächst nur ein Gerücht gewesen ist: Denn für das Oberliga-Spiel der Schalker U23 hatten die „mit Quarzsandhandschuhen und Mundschutz“ ausgestatteten Gäste von Anfang an keinen Blick, vielmehr schien der Aufenthalt im Aplerbecker Waldstadion eine Provokation in Richtung der BVB-Ultras zu sein: „In der zweiten Halbzeit versuchten gewaltbereite Anhänger von Schalke das Stadion unkontrolliert zu verlassen“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Polizei verhinderte dies, „um einem provozierten Aufeinandertreffen mit Dortmunder Ultras auf Dortmunder Stadtgebiet vorzeitig entgegenzuwirken.“

BVB-Ultras waren vor Ort

Im Umfeld des Stadions hätten sich laut Polizei nämlich tatsächlich „einige Personen der Dortmunder Ultra-Szene“ befunden, die ebenfalls bewaffnet gewesen seien: „Die Polizeibeamten sprachen mehrere Platzverweise aus“, heißt es in der Mitteilung.

Jetzt lesen

Damit bestätigt sich, dass der ASC lediglich das Pech hatte, ein Dortmunder Verein zu sein: „Wir hatten schon die Befürchtung, dass es eine Art Retourkutsche für die Geschichte mit der Schalker Fankneipe sein sollte“, sagt Linke, der sofort seine Frau und Kind nach Hause schickte. Ende April hatten einige Randalierer aus BVB-Kreisen eine Schalker Fankneipe angegriffen.

Jugendmannschaften hatten Angst

„Als die Schalker ankamen, haben wir gerade die Ehrungen für unsere Jugendmannschaften vorgenommen. Die hatten natürlich Angst – und wir Bammel, dass was passiert.“ Dass am Ende nichts passiert sei, war laut Linke der absolut deeskalierenden Vorgehensweise sowohl der Aplerbecker als auch der Polizei zu verdanken: „Es war eine gespenstische Stille im Stadion. Man hatte das Gefühl: Gibt es hier einen Funken, dann passiert was.“

Die Tatsache, dass die Situation nicht eskalierte, verleitete Schalke-Trainer Torsten Fröhling hinterher dann allerdings zu der mindestens unglücklichen Aussage: „Es würde mich freuen, wenn die auch mal zu uns kommen - aber nicht unter diesen Begleitumständen.“ Ob er den gewaltsamen Zutritt zum Stadion, die extrem angespannte Stimmung und den teuren Polizeieinsatz meinte, blieb unklar.

„Wir erwarten, dass Schalke sich davon distanziert“

Den Aplerbeckern stößt nun jedenfalls sauer auf, dass sich der Profi-Klub zunächst nicht anderweitig geäußert hat. Linke will dem Verein aus Gelsenkirchen einen Brief schreiben: „Wir erwarten, dass Schalke Stellung bezieht und sich davon distanziert“, sagt Linke, „wenn die solche Fans haben wollen, dann gute Nacht.“

Auch der Sportliche Leiter Samir Habibovic konnte Fröhlings Aussage nicht nachvollziehen: „Es geht nicht um die paar Hundert Euro. Aber dass er sagt, dass es friedlich war, stimmt halt nicht. Die haben unsere Ordner weggeschubst und haben sich gewaltsam Zugang zum Stadion verschafft.“ Und Linke sagt: „Wir wollten kassieren, hatten aber keine Chance. Die haben uns überrannt.“

Schalke verurteilt mögliche Provokationen

Aus Schalker Kreisen hieß es am Tag nach den Vorkommnissen: „Wir sind froh, dass die Polizei so schnell auf die Lage reagiert hat, da auch bei uns niemand im Vorfeld Kenntnis darüber hatte. Sollten Provokationen unserer Fans im Rahmen dieses Spiel geplant gewesen sein, verurteilen wir das strikt.“

Jetzt lesen
Jetzt lesen

Eine Stellungnahme des FC Schalke 04 gab es bis Montagnachmittag noch nicht.
Lesen Sie jetzt