On-Off-Beziehung beim ASC 09 Dortmund: Marcel Münzel pendelt zwischen Oberliga und Kreisliga A

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Erst war er drin, dann ganz raus und am Sonntag plötzlich wieder drin: Marcel Münzel und die Startelf des ASC 09 Dortmund - das ist eine komplizierte Beziehung in dieser Saison.

Dortmund

, 08.10.2019, 15:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marcel Münzel wollte sich keine Blöße geben. Der 28-Jährige schmiss sich in jeden Zweikampf, nahm jedes Kopfballduell, ging keiner kniffligen Situation aus dem Weg: „Ich wollte das Vertrauen zurückgeben“, sagt der Defensiv-Spezialist des Oberligisten ASC 09 Dortmund nach dem 2:0-Erfolg beim SV Schermbeck.

Vertrauen entzogen

Dieses Vertrauen war ihm ja zuvor recht ruppig entzogen worden. Dreimal hatte Münzel, der zu Saisonbeginn zunächst zweimal eingewechselt wurde, in der Startelf gestanden: beim 1:2 gegen Meinerzhagen, beim 3:4 in Erndtebrück und beim 0:2 gegen RW Ahlen.

Während er in den ersten beiden Partien durchspielen durfte, war das Spiel gegen Ahlen für ihn nach 53 Minuten beendet - und damit zunächst auch die Zeit als fester Bestandteil des Spieltagskaders: Er war plötzlich gar nicht mehr dabei.

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„Der Trainer hat mir gesagt, dass der Einsatz stimmt, es aber im Moment einfach nicht passt“, erzählt Münzel über diese schwierige Phase. Er sei nach den drei Startelf-Einsätzen in ein Loch gefallen, sagte der Coach: „Es war im ersten Moment hart für mich, das gesagt zu bekommen, weil ich halt immer alles gebe“, sagt Münzel, „das tut schon weh, wenn man dann in so einer Phase nicht helfen kann.“

Bockig? Nicht Marcel Münzel

Jetzt gibt es Fußballer, die sich in solch einer Situation abwenden, bockig werden oder sogar hintenrum gegen den Trainer schießen würden. Marcel Münzel ist nicht so ein Fußballer: „Natürlich war ich enttäuscht und auch ein bisschen angesäuert. Ich glaube, wenn ich das nicht gewesen wäre, wäre ich als Fußballer falsch“, sagt Münzel, „ich habe es so angenommen, ändern konnte ich es ja eh nicht“,

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Der Sportliche Leiter des ASC, Samir Habibovic, nennt Münzel nicht nur deshalb „einen absoluten Team-Spieler mit einem hohen Standing innerhalb der Mannschaft. Er lässt sich nie hängen, auch wenn er mal Auswechselspieler ist oder in der Zweiten spielen muss.“

Denn genau das sollte Münzel nun tun, der seit 2014 117 Oberliga-Spiele für den ASC absolviert hatte. Gut, in der vergangenen machte er nur fünf, das lag allerdings mitunter auch an seiner instabilen Leiste, die ihn lange außer Gefecht setzte. Trotzdem hätten sie ihm im Sommer wohl keine Steine in den Weg gelegt, aber ein Wechsel kam für Münzel nicht in Frage.

„Ich wollte zeigen, dass er sich geirrt hat“

Und so läuft Marcel Münzel also am 27. September beim Heimspiel der A-Liga-Mannschaft des ASC gegen den VfB Westhofen auf, spielt 90 Minuten durch und ist ein Teil des 5:1-Erfolgs: „Ich wollte dem Coach natürlich zeigen, dass er sich geirrt und einen Fehler gemacht hat. Das Spiel hat mir im Nachhinein sogar richtig gut getan - auch wenn ich es nicht gebraucht hätte“, sagt Münzel, der sich im Team von Tim Schwarz und Dominik Altfeld richtig wohl fühlte. Es war erst sein zweites A-Liga-Spiel für den ASC, fast exakt ein Jahr zuvor - am 23. September 2018 - hatte er beim 3:1 gegen die Sportfreunde Nette schon einmal ausgeholfen.

Und während die Oberliga-Mannschaft in der Gegenwart im Regen von Aplerbeck mit 2:3 gegen Siegen verlor, erinnerte sich Trainer Daniel Sekic daran, dass er einen Spieler in seinem Kader hat, der für solche Spiele eigentlich gemacht ist: „Ich bin ein körperbetonter Spielertyp“, sagt Münzel selbst. Das weiß auch Sekic, der ihn gegen Siegen nicht mehr bringen kann, aber an ihn denkt, als er die Partie gegen Schermbeck plant: „Wir haben bei den Bodenverhältnissen gegen einen kopfballstarken Gegner einen Spieler gebraucht, der viele Zweikämpfe gewinnen kann“, sagt Sekic, „Marcel hat sich nie hängen lassen und immer angeboten - der Einsatz war die Belohnung dafür.“

Wie in einer On-Off-Beziehung

„Ich war schon ein wenig überrascht, weil es jetzt nicht gerade üblich ist, zu spielen, wenn man vorher nicht mal im Kader war. Aber es zeigt halt auch, dass es möglich ist“, sagt Münzel. Wie in einer On-Off-Beziehung ist der 28-Jährige sofort wieder on fire, gegen Schermbeck verliert er fast keinen Zweikampf, räumt rigoros alles ab: „Er hat seine Chance genutzt und ein Top-Spiel abgeliefert“, sagt Habibovic. „Vielleicht ist durch den Einsatz von mir der Funke auf den Rest der Mannschaft übergesprungen“, sagt Münzel und betont: „Das Spiel hat mir enormes Selbstvertrauen gegeben.“

Ob er nun wieder Stammspieler ist? Münzel ist damit vorsichtig: „Der Sieg tat der Mannschaft gut, genau so einen haben wir gebraucht. Manchmal hilft es, mehr Fußball zu spielen, aber die Grundtugenden müssen da sein“, sagt er. Grundtugenden, die bei einem wie ihm auf jeden Fall immer vorhanden sind.

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