Oliver Görich ist seit 20 Jahren ein Wanderer

Serie: Herzblut

Viele Menschen opfern für ihren Sport und ihren Verein viel Zeit - oftmals, ohne dafür auch nur einen müden Cent zu erhalten. Ehrenamtler stecken ihr ganzes "Herzblut" in ihr Hobby. Und ohne sie geht es meist gar nicht mehr. In unserer neuen Serie stellen wir einige dieser Menschen vor. Den Anfang macht Oliver Görich von den Dortmund Wanderers.

Dortmund

, 10.06.2017, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Oliver Görich ist seit 20 Jahren ein Wanderer

Oliver Görich im Wanderers Ballpark, seinem zweiten Zuhause. Nach vielen Jahren als Spieler und Jugendcoach will der Lütgendortmunder den Verein nun als Vorsitzender weiter nach vorne bringen.

Seit 20 Jahren steht Oliver Görich in Diensten der Dortmund Wanderers – erst als Spieler, dann als Jugendkoordinator und seit Anfang des Jahres als Vorsitzender. So nah dran am Verein wie er, war in dieser Zeit wohl kaum ein anderer – und das nicht nur im übertragenen Sinn: Jahrelang wohnte der Unternehmensberater in einer Vereinswohnung gegenüber des Wanderers Ballpark im Hoeschpark. Heute ist die räumliche Distanz für den Lütgendortmunder größer – aber die Nähe ist immer noch da.

Mit einem Funkeln in den Augen

Wenn man Oliver Görich danach fragt, was das Besondere an seinem Sport ist, dann beginnen seine Augen zu funkeln: „In einem Baseball-Spiel gibt es manchmal in vier Stunden nur drei wichtige Aktionen, die das Spiel entscheiden. Wenn du die nutzt, ist das ein überwältigendes Gefühl. Vor allem, wenn du den Ball dann über den Zaun haust“, schwärmt er.

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Viele Menschen schätzten den Sport aufgrund dieser wenigen Highlights falsch ein. Wer das hohe Maß an Konzentration, den taktischen Aspekt und die Brisanz des Duells zwischen Pitcher und Schlagmann aber erkenne, der werde schnell vom „Baseball-Virus“ infiziert. „Und die Atmosphäre im Stadion spricht auch für sich. Es ist viel familiärer und weniger stressig als beim Fußball. Ein Baseball-Spiel ist ein soziales Happening mit Picknick-Charakter“, sagt der Wanderers-Vorsitzende.

Früh mit dem Baseball-Virus infiziert

Görich wurde früh von dem Virus infiziert. Vor 20 Jahren trieb er ihn nach Aplerbeck, zur damaligen Spielstätte der Wanderers. Auf einem umfunktionierten Fußballfeld trugen die Baseballer zu dieser Zeit ihre Spiele aus – genauso wie nach dem Umzug in den Hoeschpark im Jahr 2004. Zwei Jahre später folgte der Bau eines eigenen Stadions: dem Wanderers Ballpark. Und der ist seither Görichs zweites Zuhause.

Nicht nur, weil er hier jahrelang als Bundesligaspieler aktiv war, sondern vor allem, weil er die Jugendarbeit des Vereins mit geprägt hat. „Wir haben mit unserer Herren-Mannschaft einen echten Durchmarsch von der Landes- in die Bundesliga hingelegt. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga mussten wir dann auch ein Nachwuchsteam bilden. Da wollte ich mich unbedingt einbringen“, erinnert sich Görich.

Mehr als bloß Hobby-Sportler

Nach dem ersten Jahr zählte die Jugendabteilung bereits 30 Kinder. Und inzwischen sind die Nachwuchsspieler der Wanderers weitaus mehr als bloße Hobby-Sportler. „Wir haben früh angefangen, diesen Bereich zu professionalisieren“, sagt Görich. Klaren Strukturen, Disziplin und der gezielten Förderung hat es der Verein zu verdanken, dass er aktuell im Nachwuchsbereich vier Nationalspieler stellen kann. Dazu zählen unter anderem Mel Börner und Leon Still, die auch regelmäßig bei der Bundesligamannschaft zum Einsatz kommen. In Nadir Ljatifi schaffte eines der Talente sogar den Sprung zu den Cincinnati Reds in die USA.

Dass er gerade jetzt, wo die harte Arbeit mit den Talenten immer mehr Früchte trägt, sein Engagement im Jugendbereich aus beruflichen Gründen aufgeben musste, schmerzt Görich durchaus: „Es ist mir unglaublich schwer gefallen, das abzugeben. Es fällt mir sogar schwer, Spiele der Jungs zu sehen, weil ich immer eingreifen will. Aber ich habe jetzt andere Aufgaben im Verein.“

Alljährlicher Kampf um Sponsorengelder

Seit Anfang des Jahres ist Görich Vorsitzender der Wanderers. Viel „Orga-Kram“ sei das – aber notwendig, um den Verein weiter voranzubringen. Deswegen habe man sich zu Jahresbeginn komplett neu aufgestellt – das gilt für das Vorstandsteam genauso wie für den Headcoach der Bundesliga-Mannschaft und den Teammanager. „Wir mussten viel Organisieren, um die Voraussetzungen für mehr Kontinuität und Professionalität zu schaffen. Das war in den vergangenen Jahren leider nicht immer so“, erklärt der neue Vorsitzende. Hinzu kommt der alljährliche Kampf um Sponsorengelder. „Wir haben wohl das geringste Budget der Bundesligaklubs. Aber in einer Fußballstadt wie Dortmund ist es eben schwierig als Baseballverein.“

 

Dass er nebenbei auch noch beim Deutschen Baseballverband (DBV) tätig ist, mache die Aufgabe natürlich nicht einfacher. Machbar sei sie allerdings schon. Die Aufgabe, der sich der neue Wanderers-Chef mit genauso viel Einsatz widmen will, wie dem Aufbau des Nachwuchsbereichs: „Der Sport und der Verein liegen mir am Herzen. Erst, wenn ich das Gefühl habe, dass wir konstant sind, besser unterstützt werden und alles auch ohne mich gut läuft, kann ich mir vorstellen, loszulassen. Dann geh‘ ich angeln“. Das sei neben dem Baseball nämlich seine zweite große Leidenschaft.

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