Nur 68 Minuten gespielt – Die Zukunft von Arif Et beim BVB II ist geklärt

dzFußball-Regionalliga

Genau viermal wurde Arif Et in der Regionalliga-Spielzeit für den BVB II eingewechselt. Für ihn natürlich eine Enttäuschung. Der Grund dafür ist auch ein Kreispokalspiel gegen Ay Yildiz Derne.

Dortmund

, 12.05.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

An dieses Spiel erinnert sich Arif Et noch genau. Obwohl es gar nicht spektakulär war. Der Oberliga-Absteiger FC Brünninghausen gewann mit Et das Spiel um Platz drei im Dortmunder Kreispokal gegen den A-Ligisten Ay Yildiz Derne mit 6:0. Der Stürmer blieb sogar ohne Treffer.

Jetzt lesen

Auf der einen Seite bleibt es Et deshalb in Erinnerung, weil es seine letzte Partie für den FCB vor dem Wechsel zum BVB II war, und auf der anderen Seite, weil es ihn vielleicht mehr Spielanteile beim BVB II gekostet hat. Denn die Begegnung fand noch nach der regulären Spielzeit statt. „Ich hatte deshalb kaum Regenerationszeit vor meinem Start beim BVB II“, sagt Et.

Es war ein überraschender Transfer des BVB. Et war zum Zeitpunkt des Wechsels schon 26 Jahre alt. Er hatte in der Jugend seinen Höhepunkt beim Bezirksligisten Borussia Dröschede, hatte ansonsten in der Kreisliga für seinen Heimatort Letmathe gespielt. Im Seniorenbereich gehörte er später zu den Topstürmern der Oberliga.

Jetzt lesen

Der Transfer war deshalb ungewöhnlich, weil Et älter als 23 Jahre alt war. Normalerweise besetzen die Verantwortlichen des BVB II ihren Kader nur mit solchen Spielern, wenn sie wissen, dass sie dem Team sofort helfen. Denn pro Spieltag dürfen nur drei Akteure im Kader stehen, die älter als 23 Jahre alt sind. Die Verpflichtung bewies also, dass der Klub ein gewisses Grundvertrauen in Et besaß.

Arif Et startete beim BVB II nicht durch

Um es vorweg zu nehmen. Et startete in der Regionalliga nicht durch. Er stand in den 25 absolvierten Regionalliga-Partien nur 14-mal im Kader, viermal wurde er eingewechselt und elfmal musste er sich die Partien von der Tribüne aus ansehen. Ganze 68 Minuten stand er auf dem Platz. „Ich hätte mir natürlich mehr erhofft, ich bin schon etwas enttäuscht, dass ich es nicht geschafft habe“, sagt Et.

Jetzt lesen

Dann blickt er wieder zurück zum Pokalspiel gegen Ay Yildiz Derne. „Das Spiel hat mich vielleicht eine gute Vorbereitung gekostet“, erinnert er sich. Er sei nach zwei Wochen der harten Vorbereitung in ein tiefes Loch gefallen. Die große Konkurrenz ließ ihn im Schatten stehen. Er kam an das Leistungsniveau von Spielern wie Kapitän Joseph Boyamba, Chris Führich oder Steffen Tigges einfach nicht heran.

Sowohl körperlich als auch spieltechnisch waren sie ihm einfach einen Schritt voraus. So blieb Et erstmal nichts anderes übrig, als sich an das Niveau der Mitspieler heranzukämpfen. Es war ein aber ungleicher Kampf. Das Gros des BVB-II-Teams wurde im Nachwuchsleistungszentren ausgebildet. Et spielte fast seine komplette Jugend in der Kreisliga für seinen Heimatverein Letmathe.

Jetzt lesen

„Deshalb bin ich auch stolz darauf, dass mich der BVB II überhaupt verpflichtet hat“, sagt Et. Er hatte sich dieses Abenteuer Borussia Dortmund hart erarbeitet. In 96 Oberliga-Spielen traf er 46-mal für den FC Brünninghausen und bereitete 17 weitere Treffer vor. Er war nach Marcel Großkreutz erst der zweite Dortmunder Amateur-Fußballer überhaupt, der in diesem Jahrtausend die Chance beim BVB II bekam.

Et musste sich nach der schwachen Vorbereitung aber lange gedulden, bis er zum ersten Mal in der Regionalliga mitspielen durfte. Es war am 18. Spieltag beim 3:0-Erfolg gegen den 1. FC Köln II. Et wurde in der 75. Minute eingewechselt. Insgesamt viermal kam er zu Kurzeinsätzen in der Spielzeit. Zum Schluss schaffte er häufig noch nicht einmal mehr den Sprung in den Kader.

Jetzt lesen

Er bekam eigentlich nie die Chance, sich zu zeigen, auch in der Zeit nicht, in der es beim Team nicht gut lief. „Es gab Zeiten, das hatte ich das Gefühl, dass ich gut trainiert und eine Chance endlich verdient hatte. Dann saß ich aber trotzdem wieder auf der Tribüne und wurde nicht belohnt“, sagt Et.

„Das war keine leichte Zeit für mich. Das kannte ich so nicht. In meinen Vereinen davor, haben die Trainer auf mich gesetzt, ich war absoluter Leistungsträger. Jetzt musste ich damit klarkommen, gar nicht mehr im Kader zu stehen. Viel Selbstbewusstsein hast du da als Spieler nicht mehr. So konnte ich nie meinen Rhythmus finden.“ Et blieb aber immer Realist. „Kamen Profis von oben runter, war mir klar, dass ich es schwer haben werde, in den Kader zu rücken.“

BVB II verlängert mit Et nicht den Vertrag

Es steht fest, dass es sein einziges Jahr beim BVB gewesen ist. Der Vertrag wird nicht verlängert. Zu seinem Jahr beim BVB gehört auch die Geschichte, dass er vom Klub für ein Spiel suspendiert wurde, weil er über Instagram ein Foto der türkischen Nationalmannschaft veröffentlicht hatte, die den Salutgruß zeigte. „Ich wollte damals kein politisches Statement damit abgeben“, sagt Et heute. Diese Suspendierung hat Et gezeigt, wie groß eigentlich der Klub BVB ist. „Hier stehst du immer unter Beobachtung. Aber das ist auch richtig so, denn jeder Spieler, der beim BVB aktiv ist, hat auch eine Vorbildfunktion.“

Arif Et saß beim BVB meistens auf der Bank oder auf der Tribüne.

Arif Et saß beim BVB meistens auf der Bank oder auf der Tribüne. © Thomas Bielefeld

Aber wie geht es weiter mit ihm? „Noch habe ich keinen neuen Klub“, sagt er. Et würde es gerne allen noch einmal beweisen, dass er sich in der Regionalliga durchsetzen könnte, wenn er die Chance bekäme. Er hätte aber auch gar kein Problem damit, wieder in der Oberliga zu spielen - oder tiefer. „Es kommt auf das Projekt an. Ich bin jetzt in einem Alter, in dem auch andere Dinge wichtig sind. Man will ja auch irgendwann eine Familie gründen.“

Und seinen möglichen Kindern kann er später dann erzählen, dass er für den BVB gespielt hat. Das kann ihm keiner mehr nehmen. Und den Sprung zu diesem Klub hat ihm niemand geschenkt. Den hat er sich ganz alleine erarbeitet und verdient. Und er würde niemals sagen, dass dieser Schritt ein Fehler war, auch wenn er nur wenig gespielt hat.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt