„Montreal, wir kommen“: Der beschwerliche Weg von Tim Dieck und Katharina Müller zur WM

Eistanz

Die Eistänzer vom ERC Westfalen Kunstlauf dürfen sich Deutscher Meister nennen, überzeugten bei der EM - mussten trotzdem um die WM zittern, denn die Deutsche Eislauf-Union hatte eine Idee.

Dortmund

, 18.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tim Dieck und Katharina Müller überzeugten bei der Europameisterschaft.

Tim Dieck und Katharina Müller überzeugten bei der Europameisterschaft. © dpa

Tim Dieck ließ gerade ein paar Tage die Seele in Italien baumeln, Katharina Müller kurzurlaubte derweil mit ihrem Freund. Anstrengende Wochen liegen hinter dem Dortmunder Eistanz-Paar, ihre Erfahrungen sind mit Achterbahnfahrt der Gefühle annähernd umschrieben.

Das Wichtigste vorab: Müller/Dieck vertreten die deutschen Farben bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Montreal vom 16. bis 22. März. Bis dorthin war es aber ein weiter, eher beschwerlicher Weg.

Endlich Deutscher Meister - und aufs internationale Parkett

„Wir sind super happy, dass es mit der WM-Nominierung geklappt hat“, atmete der 23-Jährige vom ERC Westfalen Kunstlauf hörbar auf. Anfang des Jahres war der „Dortmunder Junge“ mit seiner Partnerin Katharina nach vier vergeblichen Anläufen endlich erstmals Deutscher Meister geworden – eine große Erleichterung für das junge, ehrgeizige Paar. Der Titel ging einher mit der Qualifikation für die Europameisterschaft in Graz – wieder eine einprägsame Erfahrung auf internationalem Parkett für die Zwei.

Pure Eleganz auf dem Eis: Tim Dieck und Katharina Müller sind Deutschlands bestes Eistanzpaar.

Pure Eleganz auf dem Eis: Tim Dieck und Katharina Müller sind Deutschlands bestes Eistanzpaar. © dpa

Zum EM-Auftakt stürzte Tim beim Rhythmustanz, „ich weiß nach wie vor nicht, warum“. Das deutsche Paar rutschte auf Rang 18 ab und qualifizierte sich so eben für das Kür-Finale. Hier zeigten die beiden in ihrer stilistisch außergewöhnlichen „Coco und Karl“-Kür herausragende Kämpferqualitäten.

Das wurde vom Preisgericht honoriert, Müller/Dieck erhielten den höchsten technischen Wert aller Final-Paare („Dieck: „Sogar die Medaillengewinner hatten weniger“) und kletterten – das ist im Eistanz äußerst selten – um fünf Plätze noch auf Rang 13. Eine Top-Platzierung im deutschen Eistanz, die beste in den vergangenen fünf Jahren für Deutschland.

„Weiterhin die Nummer eins im deutschen Eistanz“

„Außer dem Fehler beim Rhythmustanz sind wir mit unserer Leistung sehr zufrieden. Dass wir mit der Kür noch fünf Paare überholen, haben wir gar nicht erwartet. Wir waren wirklich sehr gut vorbereitet. Außerdem hat uns auch die lautstarke Unterstützung des Publikums sehr geholfen“, gab Kathi später zu Protokoll.

Und Tim ergänzte: „Wir haben vor allem mit unserer Technik gepunktet. Nach zwei Minuten fühlte ich irgendwie schwere Beine, aber ich nehme an, die Zuschauer und die Preisrichter haben es gar nicht gemerkt. Ich glaube, wir haben bewiesen, dass wir weiterhin die Nummer eins im deutschen Eistanz sind.“

Ausscheidungskampf um die WM-Nominierung

Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) war in Sachen WM-Nominierung da wohl spontan anderer Meinung und ordnete – zum ersten Mal überhaupt – direkt nach dem letzten EM-Ton einen Ausscheidungs-Wettkampf mit dem zweiten deutschen Paar Jennifer Urban/Benjamin Steffan in Italien an.

  • Katharina Müller und Tim Dieck vertreten Deutschland bei der WM in Montreal im Eistanz, aus dem NRW-Landdesverband startet zudem Nicole Schott (Essen) in Kanada.
  • Aus dem Dortmunder Landesleistungszentrum kommt auch der zweifache deutsche Juniorenmeister Denis Gurdzhi vom TSC Eintracht. Der 15-Jährige, gerade nominiert in der Kategorie „Dortmunds Juniorsportler 2019“, fährt Anfang März zur Junioren-WM ins estnische Talinn.
  • Mit Nargiz Suleymanova (Kölner EK, Damen) ist eine weitere Läuferin aus dem NRW-Verband auf dem Eis.
  • Der NRW-Landesverband mit Sitz an der Strobelallee ist in der laufenden Saison im Nachwuchs-, Junioren- und auch im Meisterklassebereich, gerechnet auf Basis der errungenen Meistertitel bei nationalen Meisterschaften, der erfolgreichste.

„Die beiden hatten nach der EM keine Zeit zur Regeneration, die Anspannung ging ohne Pause weiter“, kritisierte Heimtrainer Vitali Schulz, und war am Ende froh, dass seine Schützlinge diese Herausforderung müde, aber gesund und mit einem sehr eindeutigen Ergebnis überstanden. Dieck/Müller wurden in einem internationalen Feld Vierte mit über 15 Punkten Vorsprung auf das DEU-Konkurrenzpaar auf Rang sechs.

Gerade seien die Batterien ziemlich leer, gestand das Eistanz-Paar unisono. Deshalb die eingangs beschriebene kurze Auszeit, ehe es zur direkten WM-Vorbereitung wieder ins Trainings-Domizil nach Moskau geht. „Wir haben jetzt noch einen Monat Zeit, in die direkte WM-Vorbereitung zu gehen. Die bisherige Saison ist für uns ja sehr positiv verlaufen, deshalb freuen wir uns auch die Titelkämpfe“, sagt Tim Dieck, nachdem er mit seiner Eistanz-Partnerin bereits zwei Wettbewerbe in dieser Eiszeit gewonnen hatte.

„Wir wollen die WM einfach genießen und in Montreal zwei saubere Programme hinlegen. Mal sehen, was dabei herauskommt“, meint der Sportsoldat, bevor er in den Flieger nach Moskau stieg.

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