Mit Video: TV Brechten siegt hollywoodreif gegen Phönix Eving - So läuft‘s bei den Traditionsklubs

dzFußball-Kreisliga

Ein Spielverlauf wie aus dem Hollywood-Film und hinterher versöhnliche Töne auf beiden Seiten: Das Nachbarschaftsduell zwischen dem TV Brechten und Phönix Eving ließ Erinnerungen wach werden.

04.09.2019, 10:37 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zwei Traditionsklubs mit bis dato weißer Weste, strahlender Sonnenschein, und ein Hollywood-reifer Spielverlauf in einem echten Nachbarschaftsduell: Das Aufeinandertreffen des TV Brechten und der SG Phönix Eving am vergangenen Spieltag ließ Amateur-Fußballer-Herzen höher schlagen. Statt wie früher in der Landesliga trafen die Dortmunder Urgesteine am Wochenende jedoch in der Kreisliga B aufeinander.

Mehr als 200 Zuschauer

Beide Klubs haben harte Zeiten hinter sich – und beide Mannschaften zeigten beim 3:2 (1:2)-Last-Minute-Erfolg der Brechtener, dass sie sich für die Zukunft vielversprechend neu aufgestellt haben.

200 bis 250 Zuschauer, schätzt Phönix‘ Vorsitzender Christian Nurk, sahen Semih Akgüls schnellen Doppelpack (17., 21. Minute), der seine Evinger früh in Führung schoss. Bei dieser Kulisse kamen bei Nurk Erinnerungen an frühere Duelle, in höheren Ligen, hoch. „Das Gefühl war da, dass das mal wieder ein Riesenderby sein kann – nur leider in der B-Liga. Aber jetzt sind auch Leute in den verantwortlichen Positionen, die gelernt haben, den wirtschaftlichen und infrastrukturellen Punkt höher zu sehen als den reinen sportlichen Erfolg.“

Brechten liegt schnell zurück

Gute Voraussetzungen für nachhaltigen Fortschritt in Eving also – nachdem der Verein im vergangenen Jahr keine Herrenmannschaft im laufenden Spielbetrieb hatte.

Von sportlichem Erfolg an diesem Derby-Sonntag war der TV Brechten nach 21 Minuten ein gutes Stück entfernt. „Wir haben 0:2 zurückgelegen, obwohl das Spiel ziemlich ausgeglichen war in der ersten Halbzeit. Aber einmal fangen wir uns einen Weitschuss und einmal hat die Verteidigung gepennt“, berichtet TV-Trainer Christian Wichert. Doch nur fünf Minuten Später erzielt Andrej Dschaak den Anschlusstreffer zum 1:2 für seine Elf (26.).

Alle Mannschaften besetzt

Auch die Brechtener haben sich in den zurückliegenden Jahren neu aufgestellt. „Bei uns tut sich wirklich viel, gerade im Jugendbereich, wir haben wirklich von den Mini-Kickers bis zum A-Jugendbereich alle Mannschaften besetzt. Natürlich ist der TV Brechten von früher ein großer Verein, aber man muss auch kleine Brötchen backen. Es ist nicht mehr wie früher, dass man die Spieler kauft und bezahlt. Wir setzen auf die Jugend“, betont Wichert.

Und führt weiter aus: „In den letzten Jahren haben wir immer das Glück gehabt, dass immer drei bis vier Jugendspieler hochkamen. In unserer Mannschaft vom Sonntag waren acht Spieler, die in den letzten drei Jahren in Brechten in der Jugend gespielt haben, bei uns im Kader sind es insgesamt elf. Das Ziel des TV Brechten ist eine gute Jugendarbeit.“

Kleine Brötchen und doch Favoriten

Auch wenn Phönix wie auch der TVB nun die angesprochenen kleineren Brötchen backen, so zählen sie in der Kreisliga B doch zu Aufstiegsfavoriten. Die ersten drei Saisonspiele hatten beide Klubs souverän gewonnen, Eving führte die Liga aufgrund der besten Tordifferenz vor dem Derby vor dem BV Brambauer und den Brechtenern an.

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Auch im direkten Duell hatte Phönix weiter die Nase vorn. Und dennoch: „Wir haben in der Halbzeit gewarnt, dass die rauskommen wie die Feuerwehr, dass die auch von der Euphorie in ihrem Spiel und der Zweikampfhärte leben“, sagt Phönix‘ Christian Nurk. Brechtens Coach Christian Wichert hat seiner Mannschaft in der Pause „eigentlich genau das gleiche mit auf den Weg gegeben wie vor dem Spiel. Ich habe ziemlich offensiv spielen lassen. Die Mannschaften spiegeln sich eigentlich: Wir haben einen guten Sturm, die haben einen guten Sturm.“

Budde und Hanke drehen die Partie

Trotzdem drückt der TVB mehr als 35 Minuten lang vergeblich auf den Ausgleich. Erst in der 84. Minute erlöst Fritz-Julius Budde seine Farben. „Dann haben wir weiter offensiv gespielt, das dritte Tor in der 94. Minute von Marcel Hanke war ganz toll herausgespielt. Da haben wir uns auf jeden Fall belohnt“, erläutert Wichert zufrieden. Und auf dem Platz gibt es kein Halten mehr: Nach dem denkbar späten Führungstreffer stürmen die Zuschauer am Kunstrasenplatz am Schiffhorst jubelnd aufs Feld.

Video
Kreisliga B: Wie der TV Brechten das Derby gegen Eving drehte

Ein mehr als nur rundum gelungenes Derby – sogar die Verlierer können ihrer Niederlage etwas Positives abgewinnen. „Da fehlte im Endeffekt das Quäntchen Ehrgeiz, das Brechten hatte. Die haben uns den Schneid abgekauft, wir haben verdient verloren. Wir haben eine technisch richtig gute Mannschaft, die das an diesem Tag nicht umsetzen konnte. Die Niederlage kommt zum richtigen Zeitpunkt, das Team hat das auch schon diskutiert. Nach einem Jahr Abstinenz im Herrenfußball ist das kein Beinbruch.“

Die Wege sind kurz

Versöhnliche Töne kamen auch von der Gewinner-Seite. Man kennt sich in den Vereinen, die Wege sind kurz, das Verhältnis ist gut. „Wir hatten vor, ein gutes Spiel zu machen, was uns auch wirklich gelungen ist. Wir wollten so gut wie möglich mithalten. Über 90 Minuten kann man sagen, es war ausgeglichen. Die hatten auch die Chance zum 3:0, dann wäre der Drops gelutscht gewesen, aber unverdient war der Sieg auch nicht aufgrund der zweiten Halbzeit“, sagt Christian Wichert.

Einig sind sich der Brechtener Coach und der Phönix-Vorsitzende Nurk darin, dass Erfolg für ihre Vereine nicht darin besteht, schnellstmöglich möglichst viele Ligen aufzusteigen und somit zu altem Ruhm zurückzukommen. „Ich glaube, dass dieses extreme, schnelle aufsteigen und Mannschaften umbauen kleine Vereine nicht nur an ihre wirtschaftlichen Grenzen, sondern in ärgste Not bringt“, erklärt Nurk, „sowas muss geplant werden. Wenn es um sportlichen Aufstieg geht, versuchen es viele Vereine wie im Profi-Fußball mit Geld. Meine Devise: Geld schießt keine Tore und holt auch keine Punkte.“

LMC kommt von Sharri

Kurz vor Saisonbeginn verstärkte sich Eving dennoch mit dem ehemaligen Regionalliga-Akteur Mohamed Lmcademali, der zuvor eigentlich schon bei A-Ligist KF Sharri zugesagt hatte. Klingt nicht nach kleinen Brötchen, soll es aber sein: „Das war ein Zufall“, erklärt Nurk, „unser Sportlicher Leiter Tuna Kayabasi hat sehr guten Kontakt zu ihm und hatte mitbekommen, dass es bei Sharri wohl Differenzen gab und er da aufgehört hat. Wir haben im kleinsten Vorstandskreis darüber gesprochen, ob uns das nicht nur sportlich weiterbringt sondern auch wirtschaftlich kein Loch reißt, aber wir waren alle der Meinung, dass wir das packen können und haben uns entschlossen, den Deal zu machen.“

Den Aufstieg als Ziel ausgerufen haben die Evinger dennoch nicht. „Wir vom Vorstand haben gesagt, wir wollen wieder eine Mannschaft stellen und Fußball spielen, wenn man dann Dritter, Vierter oder Achter wird, ist das alles in Ordnung. Die Mannschaft hat gesagt, sie will oben mitspielen und aufsteigen, wenn es möglich ist. Ich glaube, dass nach einem Jahr Abstinenz so ein direkter Aufstieg sehr schwierig sein kann, aber wir würden uns dem vom Verein nicht verwehren.“

Keine Eile

In Brechten haben sie ebenfalls keine Eile mit dem Aufstieg. „Unser Ziel ist es, so in ein, zwei Jahren 14 oder 15 Spieler zusammen zu haben, die hier Jugend gespielt haben und die sollen den TV Brechten dann irgendwann auch mal ‚ne Klasse höher bringen. Aber absolut kein Druck an die jungen Leute, wir wollen in dieser Saison erstmal so viele Spiele wie möglich gewinnen und unter den ersten Fünf mitspielen.“

Die Chance zur Revanche hat Eving am 1. März: dann treten die Brechtener die kurze Reise zum Sportplatz Grävingholz an. Und wenn in den nächsten Jahren alles nach Plan läuft, treffen sich die Nachbarn in Zukunft auch wieder in einer höheren Spielklasse. Aber nicht um jeden Preis – denn das führt zwar nicht zwangsläufig schneller ans gewünschte Ziel, aber viel zu häufig „in ärgste Not“ – und die haben sowohl der TV Brechten als auch die SG Phönix Eving nun erstmal hinter sich gelassen.

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