Mario Plechaty, Ex-Trainer von 08/20, im Interview: Was in Mengede passiert ist, tut mir weh

Amateurfußball

Am Sonntag kehrt Mario Plechaty nach Dortmund zum Westfalenligaspiel mit dem FC Iserlohn bei Westfalia Wickede zurück - und spricht im Interview ausführlich über den hiesigen Amateurfußball.

Dortmund

, 21.08.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mario Plechaty, Ex-Trainer von 08/20, im Interview: Was in Mengede passiert ist, tut mir weh

Mario Plechaty © Günther Goldstein

Mario Plechaty (47), mehr als sechs Jahre Trainer von Mengede 08/20, traf mit seinem folgenden Team, dem Lüner SV, sechs weitere Jahre immer wieder auf Dortmunder Gegner. Jetzt kehrt der Ex-BVB-Profi in die Stadt, in der er heute wieder arbeitet, mit einem neuen Klub zurück. Am Sonntag gastiert er mit dem FC Iserlohn im Wickeder Pappelstadion beim Westfalenligisten Westfalia. Im Gespräch mit Alexander Nähle spricht er über seinen Verein, das Spiel am Sonntag und den Dortmunder Amateurfußball.

Ihr Name ist in Dortmund immer noch bekannt. Warum Sie aber vom Lüner SV zum FC Iserlohn wechselten, hat hier nicht jeder mitbekommen. Vielleicht setzen Sie uns mal ins Bild…

Das war wie schon in Mengede so: Irgendwann merkte ich, dass die Zeit gekommen war, etwas Neues zu machen. Das haben sie in Iserlohn irgendwann mitbekommen - um ehrlich zu sein, hat es ein Arbeitskollege dem Iserlohner Sportlichen Leiter Uli Sauerborn gesteckt. Und dann klingelte das Telefon bei mir.

Und Sie nahmen ab und sagten Ja?

Ich kenne Uli schon lange. Und Iserlohn ist eine sehr gute Adresse. Ich arbeite in Dortmund, wohne mittlerweile in Nordkirchen. Ich erreiche alles ganz gut.

Was für einen Verein fanden Sie in Iserlohn vor?

Das ist ja ein Riesenverein mit enorm vielen Mitgliedern. Die haben so viele Jugendmannschaften. Gut, die Rasenplätze sind derzeit wegen Renovierungen nicht bespielbar. Wenn es soweit ist, haben wir hier Top-Bedingungen, auch seitens der Vereinsführung, und ein Umfeld, das für höhere Ligen geschaffen ist.

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So vermessen, den FCI sofort dahinzuführen zu wollen, sind Sie aber nicht, oder?

Nein, so schnell geht das nicht. Du kannst Aufstiege ja auch nicht planen. Mit Lünen hätten wir auch noch eine Liga klettern können. Es hatte aber nicht gereicht. Ich will in Iserlohn erstmal ankommen und dann nicht unten reinrutschen, schnell 33 Punkte holen und dann mal weitersehen.

Der Auftakt gegen den TuS Hordel missglückte. Warum verloren Sie 0:2?

Wir hatten am ersten Spieltag frei. Hordel war schon drin. Das war ein Nachteil für uns. Der TuS hat es aber auch gut gemacht.

Jetzt treffen Sie auf Westfalia Wickede. Was erwartet Sie da?

Ein schwieriger Gegner. Wickede hat jetzt durch das 6:1 in Hassel Selbstvertrauen getankt. Aus Erfahrung weiß ich, dass es da immer heiß hergeht.

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Wo wir gerade beim Thema „heiß hergehen“ sind: Sie verfolgen den Dortmunder Fußball immer noch sehr intensiv. Sind Sie den Dortmundern noch böse, dass sie Ihnen mit dem Lüner SV den Hallen-Stadtmeistertitel 2017 nicht gegönnt haben?

Die Halle war gegen uns, wir haben gewonnen. Wir haben uns unsterblich gemacht. Ganz egal, wie das Reglement in den kommenden Jahren aussehen wird - diesen Titel nimmt uns niemand.

Wie hat sich der Dortmunder Fußball in der Zeit, in der Sie nicht mehr hier aktiv waren, verändert?

Wenn ich ganz weit zurückgehe, hatten wir nur den BVB II, der hoch spielte. Dann kamen schon zu meiner Zeit in Mengede immer mehr Vereine hoch. Wir sind ja damals auch in die Westfalenliga geklettert. Und ich sehe den Trend trotz einiger bedauernswerter Abstiege immer noch bestätigt: Der Dortmunder Fußball ist mit so vielen überkreislich spielenden Vereinen ganz weit vorne, ich glaube, nur Essen hat mehr.

Was imponiert Ihnen besonders?

Der ASC leistet sehr gute Arbeit, und das über Jahre hinweg. Schade ist, was um den FC Brünninghausen passiert ist. Schön, dass sich andere Klubs halten. Für sie wird es nicht leichter, nicht nur aus finanziellen Gründen. Denn sie bekommen auch die talentiertesten A-Junioren-Spieler der Region nicht mehr. Sie gehen lieber in die Oberliga.

Einer der Klubs, der abfiel, ist Ihr Ex-Klub Mengede 08/20. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Das tut mir weh. In den vergangenen Jahren hat der eine oder andere im Verein schon gelitten. Ich habe noch zu vielen Leuten in Dortmund Kontakt, gerade aber nach Mengede. Es ist eben nicht so einfach, wenn das Geld fehlt. Um den Klub ist es einfach schade, selbst wenn ich jetzt das Gefühl habe, dass sie ihre Existenz in der Bezirksliga akzeptiert haben und das Positive, die vielen Derbys, sehen. Mengede bleibt aber ein toller Verein.

Wo mehr möglich ist, ist in Bövinghausen. Wie schätzen Sie diesen Klub ein?

Ich kenne Thorsten Legat gut und mag ihn. Er ist ein guter Typ. Aber es ist immer schwierig, wenn fast alles von einer Person abhängig ist. Letztendlich ist mir das auch etwas zu viel Hype um ihn und den Verein.

Reden wir zum Abschluss noch über zwei Personen, die ihren Weg gehen: Da ist Ihr Spieler in Iserlohn Dario Scuderi, der wegen einer sehr schweren Verletzung beinahe seine Karriere hätte beenden müssen und Ihr Sohn Sandro, der beim FC Schalke 04 Fuß gefasst hat. Was machen die beiden?

Für Dario freut es mich, dass er überhaupt noch spielen kann. Er ist ein Superjunge. Nur manchmal muss ich ihn etwas bremsen. Und Sandro ist jetzt Schalker. Er spielt in der 2. Mannschaft, ist auch ab und an im Training bei den Profis dabei. Mir ist aber wichtig, dass er parallel studiert.

Dann freuen wir uns auf ein Wiedersehen am Sonntag…

Und ich freue mich auf ein interessantes Spiel in Dortmund.

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