Kemminghausen steckt mitten im Abstiegskampf - aber warum?

Fußball

Der VfL Kemminghausen verliert gegen Sodingen. Die dritte Niederlage in Serie bedeutet: Abstiegsplatz. Es wird eng am Gretelweg. Dabei tut der VfL eigentlich alles für den Klassenerhalt.

Dortmund

, 21.04.2019 / Lesedauer: 4 min
Kemminghausen steckt mitten im Abstiegskampf - aber warum?

Jonas Keimer (l.) und der VfL Kemminghausen müssen sich lang machen, um als Sieger aus dem Abstiegskampf in der Landesliga herauszugehen. © Nils Foltynowicz

Der Himmel über Dortmund ist zur Zeit strahlend blau - über dem Sportplatz am Gretelweg ziehen allerdings gerade ganz dunkle Gewitterwolken auf. Der Grund für das drohende Unwetter beim VfL Kemminghausen: Drei Niederlagen in Folge, ein Abstiegsplatz, und schon vier Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Es läuft einfach nicht beim Team von Reza Hassani und Kevin Großkreutz - und dabei tun Spieler und Trainer eigentlich alles dafür, dass es in der Landesliga funktioniert.

Warum läuft es nicht beim VfL Kemminghausen?

Da sind zunächst einmal natürlich die Verletzten. Mit Louis Osmani, Daniel Jänicke, und Ahmed Ersoy fehlen Hassani und Großkreutz unglaublich wichtige Spieler. Vor allem Ersoy - sieben Tore in sechs Spielen in der Rückrunde - könne nicht eins zu eins ersetzt werden, so Hassani. „Er ist einfach immer gefährlich, das schmerzt enorm.“ Dazu kommen weitere Spieler, die zwar auflaufen, aber nicht zu 100 Prozent fit sind - Niko Höhme und Hyusein Sadula sind nur zwei Beispiele.

Aus dem Verletzten-Problem resultiert sofort die nächste Hürde - die Torausbeute. „Wir schießen ganz einfach zu wenig Tore“, sagt auch VfL-Mittelfeldspieler Jonas Keimer. Beispiel gefällig? 30 Minuten spielte das Hassani-Team am vergangenen Sonntag in Überzahl, schaffte es aber nicht, gegen Sodingen zu treffen - nein, die Kemminghauser kassierten sogar noch zwei Buden. In den vergangenen drei Spielen gelang dem VfL immer nur ein magerer Treffer - zu wenig für einen Sieg, zu wenig für den Klassenerhalt.

Ein weiteres Problem, das jeder Sportler kennt: Steht das Team unten drin, funktionieren manche Sachen nicht, die einfach von der Hand gehen, wenn man oben steht - getreu dem Motto „Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu“. „Es ist einfach frustrierend, wir investieren alles im Training, nutzen unsere Freizeit - aber auf dem Platz klappt es gerade einfach nicht“, erklärt Jonas Keimer. Doch bei allen Pleiten, Pannen und Pech - es gibt auch Dinge, die für Kemminghausen sprechen.

Was spricht für den VfL Kemminghausen?

Reza Hassanai und Kevin Großkreutz überlassen nichts dem Zufall: „Die Jungs müssen mir und Kevin über eine App am Sonntag vor dem Spiel zeigen, dass sie morgens laufen waren.“ Klingt komisch, hat aber einen ganz einfachen Sinn: Die Kemminghauser Trainer gehen so sicher, dass ihre Schützlinge sich vor einem Spiel nicht die Nacht um die Ohren schlagen.

Obwohl Reza Hassani sich unter der Woche eigentlich nicht über seine Spieler beschweren kann - die Kemminghauser Jungs wollen unbedingt in der Landesliga bleiben. „Es wird zwar unglaublich schwer, aber solange es rechnerisch noch möglich ist, glauben wir auch alle daran.“ Auch Hassani sagt: „Die Einstellung stimmt, die Jungs sind voll konzentriert.“

Auch der Zusammenhalt stimmt in Kemminghausen, die Mannschaft geht am Wochenende oft zusammen essen. Ahmed Ersoy hat sich zuletzt extra für ein paar Stunden aus dem Krankenhaus entlassen lassen, um seine Mannschaft beim Spiel zu unterstützen. Eigentlich ist der VfL also gewappnet für das Restprogramm.

Kemminghausen steckt mitten im Abstiegskampf - aber warum?

Reza Hassani (r.) und Kevin Großkreutz wollen mit Kemminghausen in der Landesliga bleiben. © Laryea

Wie sieht das Restprogramm des VfL Kemminghausen aus?

In den letzten sechs Spielen der Saison wartet ein gemischtes Programm auf Reza Hassanis Jungs. Es stehen Spiele gegen Herne (A), Günnigfeld (H), Resse (A), Hombruch (H), Wiescherhöfen (A) und Obersprockhövel (H) an. Von Mit-Abstiegskandidaten über Mittelfeld-Teams und Aufstiegs-Aspiranten ist also alles dabei. Aber laut Reza Hassani hat der Tabellenplatz in der Landesliga-Staffel 3 in dieser Saison vor anstehenden Spielen sowieso nichts zu sagen: „Ich verstehe diese Liga nicht“, sagt der VfL-Trainer. Mittelfeldspieler Jonas Keimer ergänzt: „Für uns ist jetzt sowieso jedes Spiel ein Endspiel.“

Wie ist die Stimmung beim VfL Kemminghausen?

Wider Erwarten zeigen die Mundwinkel der meisten Kemminghauser Spieler unter Woche immer noch nach oben: „Die Stimmung ist eigentlich super im Training, und auch die Trainingsbeteiligung ist überragend“, sagt Keimer. Die Stimmung sei nur direkt nach den Niederlagen so richtig im Keller - gerade, weil die Leistung der Kemminghauser eigentlich immer ordentlich ist.

„Wenn du nach fast jeder Niederlage vom Gegner hörst, dass du richtig gut gespielt hast, frustriert das eigentlich noch mehr“, erzählt Keimer. Der Dortmunder kann momentan auch nicht abschalten, wenn er vom Platz nach Hause kommt. „Nach einer Niederlage bin ich sonntags nicht mehr ansprechbar, das ist nicht immer einfach für meine Familie und meine Freundin.“

In den letzten sechs Spielen müssen bei Kemminghausen also irgendwie die Verletzten kompensiert werden, die Einstellung muss so bleiben wie sie ist - dann sollte es auch in der nächsten Saison mit der Landesliga klappen. Der VfL muss in den kommenden Partien einfach wieder punkten - für den Klassenerhalt und damit Jonas Keimers Freundin endlich wieder schöne Sonntage hat.

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