Dortmunds ranghöchste Volleyball-Mannschaft, der Drittligist TV Hörde, startet Samstag in die neuen Saison. Mit dabei: Rückkehrer Lenard Exner, mit dem wir vor dem Liga-Start sprachen.

Hörde

, 13.09.2018, 16:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Exner, vergangene Saison haben sie beim Zweitligisten Moers gespielt. Fühlt sich die Rückkehr nach Hörde wie ein Rückschritt an?

Das hängt davon ab, mit welcher Einstellung man da rangeht. Klar muss man mit einem Qualitätsverlust rechnen, aber das war mir bewusst. Ich wusste, was mich in Hörde erwartet. Für mich war es eine Rückkehr nach Hause, bei der ich herzlich empfangen wurde.


Der Moerser Trainer hat Ihren Wechsel sehr bedauert…

Ja, die hatten lange Probleme, jemanden für die Position zu finden und hätten gerne weiter mit mir gearbeitet.


Was waren die Beweggründe für die Rückkehr?

Vor allem zeitliche Gründe. Ich habe weiter in Dortmund gewohnt, studiert und gearbeitet, musste drei- bis viermal die Woche nach Moers fahren. Das war ziemlich zeitaufwändig, da hat man für jedes Training knapp fünf Stunden investiert. Und für die Spiele ging es durch halb Deutschland. Jetzt habe ich zehn Minuten bis zur Trainingshalle und kann mit dem Fahrrad hinfahren.


Wie laufen Studium und Arbeit?

In meinem BWL-Studium bin ich schon ein bisschen über der Regelstudienzeit hinaus, deshalb war es mir jetzt auch wichtig, mit meinem Studium richtig voranzukommen. Im Volleyball verdient man ja nicht so viel wie im Fußball, dass man danach nichts mehr machen müsste. Neben dem Studium bin ich als Werksstudent bei einem Steuerberater tätig.

Wie ist es, unter „Teee“ Williams zu trainieren?

Sie fordert uns sehr und sagt uns deutlich, wenn ihr etwas nicht gefällt. Mit ihrer Art komme ich sehr gut klar.


Was sind die größten Unterschiede zu Ihrem Ex-Verein?

In Moers merkt man, dass die vor kurzem noch erstklassig waren. Das zeigt sich bei den professionellen Strukturen. Als Spieler muss man nur trainieren und spielen. In Hörde ist jeder gefordert, was Spieltagsorganisation und -vorbereitung angeht. Hier muss jeder mit anpacken.


Das heißt, die Spieler bauen das Netz auf?

Unter anderem. Wir kaufen aber auch für die Cafeteria und für Auswärtsfahrten ein - und sorgen dafür, dass die Halle sauber hinterlassen wird.


Und der sportliche Unterschied zwischen den Ligen zwei und drei?

Die großen Unterschiede liegen eher innerhalb der zweiten Liga. Die schlechteren Teams der zweiten Liga hätten Schwierigkeiten, in der dritten Liga den Aufstieg zu schaffen. Deshalb ist es vielleicht schwieriger, in die zweite Liga aufzusteigen, als dort zu bleiben. Aber zu den Top-Teams ist es dann ein riesiger Sprung. Wir haben zuletzt im Testspiel gegen den Zweitligisten Delbrück 2:2 gespielt, aber als bei uns die Startformation gespielt hat, waren wir deutlich besser.


Was war Ihr schönstes Erlebnis mit dem TV Hörde?

Ganz klar der Aufstieg in die Dritte Liga. Wir wurden zu „Dortmunds Mannschaft des Jahres“ gewählt. Das war eine Riesengeschichte für uns.


Was ist Ihre größte Stärke auf dem Feld?

Angreifen und blocken. Verteidigen ist nicht meine Lieblingsaufgabe, aber da darf man sich nicht verstecken und muss sich reinkämpfen.

Hörde-Rückkehrer Lenard Exner im Interview: Hier muss jeder mit anpacken

Lenard Exner sieht seine Stärken vor allem im Angriff. © Klinke

Früher wirkten Sie auf dem Feld sehr zurückhaltend. Haben Sie sich in Moers mehr Mut zugelegt?

Ich bin heute körperlich wesentlich fitter. Und auf dem höheren Spielniveau entwickelt man sich natürlich weiter.


Sind Sie bereit für eine Führungsrolle im Team?

Definitiv. Wir haben viele junge Spieler dabei. Da muss man Verantwortung von ihren Schultern nehmen. Teee fordert auch, dass wir diese Rolle einnehmen. Mir fällt das manchmal schwer, weil ich nicht der Lauteste bin und nicht so aus mir rauskomme, aber ich gebe mir Mühe.


Gibt es einen im Team, der richtig „Radau“ macht?

Unser Zuspieler Christoph Bielecki. Der sorgt sowohl bei uns als auch beim Gegner für Stimmung. Der ist immer für einen guten Spruch unterm Netz zu haben (lacht). So einen braucht man in der Mannschaft.


Wie lief die Hörder Saisonvorbereitung?

Sehr anstrengend. Wir wurden ein paarmal um den Phoenix-See gescheucht, die Treppen hoch und mussten immer wieder ans Springseil.


Der TV startet mit einem Hammerprogramm - gegen den Meister, dann beim Vize. Ein Problem?

Ich sehe das als Chance, weil die auch erst ihren Rhythmus finden müssen. Wenn Lüneburg Samstag in Bestbesetzung mit vielen ehemaligen Erstliga-Spielern spielt, sind die eigentlich zu gut für die Liga. Aber wenn sie noch nicht eingespielt sind, kann man sie vielleicht erwischen. Und wir haben ja auch ambitionierte Ziele und wissen dann gleich, wo wir stehen.

Hörde-Rückkehrer Lenard Exner im Interview: Hier muss jeder mit anpacken

Mit dem TV Hörde will Lenard Exner (3.v.r.) die Liga-Spitze angreifen. © Dan Laryea

Die Mannschaft strebt Platz drei an. Der hätte in der letzten Saison für den Aufstieg gereicht…

Das wäre ein schönes Ziel. Sportlich hätte mich die zweite Liga auch weiter gereizt. Ich weiß nicht, was der Vorstand dazu sagt, denn das ist finanziell natürlich schwierig, zumindest kurzfristig. Aber wir wollen natürlich sportlich alles geben, um den Vorstand unter Druck zu setzen (lacht).


Was wollen Sie den Fans am Samstag bieten?

Der Meister kommt, da kann man von einem hochklassigen Spiel ausgehen. Den Fans wollen wir eine gute Show bieten - und natürlich mit einem Sieg starten.

TV Hörde zum Start am Samstag gleich gegen den Meister
Während die Volleyball-Teams von der Kreisliga bis zur Regionalliga erst in einer Woche die Saison eröffnen, nimmt die Dritte Liga bereits am Wochenende den Spielbetrieb auf. Am Samstag treffen die Schmetterkünstler des TV Hörde um 19.30 Uhr in der Sporthalle des Phoenix-Gymnasiums (Seekante 12, 44263 Dortmund) mit der Zweitvertretung des Bundesligisten SVG Lüneburg gleich auf den dicksten Brocken. Bis auf Außenangreifer Noah Voswinkel (Kreuzbandriss) läuft der TVH in Bestbesetzung auf.
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