Geldnot in Coronazeiten: Dortmunder Klub macht Liegestütze für eine Spende

dzSport in Dortmund

Wettkämpfe und Liga-Betrieb abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben – die Kosten bleiben. Auch Dortmunds Sport ächzt unter der Corona-Zeit. Aber Not macht auch erfinderisch.

Dortmund

, 14.11.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Peter Heckmann mag gar nicht lange drumherum reden: „Das ist eine Katastrophe für den Sport. Wir werden diese schwere Zeit als Verein irgendwie überleben, aber künftig mit Einschränkungen an vielen Stellen“, sagt der Vorsitzende der Startgemeinschaft (SG) Dortmund, die die besten Schwimmerinnen und Schwimmer der Stadt vereint. Ob Basket- oder Volleyballer, Eiskunstläufer oder Schwimmer – an vielen Stellen sind Einnahmen weggebrochen, doch aufgeben wäre unsportlich. Wir haben uns in Dortmund auf Spurensuche begeben und viele kreative Beispiele gefunden.

Jetzt lesen

Schwimmen: Die SG Dortmund war schon vor der Pandemie einfallsreich: Die teilweise fünfstelligen Kosten für Trainingslager im Ausland wurden schon seit Jahren durch die Betreuung des Getränkestandes im Volksbad nahe der Südtribüne bei BVB-Heimspielen gedeckt. „Dieser Einnahmeausfall schmerzt uns natürlich besonders“, berichtet SG-Chef Heckmann. Der Lockdown im Frühjahr riss ein weiteres Loch in die Kasse, war doch das Oster-Trainingslager in Griechenland bereits bezahlt. Von den knapp 30.000 Euro Kosten wurden 20.000 zurückerstattet, von der ausrichtenden Agentur ist seitdem aber nichts mehr zu hören. Nun bleiben die Leistungsschwimmer auch auf den Storno-Kosten für die frühzeitige Hotelbuchung für die Deutschen Meisterschaften in Berlin sitzen, die vor kurzem abgesagt worden sind.

Virtuelle Schwimm-Wettkämpfe gibt es im Südbad.

Virtuelle Schwimm-Wettkämpfe gibt es im Südbad. © Dan Laryea

In dem Zuge muss die SG als Ausrichter nun auch den Ausfall der Deutschen Jahrgangs-Meisterschaft im Südbad verkraften – auch hier keine Einnahmen. Im Sommer hatten Heckmann und Co. eine „Crowfunding-Kampagne „Rettet das Dortmunder Leistungsschwimmen“ ins Leben gerufen und auf diesem Wege von 50 Spendern knapp 9000 Euro eingesammelt. Zusammen mit der Soforthilfe des Landes NRW konnten die ärgsten Ausfälle zunächst abgefedert werden. Dennoch laufen die Kosten, zum Beispiel für die Trainer, weiter. Eines freut den SG-Vorsitzenden trotz aller aktuellen Unwägsamkeiten: „Obwohl es keine offiziellen Wettkämpfe gibt, haben unsere Athleten noch nicht aufgesteckt. Sie kommen täglich motiviert zum Training“. Demnächst sind deutschlandweit virtuelle Wettkämpfe mit anderen Vereinen geplant: jeder in seinem Becken, aber mit gemeinsamer Wertung.

Basketball: Für neue Wege in der Suche nach Unterstützung haben sich auch die Basketballer des SVD entschieden. Wer immer schon mal eine individuelle Trainingsstunde mit US-Import Aaron Young oder Wurftraining mit einem Derner Spieler nach Wahl absolvieren will, kann dies nun buchen. Diese und andere Möglichkeiten bieten die Derner über die App kam-on (erreichbar auch über die sozialen Kanäle des SVD) an. Noch 39 Tage (Stand Donnerstag) läuft die Aktion, die für die Teilnehmer unter besonderen Bedingungen stattfindet. Zwar kaufen sie sich die einzelnen Aktionen, fällig wird das Geld aber nur, wenn der SVD nach der 45-tägigen Laufzeit die Zielsumme von 5000 Euro erreicht. Falls nicht, bekommt jeder Teilnehmer seine Spende zurück.

Die SVD-Basketballer machen Liegestütze für eine Spende.

Die SVD-Basketballer machen Liegestütze für eine Spende. © Facebook SVD

„Wir haben uns für dieses Crowdfunding-Projekt entschieden, um Unterstützung dafür zu bekommen, den Basketball perspektivisch wieder in die Richtung des professionellen Sports zu bewegen“, sagt Manuel Boruch, der Teammanager des SVD, „wir wollen unserem Verein auf allen Ebenen neue Strukturen verleihen, um so unter anderem die Jugendarbeit qualitativ für die Zukunft auszurichten.“ Dass die Unterstützung gerade in Zeiten der coronabedingten Unsicherheit ganz gelegen kommt, versteht sich von selbst. Die angebotenen Aktionen haben sowohl in Aufwand wie im finanziellen Einsatz für Verein und Spieler sowie Teilnehmer der Aktion eine große Breite. Das reicht von „großen Aktionen“ wie einem Workout für Firmen durch das SVD-Trainerteam bis zu Fitnesseinlagen, die der SVD absolvieren muss. Beispiel: Zehn Liegestütz, die von der Mannschaft absolviert per Video dokumentiert werden, kosten zehn Euro.

Eiskunstlauf: Katharina Müller und Tim Dieck, die Deutschen Meister im Eistanzen, schauen gerade ebenfalls mit Sorge in ihr Portemonnaie. Vor einem Jahr haben sie ihren Trainings-Standort nach Moskau verlegt, haben zwei kleine Wohnungen gemietet. Zur Zeit gibt es für die Eistänzer für das Heimatland ihres Sports aber kein Russland-Visum, die Kosten in der russischen Metropole aber bleiben. So rief das Dortmunder Duo ein „Fairplayed-Projekt“ ins Leben mit dem Ziel, 3500 Euro einzusammeln.

Fan-Utensilien oder Video-Botschaften gibt es von den Deutschen Eistanz-Meistern Katharina Müller und Tim Dieck.

Fan-Utensilien oder Video-Botschaften gibt es von den Deutschen Eistanz-Meistern Katharina Müller und Tim Dieck. © Privat

Als Gegenleistung wurden Fan-Artikel, Video-Botschaften oder Trainingsbesuche angeboten. Nach drei Wochen vermeldeten Müller/Dieck freudestrahlend: „Mit einem vorläufigen Endergebnis von 3592 Euro ist unser fairplaid-Projekt erfolgreich abgeschlossen!“ Die Hoffnung auf eine Fortführung der Eislauf-Saison erhielt gerade allerdings einen Dämpfer: Nachdem die nationalen Titelträger zum Saisonstart bei der Budapest-Trophy in Ungarn Zweite geworden waren, wurde gerade der Grand Prix im französischen Grenoble abgesagt.

Volleyball: Für die Schmetterkünstler des TV Hörde war es schon ein finanzieller Kraftakt, überhaupt zwei Drittliga-Teams für den Spielbetrieb zu melden. Die hatten sich ein treues Publikum am Phoenixsee erspielt. Ab sofort verzichten die Rothemden freiwillig auf ihre geschätzten Fans in der Halle an der Seekante und damit auch auf Zuschauer- und Catering-Einnahmen. Die bestens angenommene Alternative: ein Livestream im Internet über „Twitch.tv“ mit der Möglichkeit, online Geld zu spenden.

Jetzt lesen

„Wir hatten bei unserem Herren-Spiel am Samstag über 200 Zuschauer, und unser Spendenziel von 60 Euro wurde auch weit übertroffen. Während der beiden Frauen-Spiele am Sonntag gingen fast 200 Euro ein“, freute sich Noah Voswinkel, der mit seinem Bruder Leon das Streaming-Projekt vorantreibt. Von den Spenden wird unter anderem technisches Equipment angeschafft, um die Übertragungen weiter zu professionalisieren. Augenzwinkernd wurde auch „eine Pulsuhr für den Trainer“ als Spendenzweck angegeben. „Es ersetzt zwar nicht unsere Fans in der Halle“, weiß Mittelblockerin Helen Rauscher, „aber wir halten ohne direkten Kontakt den Kontakt. Und das ist auch was wert“.

Lesen Sie jetzt