Für Dortmunder Schwimmer ist der Traum von Olympia, EM und DM geplatzt: „Wir brauchen Wasser“

Coronavirus

Die Coronavirus-Krise zwingt auch die Leistungsschwimmer der SG Dortmund um Luca Nik Armbruster zu einem Stopp des normalen Trainings. Aber wie trainieren Schwimmer auf dem Trockenen?

Dortmund

, 22.03.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Bild, das es so vorerst nicht mehr geben wird: Dortmunds Vorzeigeathlet Luca Nik Armbruster in Aktion.

Ein Bild, das es so vorerst nicht mehr geben wird: Dortmunds Vorzeigeathlet Luca Nik Armbruster in Aktion. © Carsten Loos

Eigentlich ist Stephan Wittky abends um kurz vor 20 Uhr im Südbad anzutreffen, am Beckenrand stehend, seine Leistungsschwimmer der SG Dortmund stets aufmerksam im Blick. Nun sitzt der Cheftrainer der SG um diese Zeit zu Hause und schreibt Trainingspläne – fürs Trocken-Training.

„Hier geht absolut nichts. Wir dürfen nichts ins Wasser, selbst am Bundesstützpunkt in Essen ist die Schwimmhalle gesperrt. Alles ist in der Schwebe, auf unbestimmte Zeit“, sagt Wittky, der gerade noch rechtzeitig vor der Schließung der Grenzen mit seinen Kader-Athleten Luca Nik Armbruster, Dortmunds Sportler des Jahres, sowie Kim Kristin Krüger und Cedric Büssing aus dem dreiwöchigen Höhentrainingslager in der spanischen Sierra Nevada nach Dortmund zurückgekehrt ist.

„All das war jetzt für die Katz. Seit September haben wir all unsere Arbeit auf die Deutsche Meisterschaft Ende April, Anfang Mai in Berlin ausgerichtet. Die Schwimmer sind topfit. Das ist schon eine schwierige Situation, die natürlich nicht nur uns betrifft“, sagt Wittky.

Luca Nik Armbruster: „Es fühlt sich alles gerade ein wenig unwirklich an“

In Berlin war das große deutsche Finale der Olympia-Qualifikation für Tokio geplant, und Schmetterlings-Spezialist Armbruster hatte eine kleine Hoffnung, dass dort noch ein Türchen für den Olympia-Zug aufgehen könnte.

Am Mittwochnachmittag dann wurden dann alle nahenden Großereignisse im Schwimmsport abgesagt, sowohl die Deutsche als auch die Europameisterschaft Mitte Mai im ungarischen Budapest, auf die der Ausnahmeschwimmer ebenfalls spekuliert hatte.

„Das ist natürlich ein bisschen bitter. Es fühlt sich alles gerade ein wenig unwirklich an“, berichtet der 18-Jährige, der in den letzten Jahren einen Altersklassen-Rekord nach dem anderen pulverisierte und 2019 endgültig in der „großen“ Schwimmwelt angekommen ist.

Der Goethe-Gymnasiast versucht in der aktuell schulfreien Zeit gerade, sich zu Hause fit zu halten. Seine NRW-Sportschule will ihm am Freitag ein spezielles Rad ausleihen, um das Kardio-Training weiter vorantreiben zu können. Stabilitätsübungen, Oberkörper- und Zugseil-Training für das Simulieren des Armzuges stehen auf dem privaten Programm. Dass die Olympischen Spiele wie geplant stattfinden können, glaubt Luca Nik Armbruster nicht: „Ich vermute, dass Olympia verschoben wird. Das betrifft dann leider alle Sportler“.

Dortmunder Schwimmer wissen nicht, wie es weiter geht

Die Absage der Junioren-EM trifft indes seine jüngeren SG-Kollegen Cedric Büssing und Kim Kristin Krüger. Krüger hatte sich gerade erst am vergangenen Wochenende bei einem Wettkampf in Essen unter Ausschluss der Öffentlichkeit für die in Titelkämpfe im schottischen Aberdeen qualifiziert . Wie es nun weitergeht? Trainer Stephan Wittky, der nun die Sportgeräte aus dem Südbad zu seinen Sportlern bringen will, zuckt mit den Schultern: „Da kann man nur in die Glaskugel gucken. Aber eines ist klar: Uns fehlt das Wasser“.

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