WDFV glaubt nicht an Liga-Fortsetzung: „Welcher Verein kann sowas leisten?“

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Auf dem DFB-Bundestag soll über die Zukunft der Regionalliga entschieden werden. Es gibt noch viele Fragezeichen, auch, was den Aufstieg angeht. Verband und Vereine sind sich nicht einig.

Dortmund

, 24.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn sich am Montag 262 Delegierte zum außerordentlichen DFB-Bundestag per Videokonferenz zusammenschalten, wird sowohl um das Wohl und Wehe der 3. Liga gestritten als auch über die nahe Zukunft der Fußball-Regionalligen. Eine wichtige Frage lautet, ob die jeweiligen Regionalverbände bei einem Corona-bedingten vorzeitigen Abbruch der vierten Spielklassen die Handhabe erhalten, um über die so wichtige Aufstiegsregelung zu entscheiden.

Dass dieser Antrag morgen erfolgreich verabschiedet werden kann, mag der Vizepräsident Amateurfußball Manfred Schnieders im Gespräch mit dieser Redaktion nicht freimütig prognostizieren. Er kenne „das Stimmungsbild“ nicht genau. „Man muss abwarten“, sagt er.

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Für ihn und die restlichen Entscheidungsträger bleiben viele offene Fragen – und demnach ebenso viele offene Diskussionen. Ausgeklammert davon scheint immerhin die Angelegenheit Saisonabbruch. „Über eine Fortsetzung des Spielbetriebs“, stellt Schnieders klar, „brauchen wir uns keine Gedanken machen.“ Dann verweist er auf die Corona-Schutzverordnung.

Manfred Schnieders: „Welcher Amateurverein kann sowas leisten?“

In diesem für das Land NRW geltenden Schriftsatz steht zum einen, dass „der nicht-kontaktfreie Sport- und Trainingsbetrieb sowie jeder Wettkampfbetrieb“ untersagt sei. Zwar gelten einige Ausnahmen, die Regionalliga als höchste Amateurklasse allerdings gehört nicht dazu. Dass „Sportfeste und ähnliche Sportveranstaltungen (…) bis mindestens zum 31. August 2020“ untersagt seien, ist ebenfalls wichtig – und nimmt selbst den kühnsten Optimisten die Hoffnung auf eine Fortsetzung des viertklassigen Saisonbetriebs.

„Man sieht ja“, sagt Schnieders, „wie schwer sich selbst die 3. Liga getan hat. Die war ja zunächst auch nicht drin in der Regelung und durfte nicht starten. Jetzt bald darf sie es nur mit einem entsprechenden Hygienekonzept. Und welcher Amateurverein kann sowas leisten?“ Höchstwahrscheinlich die Wenigsten.

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Also ist vor allem zentral, wie der Auf- und Abstieg bei dem zu erwartenden Cut der Spielzeit geregelt wird. Die Entscheidung soll am 20. Juni fallen, an diesem Tag wird der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) nach aktuellem Stand einen außerordentlichen Verbandstag einberufen. Warum erst so vergleichsweise spät? „Wir müssen Fristen einhalten“, erklärt Schnieders. „Wir müssen ermöglichen, dass Anträge gestellt werden. Die müssen wir wiederum rechtlich bewerten, damit letztlich alles verabschiedet werden kann.“

RW Essen schlägt Turnier um den Aufstieg in die 3. Liga vor

Während es nach derzeitigem Antragsstatus keine Absteiger geben soll, wird es wohl einen Teilnehmer an der Aufstiegsrelegation geben. Der zweitplatzierte SC Verl ist da in der Pole-Position, die Drittliga-Lizenz scheint der Klub im zweiten Versuch zu erhalten. Zumindest wird Manager und Präsident Raimund Bertels bei RevierSport mit den Worten zitiert: „Wir sind dabei, alle Forderungen des DFB umzusetzen. Wir sind fleißig und kurz vor dem Ziel.“ Er gehe davon aus, Anfang Juli in die Relegation zu starten, so Bertels. Der SC Verl würde dann gegen den Regionalliga-Nordost-Titelträger um die Qualifikation zur 3. Liga kämpfen. Und Rot-Weiss Essen wäre außen vor.

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Der Traditionsklubs, auf Rang drei aktuell knapp hinter Verl in der Regionalliga West gelistet, hatte vor Kurzem gemeinsam mit dem Viertplatzierten Rot-Weiß Oberhausen beim Westdeutschen Fußballverband einen Antrag eingereicht, wonach der Relegationsteilnehmer aus der Weststaffel doch in einem Turniermodus ausgefochten werden solle. Schnieders hält davon offenbar nicht allzu viel: „Bis zum 31. August könnte das nicht passieren“, sagt er. Dass die lange geplante Aufstiegsrelegation erlaubt werde, sei hingegen vorstellbar. Da gehe es ja um die Zulassung für eine Profiliga.

Viele Fragezeichen in den Regionalligen: Geisterspiele, Englische Wochen, Hygienekonzepte?

Wie die kommende Regionalliga-Runde 2020/2021 starten wird, ist für Schnieders derweil noch sehr weit weg. Anfang September sollen die Spiele zwar beginnen. Ein gewichtiges Problem bleibt allerdings, dass dann wohl weiterhin nur Geisterspiele auszutragen wären. „Wir haben den Vereinen gesagt“, teilt Schnieders mit, „dass wir eine gemeinsame Lösung entwickeln wollen. Die müssen wir anhand der politischen Vorgaben treffen.“ Ganz unterschiedliche Szenarien seien demnach möglich.

„Vielleicht kann man ja auch vier Wochen später anfangen, mit Zuschauern. Dann müsste man eben ein paar Englische Wochen einschieben“, so Schnieders. Er deklariert diese Idee als ein Gedankenspiel. Die Entscheidung sei noch völlig offen. Wie so vieles dieser Tage.

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