FLVW bestätigt: Die Saisonfortsetzung im Fußball ist wieder möglich

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Für alle Klubs in Westfalen stand am Mittwochmittag fest, dass die aktuelle Spielzeit abgebrochen wird. Aber wie sieht es nach dem neuen Erlass des Landes NRW aus? Der FLVW äußert sich.

Dortmund

, 07.05.2020, 14:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manfred Schnieders war eigentlich froh, dass der Verband am Mittwoch allen Vereinen in Westfalen endlich mitgeteilt hat, wie die Saison zu Ende geht. Der Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW) und das Präsidium hatten bekannt gegeben, dass die Spielzeit abgebrochen wird. Ohne Absteiger. Aufsteigen dürfen die Halbzeitmeister und die Teams, die nach der Quotientenregel bei Abbruch der Saison auf Platz eins lagen.

Das war am Mittwoch um 12.30 Uhr. Um 16.30 Uhr stellte sich dann NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vor das Mikrofon und erklärte, dass es neue Lockerungen geben wird. Auch für den Sport. So darf ab Donnerstag wieder Golf gespielt werden, auch Tennis. Es gab auch eine Lockerung, die den Kontaktsport betrifft. Eine, die alle etwas fassungslos zurückgelassen hat.

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So heißt es in der Pressemitteilung des Landes NRW unter dem Punkt Sport und Freizeit: Ab 30. Mai soll die Ausübung von Sportarten auch mit unvermeidbarem Körperkontakt und in geschlossenen Räumen wieder gestattet werden, ebenso der Betrieb in Hallenbädern. Sportliche Wettbewerbe im Kinder-, Jugend- und Amateurbereich sind dann ebenfalls zulässig – die Nutzung von Umkleide- und Sanitäranlagen ist unter Auflagen gestattet.

Meisterschaft wäre am 30. Mai wieder möglich


Das bedeutet übersetzt: Theoretisch könnte die Amateurfußball-Saison am 30. Mai fortgesetzt werden. Der FLVW war selbst überrascht, weil der Verband damit nicht gerechnet hatte. Der Verband ging bis Mittwoch noch davon aus, dass bis zum 30. August die Plätze geschlossen bleiben. Daraus resultiert auch der Beschluss, die Saison abzubrechen.

„Wir wussten nichts von den Plänen des Landes NRW. Normalerweise war es immer so, dass die Landesregierung den Landessportbund über Neuerungen informiert und der Landessportbund dann die Verbände. Das ist in diesem Fall nicht so gewesen“, erklärt Schnieders.

Er betont, dass er durch den neuen Erlass des Landes jetzt nicht in Panik gerät. Aber am Donnerstag um 11.26 Uhr musste er zum ersten mal wieder sein Handy aufladen. Alle Anrufer wollten wissen, ob die Saison jetzt abgebrochen wird oder ob der neue Erlass des Landes NRW die Situation verändert.

Schnieders sagt gegenüber unserer Redaktion zu diesem Thema: „Wir sind ja immer davon ausgegangen, dass bis zum 30. August die Plätze geschlossen bleiben. Jetzt ist es eine neue Situation. Ich kann nicht bestätigen, dass die Saison wie geplant abgebrochen wird. Es kann sein, dass weitergespielt wird.“

Aber so richtig glaubt er nicht daran, zu hoch seien die Hürden und Risiken, die Saison zeitnah wieder starten zu können. „Wie sollen die Vereine denn alle die Hygienerichtlinien einhalten? Wenn das nicht geht, sollen die Spieler dann ungeduscht nach Hause fahren? Die holen sich doch eine Lungenentzündung“, sagt Schnieders.

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Eine offene Frage sei auch, wie es mit Zuschauern bei den Spielen aussieht. Wenn es Beschränkungen gäbe, wie wollen alle Vereine das gewährleisten? „Es gibt Vereine in Westfalen, die haben gar keinen Zaun um ihren Platz“, sagt Schnieders. Auch möchte der Verband nicht in die Situation geraten, dass ein Corona-Infizierter vielleicht auf dem Fußballplatz zusammenbricht. „Wer haftet dann?“, fragt Schnieders. Auch ist unklar, ob alle Kommunen überhaupt die Sportanlagen öffnen.

Ein Klub, der gerne noch weiterspielen würde, ist der Oberligist RSV Meinerzhagen. Das Team fiel durch die Quotientenregelung von einem Aufstiegsplatz, müsste also in der kommenden Spielzeit wieder in der Oberliga starten. „Wir prüfen gerade, ob das Abbruchszenario des Verbandes juristisch haltbar ist. Es wird auch der neue Sachstand mit dem neuen möglichen Startpunkt 30. Mai mit in die Prüfung einbezogen“, sagt Meinerzhagens Vorsitzender Dirk Rebein.

„Finanziell wäre es für uns der Super-Gau, sollte die Spielzeit fortgesetzt werden. “
Michael Linke, Vorsitzender ASC 09 Dortmund

Auch der Dortmunder Landesligist TuS Bövinghausen, der aktuell Zweiter in der Staffel 3 ist und beim Abbruchszenario nicht aufsteigen würde, wünscht sich, dass es weitergeht. „Wir würden gerne die sportliche Chance annehmen, die Saison noch zu beenden und so vielleicht noch den Tabellenführer Wacker Obercastrop abfangen. Wir wollen keine Entscheidung am Grünen Tisch, wir wollen eine auf dem Platz“, sagt der Vorsitzende Ajan Dzaferoski.

Ganz anders sieht das Cem Kara, Sportlicher Leiter des Oberligisten SV Schermbeck: „Die Saison soll abgebrochen werden. Wir haben unseren Trainer und einige Spieler schon verabschiedet. Die verlassen den Klub. Sollen wir dann mit den neuen Spielern die alte Saison zu Ende spielen?“

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Ihm springt auch Michael Linke, Vorsitzender des Oberligisten ASC 09 Dortmund, zur Seite: „Finanziell wäre es für uns der Super-Gau, sollte die Spielzeit fortgesetzt werden. Es dürften ja wohl keine Zuschauer auf den Platz, oder nur im geringen Maß. Außerdem wäre es ja auch unsportlich, ab dem 1. Juli dürften dann ja die neuen Spieler schon auflaufen“, sagt Linke.

Aber wie geht es jetzt weiter beim Verband? Wann ist eine Entscheidung zu erwarten? Dazu kann Schnieders noch nichts sagen. Das Präsidium muss die neue Situation bewerten und prüfen. Fest steht aber, dass die Ständige Konferenz am 11. Mai wie geplant über das vorgeschlagenen Abbruchszenario abstimmt. Ob der Abbruch aber kommt, kann aktuell niemand sagen.

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