Ein Sponsor hat die Kontrolle über den Verein Tennis Borussia Berlin übernommen. Die großen Dortmunder Klubs sehen sich gegen solche „feindlichen“ Übernahmen gewappnet. Kleinere nicht.

Dortmund

, 14.02.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vorgang hat deutschlandweit für Aufsehen gesorgt: In Berlin hat sich ein Sponsor erst in den Vorstand vom Sportverein Tennis Borussia wählen lassen und anschließend bei der Mitgliederversammlung auch den Aufsichtsrat mit seinen Leuten besetzen lassen. Möglich war das, weil er als Vorstandsvorsitzender neue Mitgliedsanträge direkt durchwinken konnte. Wie gut sind Dortmunder Klubs dagegen gewappnet? Und sehen sie überhaupt die Gefahr einer solchen feindlichen Übernahme? Wir haben uns umgehört.

Delegiertenstruktur als Schutzschild

Zuerst beim TSC Eintracht Dortmund, dem mitgliederstärksten Verein nach dem BVB. 7000 Menschen sporteln unter der Flagge des Mehrspartenklubs, eine Übernahme durch eine Sparte oder einen Großsponsor hält Pressesprecher Jan Weckelmann für unrealistisch: „Eine feindliche Übernahme bei uns wäre aufgrund unserer Delegiertenstruktur ziemlich schwierig.“

Die 30 Abteilungen und fünf Fachbereiche wählen jeweils Delegierte in den Vorstand, der wiederum den Klub-Präsidenten bestimmt: „Wer den Vorstand übernehmen wollte, müsste in allen möglichen Abteilungen Mitglied werden und die Leute dort unterbringen“, sagt Weckelmann. Der Aufwand wäre gigantisch. Weckelmann sind auch noch keine solcher Versuche bekannt.

ASC ist groß genug

Gleiches gilt für den ASC 09 Dortmund und Michael Linke, 1. Vorsitzender von 1700 Mitgliedern: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei uns möglich ist. Wir sind so groß, dass wir im Fall der Fälle unsere Leute mobilisieren könnten.“

Linke verweist auf Anmeldefristen für Satzungsänderungen oder die Genehmigungspflicht von Mitgliedsanträgen: „Wir würden vorher mitbekommen, wenn so etwas geplant ist.“ Der ASC-Chef glaubt nicht daran, dass es in einem Mehrspartenverein so einfach möglich ist, die Kontrolle zu übernehmen: „Wir sind so breit aufgestellt, dass wir den einen starken Mann an der Spitze beim ASC gar nicht wollen.“

Appell an die Mitglieder

Ähnlich schätzt es Peter Seifert vom BSV Schüren ein, einem Ein-Sparten-Verein mit etwas mehr als 250 Mitgliedern: „Unsere alteingesessenen Mitglieder wären dagegen, wenn hier einer käme und alles übernehmen wollte“, sagt Seifert, gibt aber auch zu, bisher „über solche Geschichten noch gar nicht nachgedacht“ zu haben. Bei einer Jahreshauptversammlung in Schüren seien auch immer 40 bis 50 Mitglieder vor Ort.

Dass die Versammlung das höchste und damit wichtigste Organ des Vereins ist, bestätigt Mathias Grasediek vom StadtSportbund in Dortmund: „Man kann an die Mitglieder der Vereine nur immer wieder den Appell richten: Geht da hin. Da wird bestimmt, worum es im Verein geht, was für euch wichtig ist.“ In Berlin sei es dem Sponsor zugutegekommen, dass nur wenige Alt-Mitglieder vor Ort gewesen seien. Nur so konnten die vielen neuen Mitglieder die Stimmenmehrheit erlangen.

„Ein Verein ist immer eine Gemeinschaft“

Es sei allerdings kein Mittel, Neu-Mitgliedern erst einmal eine Frist zu setzen, nach deren Ablauf sie erst stimmberechtigt seien: „Wenn einer so etwas plant, dann plant er das langfristig“, sagt Grasediek. „Ein Verein ist immer eine Gemeinschaft, man muss die Mitglieder mobilisieren.“

Dass das nicht immer so einfach ist, wie es klingt, erzählt Rainer Köhler, 1. Vorsitzender beim TV Hörde mit 600 Mitgliedern: „Die Wahlbereitschaft ist immer ziemlich gering“, sagt Köhler, wenn sich eine Gruppe zusammenschließen würde und jemanden in den Vorstand wählen wolle, „dann können die das definitiv auch schaffen. Wir können uns da wirklich nicht vor schützen.“

Bester Schutz sind aktive Mitglieder

Mathias Grasediek empfiehlt zur förmlichen Sicherheit die Mustersatzung des Landessportbunds, die die meisten Vereine auch nutzen würden: „Da steht drin, dass Mitgliedsanträge immer von zwei Vorstandsmitgliedern genehmigt werden müssen“, sagt der StadtsportBund-Chef. Am Ende kann aber auch die beste Satzung vor einer feindlichen Übernahme nur bedingt bewahren: „Der beste Schutz“, sagt Grasediek, „sind die aktiven Mitglieder.“

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