„Ein Unding“: Ex-Verein kritisiert Vorwurf von Bövinghausen-Neuzugang

dzFußball

Vier Schiedsrichter wechseln zu Bövinghausen. Bei ihren alten Vereinen fühlten sie sich nicht wertgeschätzt, sagt einer von ihnen. Bei seinem Ex-Klub kann man das nicht ganz nachvollziehen.

Dortmund

, 23.06.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwischen all den Transfers von Spielern mit Oberliga- oder Regionalliga-Niveau in der Vergangenheit, wirken die neuesten Verpflichtungen des TuS Bövinghausen etwas ungewöhnlich. Zumindest auf den ersten Blick. Der Westfalenliga-Aufsteiger verpflichtet vier Schiedsrichter, zwei von ihnen gehören zu den besten des Dortmunder Fußballkreises. Als Grund für ihren Wechsel nannte einer der vier Unparteiischen vor allem die fehlenden Wertschätzungen in ihren bisherigen Vereinen. Dafür zeigt der Vorsitzende seines Ex-Klubs nur wenig Verständnis.

„Bei vielen Vereinen sind Schiedsrichter nur eine Nummer“, sagte Amir Aletic im Gespräch mit dieser Redaktion. Er wechselt vom FC Brünninghausen zum TuS Bövinghausen - genauso wie Marius Feldmeier (Dortmunder Löwen - Brackel 61), Andreas Braun und Dennis Joseph (beide ETuS/DJK Schwerte). Alle seien mit ihren Vereinen unzufrieden gewesen, sagt Aletic. Er und seine Kollegen würden sich mehr Wertschätzungen vonseiten der Vereine wünschen sowie eine bessere Einbindung in die jeweiligen Vereine. Konkretere Vorwürfe an seinen Ex-Verein oder den von einem seiner Kollegen machte er nicht, sagte jedoch, „die Wertschätzung ist der Hauptgrund“ für den Wechsel der vier Schiedsrichter.

Jeder fehlende Schiedsrichter würde Bövinghausen 400 Euro kosten

Bei seinem Ex-Verein kann man den Vorwurf der fehlenden Wertschätzung nicht nachvollziehen. „Das ist ein Unding“, sagt der Vorsitzende Rudolf Zorn. Beim FC Brünninghausen gebe es regelmäßige Treffen mit den Schiedsrichtern des Vereins. Sie würden immer Unterstützung erhalten, wenn es zum Beispiel um das Kaufen von Ausrüstung gehe. Sogar einen Schiedsrichterbeauftragten habe der Verein. „Aber man muss sich auch immer selber ein bisschen einbringen“, sagt Zorn.

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Ärger über Aletics Wechsel gibt es beim FC Brünninghausen jedoch nicht. „Das ist eigentlich ein normaler Prozess“, sagt Zorn, „das ist eben so.“ Auch der FCB werde noch Schiedsrichter aus anderen Vereinen verpflichten. Bald gibt es auch wieder neue Lehrgänge für Unparteiische, zu denen der Verein einige Kandidaten hinschicken werde.

Dass ein Verein gleich mehrere Schiedsrichter auf einmal verpflichtet, sei ebenfalls gar nicht so ungewöhnlich wie man denken könnte, erklärt Markus Schanz, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses. Wenn ein Verein feststellt, dass ihm noch Schiedsrichter für die kommende Saison fehlen, komme das durchaus vor. Die Zahl der benötigten Schiedsrichter hängt immer von der Anzahl der Mannschaften eines Vereins, die am Pflichtspielbetrieb teilnehmen, ab.

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Betreuung und Wertschätzung spielen eine große Rolle

„Schiedsrichter kann man nie genug haben“, sagt Brünninghausens Rudolf Zorn. In der Vergangenheit habe sein Verein „mit Sicherheit zu wenig“ gehabt, doch aktuell arbeite man daran, in diesem Bereich wieder besser aufgestellt zu sein. Doch der Schiedsrichter-Markt ist umkämpfter geworden. „Wir wissen, dass manchen Schiedsrichtern viel Geld gezahlt wird“, erklärt er. Ob das auch bei den vier Schiedsrichter-Wechseln zu Bövinghausen der Fall ist, wisse er aber nicht. Ajan Dzaferoski, Vorsitzender des TuS, sowie Amir Aletic erklärten beide, dass es den Unparteiischen nicht ums Geld gehe.

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Markus Schanz denkt nicht, dass der finanzielle Aspekt generell ein Grund für die Wechsel von Schiedsrichtern ist. „Ich glaube, dass es bei Schiedsrichtern mehr um die Betreuung und die Wertschätzung geht“, erklärt er. Genau das nannten auch Dzaferoski und Aletic als Gründe für die Wechsel. Die Frage, wie ein Verein seine Schiedsrichter integriert, bezeichnet Schanz als eine wichtige Thematik.

„Das sind ja Vereinsmitglieder, die nicht jeden Sonntag am Platz sind, sondern woanders pfeifen“, sagt der Kreisschiedsrichterobmann. Die Schiedsrichter „sind nicht so 100-prozentig eingebunden wie ein aktiver Spieler“, gibt auch Mike Kollenda, Vorsitzender der Dortmunder Löwen - Brackel 61, zu. Für ihn kam der Wechsel von Marius Feldmeier überraschend. „Aber Marius hat sich da super korrekt verhalten“, sagt er.

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Er habe sogar angeboten, als passives Mitglied dem Verein erhalten zu bleiben. Und sollte es mal Probleme geben, könne der Verein immer auf ihn zukommen, um gemeinsam mit Bövinghausen zu überlegen, ob er irgendwie helfen kann. „Er ist ein super Typ“, sagt der Vorsitzende über Brackels nun ehemaligen Schiedsrichter. „Aber das ist ein sensibles Thema, es trifft uns hart, dass wir einen Schiedsrichter verlieren.“

„In Dortmund gibt es geringe Aufwandsentschädigungen“

Dass es an der fehlenden Wertschätzung bei Brackel lag, dass Feldmeier den Verein verlässt, glaubt Kollenda nicht. Er vermutet vielmehr das gemeinsame Projekt der vier Schiedsrichter, sich generell für mehr Wertschätzung für die Unparteiischen zu engagieren, als einen Grund für Feldmeiers Abschied. Die Tür bei Brackel bleibt für ihn jedenfalls offen. „Wir wünschen ihm alles Gute und wenn er irgendwann zurückkommen will, kann er sich gerne melden.“

„Es gibt Vereine, da läuft das einwandfrei“, sagt Markus Schanz über die Einbindung von Schiedsrichtern in den Vereinen. Doch es gibt eben auch Klubs, bei denen es Probleme gibt. Der Kreisschiedsrichterausschuss arbeite daran, dass es in jedem Verein einen Schiedsrichterbeauftragten, einen Ansprechpartner für die Unparteiischen, gibt. Doch nicht jeder Verein könne extra eine Person abstellen, die sich um die Belange der Schiedsrichter kümmert. In manchen Vereinen gibt es dadurch Probleme. Und es sei frustrierend, „wenn ich Schiedsrichter bin und drei Monate hinter meiner Ausrüstung her rennen muss“.

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Dass manche Vereine ihren Unparteiischen eine zusätzliche Aufwandsentschädigung zahlen, stimmt derweil. Genaue Zahlen kennt Markus Schanz zwar nicht, aber „das ist sicherlich in einem geringen Rahmen“. Solche zusätzlichen Zahlungen gibt jedoch nicht deutschlandweit. Es gibt Regionen, in denen so etwas vollkommen unüblich ist, sagt Schanz. „In Dortmund gibt es zumindest noch geringe Aufwandsentschädigungen.“

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