Eichlinghofer Fußballer fühlt sich auf Rügen wie gestrandeter Robinson Crusoe

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Normalerweise wären die Strände in Rügen voll – einige würden sogar den Sprung ins Wasser wagen. Doch durch die Coronakrise ist es menschenleer – ein Eichlinghofer Fußballer ist aber gestrandet.

Dortmund, Eichlinghofen

, 02.05.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sonne lacht, der Himmel ist blau, ab und zu weht ein leichter Wind. Das Wetter zeigt sich seit Tagen bis auf wenige Ausnahmen von seiner besten Seite. Und das nicht nur in Dortmund, sondern auch auf Rügen. Egal ob in den Ostseebädern Binz und Sellin oder in der Hafenstadt Sassnitz oder im Hauptort Bergen: Eigentlich würden sich hier aktuell die Menschenmassen nur so sammeln.

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Eigentlich – wäre da nicht die Coronakrise. Deshalb ist die Insel seit dem 16. März für Touristen gesperrt. Momentan dürfen sich nur Menschen dort aufhalten, die dort wohnen oder arbeiten – und dazu zählt auch Dennis Grunendahl. „Ich werde regelmäßig von den Sicherheitsbehörden auf mein Dortmunder Kennzeichen angesprochen. Aber dann kann ich ihnen mein Beleg zeigen, dass ich hier arbeite“, erzählt der ehemalige Co-Trainer des Bezirksligisten TuS Eichlinghofen.

Dennis Grunendahl: „Endlich hat man mal Zeit und Platz, die Sandkörner nach Größe zu sortieren“

Momentan kann Grunendahl seine freie Zeit für ausgedehnte Spaziergänge am Strand nutzen. Auf Instagram postete er ein Foto mit folgender Bildunterschrift: „Endlich hat man mal Zeit und Platz, die Sandkörner nach Größe zu sortieren. Dieses Chaos hält ja keiner aus.“ Quasi wie Robinson Crusoe am Strand von Rügen – ganz allein auf weiter Flur.

Dennis Grunendahl stieg zu Saisonbeginn als Co-Trainer beim Bezirksligisten TuS Eichlinghofen ein.

Dennis Grunendahl stieg zu Saisonbeginn als Co-Trainer beim Bezirksligisten TuS Eichlinghofen ein. © Dortmunder Sportfotografie / Schulze

Im Sommer vergangenen Jahres stieß Grunendahl zusammen mit Cheftrainer Marc Risse zum Bezirksligisten. Davor trainierte er die zweite Mannschaft des TuS und einige Jugendteams. „Als ich beruflich die Stadt verlassen habe, habe ich pausiert, bis Marc mich fragte, ob ich ihm nicht bei der Ersten helfen wolle. Das hätte ich auch gern weitergemacht, aber als dann das Jobangebot aus Rügen kam, musste ich von jetzt auf gleich dorthin ziehen.“

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Seit Mitte Januar dieses Jahres arbeitet er für den Verein „Prora Zentrum“, der eine neue Bildungsstätte erreichten will. Prora ist ein Ortsteil der Gemeinde Binz und wurde vor allem während der Nazi-Zeit bekannt. Die Organisation Kraft durch Freude erschuf einen riesigen Komplex von aneinandergereihten Blöcken. Dort sollten 20.000 Menschen gleichzeitig machen. Doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges verhinderte die Fertigstellung des Seebades.

Vier Blöcke für Hotels, Gaststätten und Privatwohnungen genutzt

Während der Zeit des geteilten Deutschlands nutzte erst die Rote Armee der Sowjetunion und dann die Nationale Volksarmee das Gelände. Nach der Wiedervereinigung gab es verschiedene Nutzer, ehe ein großer Teil der riesigen Blöcke immer mehr für Hotels, Gaststätten und Privatwohnungen genutzt wurden.

„Im fünften Block sitzen wir mit unserem Verein. Zudem befindet sich dort eine Jugendherberge und eine Gedenkstätte“, erzählt Grunendahl.

Dennis Grunendahl (li.) trainierte an der Seite von Marc Risse den TuS Eichlinghofen, bis es für ihn beruflich nach Mecklenburg-Vorpommern ging.

Dennis Grunendahl (li.) trainierte an der Seite von Marc Risse den TuS Eichlinghofen, bis es für ihn beruflich nach Mecklenburg-Vorpommern ging. © Folty

Der Zustand, das Rügen fast menschenleer ist, wird wohl noch eine Zeitlang anhalten. Zwar hat die Insel kaum Corona-Fälle, aber es gibt ein anderes Problem: „Hier gibt es zu wenige Krankenhäuser, um neben den Einheimischen auch die Touristen zu versorgen. Daher ist der Zugang zur Insel auch am Anfang der Krise so schnell gesperrt worden“, beschreibt er.

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Dementsprechend wird Grunendahl auch in der kommenden Zeit den einen oder anderen entspannten Spaziergang machen können – stören wird ihn (fast) niemand.

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