Fußball-Talent berichtet, wie es ist, als 16-jähriges Mädchen mit Jungs zu spielen

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Es soll sogar so sein, dass Mädchen auch in den älteren Jugendklassen mit den Jungs gemeinsam Fußball spielen. Eine Dortmunderin berichtet, wie das in der Praxis aussieht.

Dortmund

, 29.07.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Fußballkreis Dortmund haben Mädchen die Möglichkeit, auch in den älteren Jugendklassen noch bei den Jungs mitzuspielen. Wie sieht das in der Praxis aus? Welche Chancen bieten sich den Mädchen, welche Probleme begleiten den Alltag. Eine talentierte Dortmunder Fußballerin erzählt von ihren Erfahrungen.

Nur eine Einverständniserklärung der Eltern benötigen junge Fußballerinnen, um beispielsweise auch in der B-Jugend noch bei den Jungs mitzuspielen. Dann erlaubt der Fußballkreis Dortmund das Mitspielen. 15 bis 20 Mal käme das jährlich vor, heißt es vom Kreis.

Eine dieser Spielerinnen ist Luisa Heusner. Die 16-Jährige spielt hauptsächlich beim FC Iserlohn in der B-Juniorinnen-Bundesliga - eine reine Mädchenmannschaft. Zusätzlich ist es ihr allerdings erlaubt, bei den B-Jungs des Kirchhörder SC mitzuspielen.

Luisa Heusner startete in der F-Jugend des Kirchhörder SC

In Kirchhörde habe es nie eine Mädchenmannschaft gegeben, berichtet Heusner. 2012 fing sie beim KSC mit dem Fußballspielen an, st

artete dort in der F-Jugend. Heusner ist talentiert, soll zu den besten Dortmunder Spielerinnen ihres Jahrgangs gehören. Auch in der Westfalen-Auswahl ist sie aktiv.

Weil es bei ihrem Heimatverein keine Mädchenmannschaft gab, spielte Heusner stets bei den Jungs mit. Das ist auch der Wunsch des DFB und der Westfalen-Auswahl. „Damit man körperlich und an Schnelligkeit dazu lernt“, so Heusner.

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Für den Verein bedeutet das natürlich einen zusätzlichen Aufwand. Ein Aufwand, dem die Vereine aber gerne und kreativ nachkämen, so der Kreis.

Kirchhörder SC musste Kabinen-Problematik lösen

Heusner und die männlichen Spieler ihres Teams ziehen sich natürlich nicht gemeinsam um. Früher, da hatten alle Spieler ihr Trikot zuhause und kamen schon umgezogen zum Platz, so Heusner.

Seitdem das nicht mehr möglich ist, zieht sich die junge Fußballerin in der Schiedsrichter-Kabine des Kirchhörder SC um. Dort hat sie auch eine eigene Dusche für sich.

„Es ist halt ein bisschen anders“, sagt Heusner. Man merkt, dass solche Situationen für sie längst keine Besonderheit mehr sind. Sie registriere zwar, dass sie sich vor dem Gang auf dem Platz woanders umgezogen habe als der Rest der Mannschaft. „Es ist auf gar keinen Fall so, dass man ausgegrenzt ist“, so die 16-Jährige.

Der Kirchhörder SC ließ sich auch bei größeren Veranstaltungen etwas einfallen. „Auf Mannschaftsfahrten wurde sich immer darum gekümmert, dass ein anderes Mädchen mitgefahren ist“, sagt Heusner. Bis zur D-Jugend hätten zwei weitere Mädchen mit ihr bei den Jungen gespielt, später sei ein anderes Mädchen zum Verein gestoßen.

Auf Mannschaftsfahrten war sie also nie alleine, hatte immer eine weibliche Zimmerpartnerin. Der KSC sorgte auch dafür, dass stets eine weibliche Betreuerin mit von der Partie war.

Luisa Heusner: Ab der C-Jugend merkt man die Unterschiede

Doch wie gestaltet sich der Geschlechter-Unterschied beim Fußball selbst? Ab der C-Jugend merke man die körperlichen Unterschiede deutlicher, so Heusner. Schneller, kräftiger und härter in den Zweikämpfen seien die Jungen.

„Da muss man halt gucken, dass man technisch deutlich besser ist. Dann kann man das alles ein bisschen ausgleichen“, sagt Heusner nüchtern. Außerdem sei sie im Zentrum zuhause, dort sei zumindest die Schnelligkeit ohnehin „nicht so wichtig“. „Körperlich verbessert man sich schon sehr, wenn man mit den Jungs spielt oder trainiert“, sagt Heusner.

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Gefordert und gefördert wird das Talent aber nicht nur durch männliche Konkurrenz. In Iserlohn spielt Heusner in der höchsten Nachwuchsliga. Zuletzt hatte sie sich deshalb auf die Meisterschaft mit dem FCI konzentriert, „da ich dort auch eine tolle Mannschaft gehabt habe“, so die junge Fußballerin.

Priorität liegt beim FC Iserlohn

Für den KSC hat Luisa Heusner in der vergangenen Saison deshalb keine Liga-Partie bestritten. Theoretisch wäre das möglich gewesen. Ihr Erstspielrecht lege beim KSC, das Zweitspielrecht in Iserlohn, so Heusner. Hätte es ihr dort nach ihrem Wechsel im Sommer 2019 nicht gefallen, hätte sie also auch in der Liga in Kirchhörde gespielt, so die 16-Jährige.

Doch der Fokus liegt weiterhin auf der B-Juniorinnen-Bundesliga. Beim KSC hatte Heusner die Wahl zwischen der B2- oder B3-Jugend. Am Ende wurde es die B3, weil dort ihre Freunde und ein ehemaliger Trainer aktiv sind. Auch die Trainer spielen natürlich eine Rolle, wenn man als Mädchen unter Jungs spielt. „Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Trainern“, sagt Heusner.

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Heusner beobachtet den Dortmunder Frauen- und Mädchenfußball. Dass der Frauenfußball in Dortmund durch den Zweitliga-Aufstieg des SV Berghofen mehr Aufmerksamkeit bekommt, freue sie sehr.

Es gibt allerdings ein Aber. Heusner findet es „echt schade, dass der BVB einer der wenigen europäischen Topteams ist, der über keine Damen- und Mädchenabteilung verfügt. Ich glaube nämlich, dass es der Traum vieler Mädchen ist in schwarz-gelb aufzulaufen.“

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