Dortmunder brachte neben dem EM-Titel auch die Schmerzen in die Stadt

Leichtathletik

Ein ehemaliger Dortmunder Leichtathletik-Trainer war nicht nur mit dafür verantwortlich, dass ein Staffel-Europameistertitel nach Dortmund kam - er war auch berüchtigt für den „Schmerzpunkt“.

Dortmund

, 06.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hartmut Weber war der erfolgreichste Schützling eines bekannten Dortmunder Leichtathletik-Trainers.

Hartmut Weber war der erfolgreichste Schützling eines bekannten Dortmunder Leichtathletik-Trainers. © imago sportfotodienst

Als Bundestrainer Thomas Kremer mit seinen 400-Meter-Schützlingen wegen der Corona-Krise und der dadurch erfolgten Sperrung der Körnig-Halle und des Stadions Rote Erde zum Teil in den Niederhofener Wald umziehen musste, berichtete er von der dortigen, bei Langsprintern gefürchteten „Krüsmann-Runde“, die den Athleten alles abverlangte. Das brachte den hervorragenden ehemaligen Dortmunder 400-Meter-Läufer und erfolgreichen Trainer Rolf Krüsmann, der etwas in Vergessenheit geraten war, wieder in Erinnerung.

Krüsmann, der im nächsten Jahr seinen 80. Geburtstag feiern wird, kam aus Bochum zum LC Dortmund und schloss sich dann dem OSC Thier an. Er kam zu einem Zeitpunkt nach Dortmund, als Langsprinter hoch im Kurs standen. Die damals noch zu Aschenbahnzeiten erzielten 46er Leistungen über 400 Meter hätten auch heute noch ihren Wert.

Als Dritter der deutschen Meisterschaften 1966 in persönlicher Bestzeit von 46,4 Sekunden qualifizierte sich Rolf Krüsmann für die Europameisterschaften in Budapest. Für das deutsche 4 x 400-Meter-Quartett erkämpfte er zusammen mit Friedrich Roderfeld, Jens Ulbricht und Manfred Kinder die Silbermedaille und wurde im Einzelrennen mit 46,7 Sekunden Fünfter.

Rolf Krüsmann trainierte Dortmunder Europameister

Nach dem Ende seiner aktiven Zeit war Krüsmann als Trainer tätig und seine Schützlinge erzielten große Erfolge. Sein Musterschüler war der OSC-Langsprinter Hartmut Weber, der 1979 im polnischen Bydgocz Junioren-Europameister über 400 Meter wurde. Drei Jahre später erkämpfte Weber in glänzenden 44,72 Sekunden die Europameisterschaft der Männer und als Schlussläufer der deutschen „4x4“ auch den Staffeltitel. Zu ihm pflegt Krüsmann auch heute noch Kontakt.

Ab 1990 war Krüsmann Bundestrainer der deutschen Langsprinter bis 1996 das plötzliche Ende seiner Karriere kam. Voller Freude stürmte ein Berner Sennenhund auf ihn zu, brachte ihn zu Fall und er verletzte sich dabei schwer. Er konnte nicht mehr lange stehen, das Gehen fiel ihm schwer. Er musste aus dem Schuldienst ausscheiden und der Deutsche Leichtathletik-Verband legte ihm wenig einfühlsam nah, seine Tätigkeit als Bundestrainer zu beenden. „Ich hätte gerne meine Arbeit zur Vorbereitung auf die olympischen Spiele 1996 in Atlanta noch zu Ende gebracht“, bedauert er noch heute.

Schwerpunkte seines Trainings waren die Arbeit an der Schnelligkeit und der Tempohärte, und seine Athleten wurden mächtig gefordert. Bergaufläufe („Sie müssen in den Berg hineinlaufen.“) und bei Sprints ein Gewicht ziehen waren nur zwei der harten Trainingseinheiten in Krüsmanns Philosophie, die ein wenig an Fußballtrainer Felix Magath erinnert: „Sie müssen an den Schmerzpunkt heran laufen.“

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