Diese Dortmunder wollen Ruder-Gold bei Olympia in Tokio holen

Deutschland-Achter

Bei Olympia in Tokio 2020 ist der Deutschland-Achter aus Dortmund wieder eine der größten deutschen Titel-Hoffnungen. Wir stellen euch Deutschlands Gold-Aspiranten vor.

von Carsten Oberhagemann

Dortmund

, 02.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Diese Dortmunder wollen Ruder-Gold bei Olympia in Tokio holen

Der Deutschland-Achter trainiert momentan in Portugal für olympisches Gold. © picture alliance/dpa

Achter-Trainer Uwe Bender setzt im Olympiajahr weitgehend auf altbewährte Kräfte. Im Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) verbleiben acht Weltmeister von 2019. Einziger Neuling ist der 22 Jahre alte Berliner Olaf Roggensack. Das gab Bender am Mittwochabend im Trainingslager von Montemor-o-Velho in Portugal bekannt. Wir stellen die deutschen Gold-Hoffnungsträger vor.

Hannes Ocik

Der 28-Jährige ist ein Wettkampftyp durch und durch. Zielstrebig und mit besonderem Gefühl fürs Rudern ausgestattet. Sich nicht vom Weg abbringen, ließ er sich auch bei Rückschlägen, die ihn zu längeren Pausen während seiner Ruderkarriere zwangen. Er kam immer wieder zurück – und wie: Seit 2015 gibt er als Schlagmann den Rhythmus im Deutschland-Achter vor. Und so schenkte ihm Bundestrainer Uwe Bender auch diesmal wieder das Vertrauen, obwohl er bei den jüngsten Leistungstests „eine schlechte Woche“ hatte.

Diese Dortmunder wollen Ruder-Gold bei Olympia in Tokio holen

Hannes Ocik © Dieter Menne

Bender: „Er wird sich wieder stabilisieren und zu seiner alten Leistungsfähigkeit zurückfinden. Er hat fünf Jahre lang dauerhaft gezeigt, was er auf der Position des Schlagmanns leisten kann.“ Der gebürtige Rostocker ist als Polizeimeister bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern verbeamtet, aber für viele Monate des Jahres vom Dienst freigestellt. So kann sich der Wahl-Dortmunder voll auf den Sport konzentrieren und seine zweiten Olympischen Spiele in Angriff nehmen.

Richard Schmidt

Mit ihm ist die jüngste Erfolgsgeschichte des Deutschland-Achter eng verbunden. Richard Schmidt (32) bestreitet ununterbrochen seine nun schon 12. (!) Saison im Boot der Boote. Er hat alle möglichen Titel gewonnen – viele davon mehrfach, er besticht durch seine außerordentliche Leistungsfähigkeit und ist die große Konstante im Achter.

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Richard Schmidt © Dieter Menne

Er schafft es zudem, sich neben der eigenen Leistungssportkarriere noch auf vielen anderen Tätigkeitsfeldern zu engagieren: So vertritt Richard Schmidt als Athletensprecher die Meinung der Nationalmannschaftsruderer und setzt sich als Mitglied der Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für den sauberen Sport ein. Der junge Familienvater – Tochter Mathilda ist zehn Monate alt – und Wirtschaftsingenieur arbeitet zudem noch an seiner Promotion im Bereich Energietechnik.

Malte Jakschik

Der zweite junge Vater im Boot. Sohn Emil sorgt bei Malte und Frau Sara seit Jahresbeginn für viel Freude. Dass das frische Vatergefühl beflügeln kann, hat er in dieser Woche beim Leistungstest im Zweier in Montemor-o-Velho gezeigt: Er gewann wie in den Vorjahren zusammen mit Richard Schmidt.

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Malte Jaschik © Dieter Menne

Malte Jakschik eroberte bereits als 20-Jährige zum ersten Mal einen Platz im Deutschland-Achter, seitdem ist er nicht wegzudenken. Diese olympische Saison ist schon seine sechste im Ausnahmeboot. Zielstrebig ist der 26-Jährige auch in Sachen Berufsorientierung. Er steht kurz vor dem Ende seines Maschinenbaustudiums an der Ruhr-Universität Bochum, die Masterarbeit hat er kürzlich abgegeben.

Jakob Schneider

Geboren und aufgewachsen im Breisgau, schlug es den talentierten Ruderer vor einigen Jahren ins Ruhrgebiet. Zunächst ins Sportinternat nach Essen, dann nach dem Abitur ans Ruderleistungszentrum nach Dortmund. Der 1,98 m große Ruderrecke kam schließlich bei den „Großen“ an, schaffte 2017 den Sprung in den Deutschland-Achter und feierte seitdem einen Sieg nach dem anderen.

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Jakob Schneider © Dieter Menne

Er hat seinen Platz im Boot auf der Position 5 gefunden, ist der „big five man“, wie ihn ein Kommentar aus England einmal würdevoll bezeichnete. Nun startet bereits in seine vierte Saison im Deutschland-Achter, jetzt kann sich der 25-Jährige auch endlich seinen lang ersehnten Traum einer Olympia-Teilnahme erfüllen. „Ich freue mich auf Tokio und Japan. Anschließend will ich noch eine kleine Rundreise durchs Land machen.“

Torben Johannesen

Olympialuft schnupperte er schon 2016 in Rio de Janeiro, hier musste sich Torben Johannesen aber noch mit der Rolle des Ersatzmanns (ohne Einsatz) zufriedengeben. Seine Zeit im Deutschland-Achter begann ein Jahr danach. Zuvor hatte bereits sein älterer Bruder Eric viele Erfolge mit dem Paradeboot – darunter der Olympiasieg 2012 – gefeiert.

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Torben Johannesen © Dieter Menne

Dem eifert Torben nach, will sich nach den WM- und EM-Titeln nun ebenfalls mit Olympia-Gold schmücken. Dafür pendelt Torben, der „Hamburger Jung“, regelmäßig zwischen seiner Heimatstadt, wo er Physik und Sport auf Lehramt studiert, und dem Trainingsstandort Dortmund.

Olaf Roggensack

Von Null auf 100 sozusagen: Er sitzt erst seit wenigen Tagen im Deutschland-Achter, ist der frisch berufene Neuling. Der 22-Jährige rudert im vergangenen Jahr noch im U23-Bereich, rückte im Herbst in den A-Kader auf und empfahl sich durch konstante Leistungen im Training und bei internen Wettkampftests direkt für einen der begehrten Rollsitze im Deutschland-Achter.

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Olaf Roggensack © Deutschlandachter

Der Berliner, der mit 91 kg ein verhältnismäßig geringes Gewicht auf die Waage bringt, beeindruckte auf dem Ergometer mit einer starken Performance und fügte sich gut in den Rhythmus des Großbootes ein. „Er bietet neben den arrivierten Kräften auf der Steuerbord-Seite das beste Paket“, meinte Bundestrainer Uwe Bender, der dem Youngster die Olympia-Chance bietet.

Laurits Follert

Das Kraftpaket bringt die nötige Power ins Boot. Der Krefelder hat ein Faible für bunte Socken, die er gerne beim Training im Boot oder Kraftraum anzieht. Er wohnt mit Hannes Ocik zusammen in einer WG im Kreuzviertel, die beiden werden dort regelmäßig vom Teamkollegen Marc Leske bekocht.

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Laurits Follert © Dieter Menne

Der 23-Jährige hat seine Nominierung aus dem Vorjahr bestätigt und geht ins zweite Achter-Jahr. Er absolviert wie Olaf Roggensack eine Ausbildung bei der Bundespolizei. Die Einstufung in den Sportförderbereich gibt ihm den nötigen Freiraum, so kann er sich voll und ganz aufs Rudern und nun auf die Olympia-Vorbereitung konzentrieren.

Johannes Weißenfeld

Der 2,00-Meter-Hüne fühlt sich auf der Position 1 im Bug des Deutschland-Achters pudelwohl. Seit drei Jahren hat er hier ständig als Erster die Ziellinie überquert. Er ist technisch sehr stabil und kann sich gut an die unterschiedlichen Bedingungen auf dem Wasser anpassen.

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Johannes Weißenfeld © Dieter Menne

Der redegewandte Medizinstudent stammt aus Herdecke und hat es von Dortmund aus daher nicht weit für einen Abstecher in die Heimat. Er ist leidenschaftlicher Barister, ein guter Espresso mit ausgewähltem Kaffeearoma gehört bei ihm tagtäglich dazu – genau das richtige nach einer anstrengenden Rudereinheit.

Martin Sauer

Er ist mit 1,69 Meter und 55 kg das Leichtgewicht im Kreis der Riesen, aber sein Wort hat Gewicht. Das Vertrauen in den Steuermann ist innerhalb der Mannschaft sehr groß. Er legt großen Wert auf Disziplin und Professionalität. Er will nichts dem Zufall überlassen, schließlich gibt es auch bei Olympia nur ein Medaillen-Chance. In gut fünf Minuten fällt da die Entscheidung.

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Martin Sauer © Dieter Menne

Seine Erfolgsquote ist beeindruckend. Er führte den Deutschland-Achter zu Olympia-Gold (2012), Olympia-Silber (2016), insgesamt sechs WM-Triumphen und acht EM-Titeln. Auf die Erfahrung des 37-Jährigen will und kann keiner in den nächsten sechs Monaten verzichten. Schließlich war seine Benennung letztlich reine Formsache.

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