Die Suche nach dem Unterbau: die Nachwuchspläne von Bövinghausen und Türkspor

dzFußball in Dortmund

Im Seniorenfußball sorgen der TuS Bövinghausen und Türkspor Dortmund regelmäßig für Aufsehen. Doch welche Ziele haben die Klubs im Jugendbereich? Ein Dortmunder Verein könnte als Vorbild dienen.

Dortmund, Bövinghausen, Brünninghausen

, 22.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die erste Seniorenmannschaft spielt in der Bezirksliga, führt dort die Tabelle an. Die weiteren drei Reserveteams der Herren tummeln sich in den Kreisligen C4, C6 und C7. Im Jugendbereich stellt der Verein nur die E-Junioren, die in der Kreisliga B, Staffel C3 kicken: Die Rede ist von Türkspor Dortmund.

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Noch übersichtlicher liest sich die Lage beim TuS Bövinghausen: Der Verein aus dem Dortmunder Westen verfügt über zwei Seniorenteams. Eines davon kickt in der Landesliga um den Westfalenliga-Aufstieg mit, das andere spielt in der Dortmunder Kreisliga C1. Von Jugendkickern – keine Spur.

Spektakuläre Transfers

Ohne Zweifel: Die ersten Herrenmannschaften beider Vereine geraten immer wieder in den Mittelpunkt der Medien: mit spektakulären Transfers, mit prominenten Trainern und auch mit ambitionierten Zielen sowie erfolgreichem Fußball. Sowohl Bövinghausen als auch Türkspor Dortmund wollen hoch – so schnell wie möglich.

Am liebsten in die Oberliga. Aber gelingt das nachhaltig ohne Unterbau und nur mit externen Spielern? Welche Ziele haben die Vereine mit ihrem Nachwuchs? Und welcher Dortmunder Verein könnte sogar als Vorbild dienen? Ein Überblick.

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Drehen wir den Zeiger der Zeit einmal für etwa sieben Jahre zurück – in die Saison 2012/2013. Da kickten die ersten Mannschaften des TuS Bövinghausen und von Türkspor Dortmund noch gemeinsam in der Dortmunder Kreisliga B Gruppe 1, lieferten sich einen erbitterten Kampf um den Aufstieg in die Kreisliga A.

Besseres Torverhältnis

Nach Punktgleichheit setzte sich am Ende der TuS mit einem besseren Torverhältnis gegenüber Türkspor durch – und stieg in die Kreisliga A auf. Türkspor gelang das erst später. Seither schreiben beide Vereine mehr oder weniger große Erfolgsgeschichten, befinden sich aktuell aber sicherlich auf dem bisherigen Höhepunkt der jeweiligen Vereinsgeschichten und wollen unbedingt weiter nach oben.

Wettstreit auf dem Transfermarkt

Mittlerweile ist ein kleiner „Wettstreit“ entstanden, welcher der beiden Klubs den spektakulärsten Neuzugang verkündet. Erst kürzlich hat Türkspor Dortmund mit der Verpflichtung des ehemaligen Zweitliga-Torjägers Marcel Reichwein wieder für Aufsehen gesorgt. Im Jugendbereich der beiden Teams findet man große Entwicklungen bislang eher selten. Lediglich die Kooperation des TuS Bövinghausen mit der Jugendakademie von Paris St. Germain geriet im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen, gerät durch das Coronavirus nun aber auch ins Stocken.

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Doch mit Beginn der neuen Saison soll sich in beiden Klubs eine Menge ändern – auch im Jugendbereich. „Wir werden von den G- bis zu den C-Junioren versuchen, jede Jugend zu besetzen. Wir brauchen den Unterbau und müssen anfangen, daran zu arbeiten“, sieht auch der TuS-Vorsitzende Ajan Dzaferofski die Notwendigkeit, sich im Jugendbereich breiter aufzustellen.

Ajan Dzaferofski, Boss des TuS Bövinghausen, hat mit der Jugendarbeit im Klub eine Menge vor.

Ajan Dzaferofski, Boss des TuS Bövinghausen, hat mit der Jugendarbeit im Klub eine Menge vor. © Stephan Schuetze

Dabei wolle Dzaferofski vornehmlich auf die Kooperation mit Paris St. Germain setzen. „Mit der Unterstützung von Paris wollen wir den einen oder anderen Spieler dann zu uns locken. Jugendarbeit ist schwierig, aber wir müssen Ziele und Ambitionen haben, dadurch wird der Verein ja auch größer“, sagt der TuS-Boss.

Bövinghausen mit Zehn-Jahres-Plan

Ziele hat sich der TuS schon gesteckt für den Jugendbereich – und gibt sich dafür rund zehn Jahre Zeit. Langfristig wolle der TuS mit seinen Jugendteams mindestens in der Bezirksliga, viel lieber aber in der Landesliga spielen. Der Verein wolle dann auch davon profitieren und gute Jugendspieler in die Seniorenmannschaft hochschieben, mit der die Bövinghausener in die Oberliga wollen.

Daher verwundert es etwas, dass der TuS zur kommenden Saison noch keine B- und A-Jugend anmeldet. „Wir fangen erstmal mit dem jungen Unterbau an, wollen den Grundstein legen. In der B- und A-Jugend ist das schwierig, da die Spieler in ein Alter kommen, in denen sie sonntagsmorgens erst von einer Party zurückkommen“, befürchtet Dzaferofski.

Probleme mit dem Ascheplatz

Einen etwas anderen Weg will Türkspor Dortmund einschlagen. Im Gespräch mit dieser Redaktion spricht Dr. Akin Kara, Vorsitzender des Vereins, über die Pläne für die Zukunft. Kara gibt offen zu, dass der Verein in den vergangenen Jahren die Jugendarbeit vernachlässigt habe, begründet die Versäumnisse mit Platzproblemen. „Wir hatten vorher nur unseren Ascheplatz, damit konnten wir keine Spieler gewinnen. Im letzten Jahr haben wir dann endlich unseren Kunstrasen am Mendeplatz und jetzt auch einen Jugendvorstand gegründet“, sagt Kara.

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Für die kommende Saison plant TSD die Anmeldung zweier E-Jugend, einer D-Jugend sowie einer B- und A-Jugend-Teams. „Wir wollen kurzfristig eine starke A-Jugend aufbauen. Es gibt viele Talente“, sagt Kara. Das Einzugsgebiet von Türkspor Dortmund solle dabei die Dortmunder Nordstadt sein.

Dr. Akin Kara (M.), Vorsitzender von Türkspor Dortmund, hier mit Jorge Machado (l.) und Iago Augsto De Carvalho (r.), will zur kommenden Saison mehrere Jugendmannschaften anmelden.

Dr. Akin Kara (M.), Vorsitzender von Türkspor Dortmund, hier mit Jorge Machado (l.) und Iago Augsto De Carvalho (r.), will zur kommenden Saison mehrere Jugendmannschaften anmelden. © TSD 2000

„Die Nordstadt hat großes Potenzial und von eine sehr starke Jugendlichen-Dichte. Wir müssen nun qualifizierte und erfahrene Trainer finden“, sagt Kara, der – ähnlich wie Dzaferofski – „einen langen und mühsamen Weg“ vor sich sieht.

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Mit den A- sowie B-Junioren wolle Türkspor Dortmund mindestens in der Bezirksliga spielen. Genauso wie Bövinghausen muss TSD zunächst aber in der tiefsten Liga starten. Kara spricht von „mindestens fünf Jahren“, die der Verein dazu benötige.

FC Brünninghausen als Vorbild

Ein Amateurfußballverein aus Dortmund, der den Spagat zwischen guter Senioren- und guter Jugendabteilung geschafft hat, ist der FC Brünninghausen. Die erste Seniorenmannschaft spielt derzeit in der Westfalenliga, die Jugendteams (außer die G-Junioren) kicken alle überkreislich – auch die A-Junioren, die sogar in der Landesliga um Punkte kämpfen. Einer der Architekten des Erfolgs ist Klaus-Dieter Friers, Geschäftsführer Fußball beim FCB.

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2006/07 hatte der FCB noch in der Kreisliga gespielt, in der Zeit von 2016/17 bis 18/19 dann sogar in der Oberliga, ehe das Team im vergangenen Jahr in die Westfalenliga abstieg. Parallel dazu hat der Verein aber darauf geachtet, auch seinen Jugendbereich aufzubauen.

Sponsor unterstützt Jugendabteilung

„Vor fünf oder sechs Jahren haben wir damit angefangen“, sagt Friers. Damals habe der Verein auch mit seinen Sponsoren über die Pläne gesprochen, nicht nur auf die Senioren, sondern auch auf den Jugendbereich zu setzen. Mit der finanziellen Unterstützung der Sponsoren baute sich der FCB nach und nach seinen Jugendbereich auf.

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Seit gut einem Jahr habe der Klub die Jugendarbeit dann noch einmal forciert, will mit seiner A-Jugend mittelfristig in die Westfalenliga aufsteigen. Dass eine gut funktionierende und erfolgreiche Jugendarbeit auch Geld kostet, will Friers gar nicht abstreiten. Die Kosten für Trainer wie Aufwandsentschädigung und Trainerscheine sowie Trainingslager seien nicht gering. Friers: „Mit dem Geld, was wir in die Jugendabteilung investieren, könnten wir uns vier Top-Oberliga-Spieler gönnen“.

Klaus-Dieter Friers ist Geschäftsführer des FC Brünninghausen. Der Verein zeigt, wie erfolgreicher Senioren- und Juniorenfußball miteinander kombinierbar ist.

Klaus-Dieter Friers ist Geschäftsführer des FC Brünninghausen. Der Verein zeigt, wie erfolgreicher Senioren- und Juniorenfußball miteinander kombinierbar ist. © Foltynowicz

Kündigung der 450-Euro-Kräfte

Die Mühen und Anstrengungen könnten sich alsbald schon auf den Seniorenfußball in positiver Form auswirken. Wegen der Corona-Krise musste der FCB kürzlich sechs seiner Spieler als 450-Euro-Kräfte kündigen – um laufende Kosten einzusparen. Für den Fall der Fälle, dass die Saison im Herbst doch noch fortgesetzt werde, wolle der FC Brünninghausen auch auf Spieler seiner Landesliga-A-Jugend setzen. „Die Jugend ist jetzt unser Faustpfand. Auch in der jetzt unerwarteten Krise können wir komplett auf unsere Jungen zurückgreifen“, sagt Friers.

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Türkspor Dortmund und der TuS Bövinghausen sind noch nicht so flexibel. Beiden Klubs steht noch ein langer Weg bevor.

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