Die Eichlinghofer Superhelden ließen die Liga links liegen und verfluchten die Nachspielzeit

dzFußball-Rückblick

Ab der 80. Spielminute begann beim TuS Eichlinghofen in dieser Saison das große Zittern. Doch im Pokal behielten sie dafür die Nerven und schafften den größten Coup der Vereinsgeschichte.

Dortmund

, 08.06.2019 / Lesedauer: 3 min

In unserem Fußball-Rückblick schauen wir eine Woche lang auf alle überkreislich spielenden Teams der abgelaufenen Saison. Teil 16: TuS Eichlinghofen (Bezirksliga, Platz 11, 31 Punkte, 9 Siege, 4 Unentschieden, 15 Niederlagen).

Das Spiel der Saison: Natürlich das Kreispokal-Finale auf eigenem Platz gegen den Westfalenligisten Lüner SV. Nicht nur, weil es das Endspiel war, sondern weil es in einem Spiel eine ganze Saison widerspiegelte. Einer ganz starken ersten Hälfte folgte eine deutlich schwächere zweite, in der trotzdem noch einmal die Klasse des Teams aufblitzte, das aber erneut in der Nachspielzeit noch abgefangen wurde. Das 3:3 nach regulärer Spielzeit war der TuS Eichlinghofen 2018/19 in a nutshell.

Das Highlight der Saison: Natürlich der Sieg im Kreispokal-Finale auf eigenem Platz gegen den Westfalenligisten Lüner SV. Eine wahnsinnige Willensleistung gepaart mit unfassbarer Nervenstärke im anschließenden Elfmeterschießen und mit Alexander Gehle im Tor einer Geschichte, die - sorry an alle anderen Sportarten - einfach nur der Fußball schreibt. Von diesem Fußballfest werden sie in Eichlinghofen noch lange reden.

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Wendepunkt der Saison: Der TuS spielte eine starke Hinrunde, war zeitweise zusammen mit dem TuS Körne Verfolger der beiden Übermannschaften TuS Bövinghausen und FC Nordkirchen. Doch Ende Oktober gab es einen Bruch, der TuS gewann bis Weihnachten - mit Ausnahme des Kreispokal-Duells mit Kirchderne - kein Spiel mehr. Endgültig nach unten zeigte die Kurve dann Mitte März, als das Kreispokal-Highlightspiel gegen den Hombrucher SV anstand. Das gewann Eichlinghofen zwar überraschend deutlich mit 3:0, doch danach gelang der Mannschaft von Marc Risse kein einziger Ligasieg mehr - sondern nur noch der Halbfinal-Pokalerfolg gegen Ay Yildiz.

Kuriosum der Saison: Unfassbare 20 (!) Gegentore kassierten die Eichlinghofer im Laufe dieser Saison in Liga- und Kreispokalspielen nach der 81. Minute. Nicht auszudenken, wo sie hätten landen können, wenn ein Fußballspiel nach 80 Minuten vorbei wäre. Vielleicht wäre das mal einen Antrag beim Verband wert. Für Trainer Marc Risse kann das eigentlich nur bedeuten, die konditionellen Einheiten in der Vorbereitung auf die neue Saison um jeweils zehn Minuten zu verlängern. Oder? „An der Kondition lag es tatsächlich nicht, wir haben eine physisch sehr starke Mannschaft. Aber wir wollten in vielen Spielen den Sieg erzwingen und haben dann das Unentschieden hergeschenkt. Am Ende war es fehlende Cleverness gespickt mit viel Pech“, sagt Risse.

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Das Lowlight der Saison: Dass Union Lüdinghausen nicht zur Creme de la Creme der Bezirksliga 8 gehört, zeigte schon das Hinspiel, das der TuS klar und deutlich mit 9:0 gewann, nur um eine Woche später mit 0:2 in Sölde zu verlieren. „Da hatten wir einen kleinen geistigen Höhenflug“, sagt Risse. Noch schlimmer war nur das Rückspiel Ende März: Eine 1:2-Niederlage und die mit Abstand schlechteste Saisonleistung. „Das Gefälle zeigt das ganze Desaster“, sagt Risse.

Der Spieler der Saison: Mirnas Husic (36) und Andreas Uphues (35) sind zusammen über 70 Jahre alt und waren mit ihrer Erfahrung, ihrem Einsatz und ihrer Ausdauer „ein Vorbild für das komplette Team. Sie sind einfach immer vorne weggegangen und waren unverzichtbar“, sagt Risse. Und weil zwei Spieler nicht „der“ Spieler der Saison können, nennen wir den Eichlinghofer der Saison einfach Mirndreas Uphusic.

Die Maschine der Saison: Hier gibt es keine zwei Meinungen in Eichlinghofen. Die Maschine der Saison ist Alessandro Desiderio. Der flinke Wirbelwind „ist nicht kaputt zu kriegen“, sagt Risse, der es als Trainer ja wissen muss. In Sachen Physis und Ausdauer macht dem auch schon 32-Jährigen keiner was vor: „Er hat nur einen Fettanteil von drei Prozent und das wird eher immer noch weniger“, sagt Risse.

Die Eichlinghofer Superhelden ließen die Liga links liegen und verfluchten die Nachspielzeit

Alessandro Desiderio ist die Maschine der Saison. © Stephan Schuetze

Die Saison als Film oder Serie: Superman! Im richtigen Leben (der Liga) ein absoluter Durchschnitts-Mensch, aber in den entscheidenden Kämpfen (dem Kreispokal) ein unbesiegbarer Superheld.

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