Die Dortmunderin Christina Hammer will sich zur wohl größten Boxerin der Welt aufschwingen

dzDortmunder kämpft um Box-Weltmeisterschaft

Die Dortmunder Boxerin Christina Hammer trifft in der Nacht zu Sonntag auf Claressa Shields. Es ist der wohl größte Kampf, in der Geschichte des Frauenboxens - und ein Kampf Gut gegen Böse.

Dortmund

, 13.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Es ist der lange erwartete Superfight des Profi-Frauenboxens: Die Dortmunderin Christina Hammer tritt gegen US-Doppel-Olympiasiegerin Claressa Shields an. Am Samstagabend in Atlantic City (21 Uhr Ortszeit/3 Uhr MESZ) geht es um alle vier Weltmeistertitel im Mittelgewicht.

Alles ist hergerichtet für ein großes Spektakel in der Klasse bis 72,6 Kilogramm. Vielleicht sogar für das bislang Größte im Profi-Frauenboxen überhaupt. Sagt jedenfalls Stephan Espinoza, Sportchef des US-Pay-TV-Senders Showtime, der Shields‘ Kämpfe exklusiv übertragt.

10.500 Zuschauer passen in die Boardwalk Hall in Atlantic City, diesem Spielerparadies an der Ostküste, das knapp 200 Kilometer von New York City entfernt im Bundesstaat New Jersey liegt und seit den 1920er-Jahren Schauplatz der Wahlen zur „Miss America“ ist.

Zehn Runden über je zwei Minuten

Daran wird Christina Hammer natürlich keine Zehntelsekunde lang denken, wenn um 21 Uhr Ortszeit der Gong zur ersten von zehn Runden über je zwei Minuten ertönt. Was Christina Hammer auszeichnet, ist – neben ihren physischen Qualitäten – dieser unbedingte Optimismus, dieses „von sich selbst überzeugt sein“, dieses Fokussieren auf den Moment.

„Es ist der wichtigste Kampf meiner Karriere, davon habe ich Jahre geträumt. “
Christina Hammer

„Es ist der wichtigste Kampf meiner Karriere, davon habe ich Jahre geträumt. Die USA waren immer mein Ziel, darauf habe ich hingearbeitet“, erklärte die 28-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Es stimme alles, das Gewicht, die Form, die Motivation. Hammer hat ihre kleine Krise aus dem Vorjahr längst überstanden. Ihre Darmentzündung ist verheilt, ihre Ernährung hat sie im Griff, Christina Hammer ist vielleicht sogar stärker als zuvor. Muss sie allerdings auch.

Denn Claressa Shields ist der Superstar des Frauen-Boxens in den USA. Einen ersten Eindruck davon, was sie am Samstagabend erwarten wird, erlebte sie bereits am Mittwoch bei der offiziellen Pressekonferenz. Shields bestätigte alle gängigen Klischees, die sie sich im Lauf der Jahre erarbeitet hat.

Shields gilt als provokant, giftig, aggressiv

Provokant, laut, giftig, aggressiv. Nicht umsonst wird die Olympiasiegerin von London 2012 und Rio de Janeiro 2016 als „T-Rex“ vermarktet. Auf der anderen Seite Christina „Lady Hammer“. Ruhig, eloquent, souverän. Mit einem süffisanten Lächeln konterte sie die Provokationen.

Krasser konnten die Unterschiede zwischen Gut (Hammer) und Böse (Shields) nicht sein. Zumal die erst 24-jährige Shields alle Zutaten dazu liefert. Aufgewachsen in einer zerrissenen Familie, der gewalttätige Vater lernte im Gefängnis das Boxen und brachte es später seiner Tochter bei, die mit zwölf Jahren zum ersten Mal in den Ring kletterte. Und seitdem als große amerikanische Hoffnung im Frauen-Boxen gilt.

„Nichts wird mich stoppen, nichts wird mich davon abhalten, der unbesiegte Champions zu werden.“
Claressa Shields

Vor diesem Kampf wirkt einfach alles eine Spur zu dick aufgetragen. Die verbalen Ausfälle von Shields im Vorfeld, dazu die sozialen Netzwerke, die sich überschlagen in Häme und Spott. Da wirbelt in einem Video schon mal ein Dinosaurier namens „T Rex“ einen kleineren Artgenossen durch die Luft und zerreißt ihn in Stücke. Oder Shields twittert, dass sie ihrer Gegnerin die „lange Nase brechen wird.“

Titelvereinigungskampf wurde bereits mehrfach verschoben

Sie strebe immer nach der größten Herausforderung und setze sich immer die höchsten Ziele, so die junge Frau aus Michigan: „Ich werde bereit sein für diese Aufgabe wie niemals zuvor und werde Hammer besiegen. Nichts wird mich stoppen, nichts wird mich davon abhalten, der unbesiegte Champions zu werden.“

Die Experten sprechen vom Superfight, handelt es sich doch um den lange erwarteten und mehrmals verschobenen Titelvereinigungsfight der vier großen Box-Verbände WBA-, WBC-, WBO und IBF. Mit Prognosen tun sich indes auch die Insider schwer. Erwartet wird ein Kampf auf Augenhöhe. Deutschlands Frauenbox-Idol Christina Halmich sah Shields als 60:40-Favoriten.

Hammer, die 28-jährige Mittelgewichts-Weltmeisterin der WBC und WBO, hat bislang alle ihre 24 Kämpfe gewonnen, davon elf vorzeitig. Die vier Jahre jüngere Amerikanerin ist ebenfalls noch unbesiegt, hat aber erst acht Profi-Kämpfe hinter sich gebracht.

Buchmacher sehen Shields vor Hammer

Auch wenn die Buchmacher Claressa Shields vorne sehen, Christina Hammer hat einige Trümpfe in der Hand, die deutlich für sie sprechen. Ihre Größe von 1,80 Meter, ihre enorme Reichweite, ihre Erfahrung von 168 Runden im Ring, ihre überragende Technik und enorme Beinarbeit.

Shields ist nur 1,73 m groß und hat gerade 61 Runden als Profi-Boxerin absolviert. „Shields geht viel und aggressiv nach vorn, ist dabei aber offen. In der Nahdistanz ist sie richtig gut, aber technisch nicht besonders stark. Ich muss meine Reichweite ausnutzen, denn ich bin größer, stärker und erfahrener“, erklärte Christina Hammer, die keinen großen Nachteil darin sieht, im Heimatland ihrer Gegnerin anzutreten: „Wenn du was zeigst, wenn du Leistung bringst, dann akzeptieren dich die Fans in den USA.“

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