Dank Matchglück und Cleverness: Dortmunds U23 gibt gegen RWO die passende Antwort

dzFussball-Regionalliga

Dortmunds U23 hat in der Regionalliga ein klares Ausrufezeichen gesetzt. Das 2:0 gegen RWO macht Mut für die nahe Zukunft.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 01.10.2019, 16:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ingo Preuß atmete einmal tief durch. „Ein bisschen Glück“, sagte Dortmunds U23-Manager dann, „ein bisschen Glück haben wir schon gehabt.“ Mit 2:0 gewann seine Belegschaft gegen Rot-Weiß Oberhausen – und hatte diesmal mehrfach dieses Quäntchen zur Seite stehen, Torwart Eric Oelschlägel in guter Form oder ein Abwehrbein im Weg, das die wütend attackierenden RWO-Akteure vor dem Einschuss hinderte.

Hart erkämpfter Sieg

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Es war letztlich ein zittriger, hart erkämpfter Sieg. In der Rückschau von Joseph Boyamba, dem 23-jährigen Kapitän, fand deshalb die Vokabel „Matchglück“ einen prominenten Platz. „Das Matchglück“, sagte Boyamba, „hat uns heute geholfen.“

Freilich war dies allerdings nicht der einzige Faktor, der letztlich pro BVB sprach und nach dem enttäuschenden 0:4 gegen den SV Rödinghausen zur passenden Reaktion führte. Während Oberhausens Cheftrainer Mike Terranova in der Pressekonferenz damit haderte, dass sich seine Auserwählten „nicht clever angestellt“ hätten, konnten sich die Dortmunder Verantwortlichen in der Bewertung ihrer Mannschaft sehr wohl darüber freuen.

Überzeugende Leistung

Da war zunächst der Elfmeter, aus dem nach einer halben Stunde Spielzeit das 1:0 entsprang: Magnus Kaastrup, der diesmal anstelle des verletzten Taylan Duman in der Startelf stand und eine ausgesprochen überzeugende Leistung zeigte, provozierte den Pfiff des Schiedsrichters, indem er sich den Ball zunächst an RWO-Abwehrmann Julijan Popovic vorbei legte und letztlich dankend den ballfernen Körperkontakt im Strafraum annahm.

Boyamba traf vom Punkt ebenso präzise wie sicher – und befand später: „Den Kontakt gab es auf jeden Fall, ob Magnus zwingend fallen muss, weiß ich nicht. Er nimmt das an, ist einfach abgezockt.“

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Als „abgezockt“ oder „clever“ darf auch die Entstehung und Vollendung des zweiten BVB-Tores bezeichnet werden, für das erneut das Duo Boyamba-Kaastrup verantwortlich zeichnete. In diesem Fall legte der Außenstürmer auf, technisch fein per Hacke – und Kaastrup verwandelte den Konter. Die offensiven Regungen des Gegners dämpfte der 18 Jahre junge Däne damit gewaltig.

Zum richtigen Zeitpunkt

Dieser Treffer in der 70. Minute, er fiel „genau zum richtigen Zeitpunkt“, wie Preuß anmerkte. Obwohl es ihm sicher auch lieb gewesen wäre, wenn seine U23 früher dafür und somit mehr nervliche Entspannung gesorgt hätte. Denn RWO drückte, drängte, hatte Gelegenheiten, sowohl in der letzen Viertelstunde der ersten Halbzeit – da trafen die Oberhausener dreifach das Aluminium – als auch in der zweiten Hälfte bis zum 2:0-Endstand.

Während der Gast „gut aus der Kabine kam“, wie Innenverteidiger Marco Rente anmerkte, startete die Borussia, so Trainer Mike Tullberg, „blöd aus der Kabine“. Boyamba analysierte: „Wir haben uns einschnüren lassen. In der Druckphase des Gegners haben wir es nicht geschafft, mal zur Ruhe zu kommen, für Entlastung zu sorgen durch längere eigene Ballbesitzphasen.“ Für seinen Geschmack wurde da von ihm und seinen Kollegen „zu viel geflippert“. Künftig müssten sie daran arbeiten, „nicht hektisch zu werden und das Spiel in die gegnerische Hälfte zu verlagern.“

Tullbergs 50-Meter-Sprint

Diese dauerhafte Bedrängnis von der tabellarisch ambitionierten RWO-Vertretung führte nämlich zu reichlich Aufregung. Tullbergs 50-Meter-Sprint hin zu Kaastrup nach dessen Torpremiere für den BVB veranschaulichte die Anspannung, die nicht nur das Stimmungsbild der Spieler prägte.

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Auch in Dortmunds Coaching-Zone hatte es im Cheftrainer und seiner Entourage manchmal nervös gezuckt, schien die Partie doch jederzeit bereit, in die andere Richtung zu kippen – und wurde erst mit der Hereinnahme des erfahrenen Steven Ruprecht und Leonardo Balerdis Positionstausch vom Innenverteidiger zum spielstarken, beruhigend wirkenden Sechser entschleunigt.

Es lief dann alles für die Borussia und sorgte für erleichterte Schulterklopfer im schwarzgelben Lager, dem diesmal auch der Profi-Zugang vom FC Barcelona Mateu Morey angehörte. Er feierte nach langer Verletzungspause ein durchschnittliches, 51 Minuten währendes Debüt, war danach aber „zufrieden, wie es gelaufen ist“. Ebenso wie U23-Defensivmann Rente, der von einer „guten Antwort auf das 0:4 gegen Rödinghausen“ sprach. „Wir haben dagegenhalten, waren körperlich stärker als im Spiel davor.“

Kämpferisches Stilmittel

Sie zeigten damit exakt jenes kämpferische Stilmittel, das gegen Rödinghausen noch vermisst wurde. „Die Niederlage hat auf jeden Fall nachgewirkt“, sagte Boyamba. „Aber der Trainer hat uns vorgelebt, positiv zu bleiben und nicht alles negativ zu sehen.“

Anlass dafür gibt es auch nicht. „In den vergangenen sechs Spielen haben wir einen Punktedurchschnitt von 2,2“, rechnete Tullberg nach dem insgesamt fünften Dortmunder Sieg im neunten Regionalliga-Kräftemessen vor. „Und in drei der vergangenen vier Partien haben wir zu Null gespielt“, also gegentorfrei. Insgesamt, so der Däne, „spielen wir eine tolle Serie bis jetzt.“ Mit Schwankungen zwar und zuweilen unnötigen Punktverlusten, aber die sind eingepreist, da die Dortmunder U23 zwar höchst talentiert ist, aber dann doch auch sehr, sehr jung und unerfahren daherkommt. „Da passiert mal so etwas wie gegen Rödinghausen“, sagte Tullberg.

Zufrieden nach Hause

Der 33-Jährige, zwischen 2009 und 2011 in Diensten von RWO als Stürmer angestellt und danach vier Jahre als Juniorentrainer in der Verantwortung, ging nach dem Wiedersehen mit den alten Kollegen weitgehend zufrieden nach Hause. „Leider ist jetzt wieder Pause“, bemerkte er noch. Am kommenden Wochenende ist der BVB ohne Pflichttermin. Die spielfreie Zeit werden sie in Brackel am Trainingsgelände allerdings zur intensiven Arbeit nutzen, werden versuchen, die schon präsenten Stärken weiter auszubauen und die Mängel zu beseitigen. Dass diese natürlich vorhanden sind, darüber wird das 2:0 gegen RWO nicht hinwegtäuschen.

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