Co-Trainer auf Abwegen: Plötzlich steht Mehmet Aslan beim BSV Schüren im Tor

dzFußball-Westfalenliga

Ausgerechnet im Abstiegskampf gehen dem BSV Schüren die Keeper aus. Gegen Horst-Emscher steht Co-Trainer Mehmet Aslan zwischen den Pfosten – obwohl dieser gar kein gelernter Torwart ist.

Dortmund

, 24.04.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Arthur Matlik gab seinem Torwart noch einen letzten Satz mit auf den Weg. „Bring das Ding nach Hause“, sagte der Trainer des BSV Schüren und meinte Mehmet Aslan. „Ich glaube aber, er hat das schon gar nicht mehr mitbekommen, weil er einfach im Tunnel war.“ Mehmet Aslan, 35 Jahre alt und eigentlich Co-Trainer von Arthur Matlik, befand sich tatsächlich „im Tunnel“, wie er am Dienstag noch einmal bestätigte. An diesem sonderbaren Ort, auf den Fußballer so gerne verweisen, wenn sie in einem Moment höchster Konzentration alles um sich herum ausblenden.

Mehmet Aslan wäre gerne woanders gewesen. Nicht im Tunnel. Und schon gar nicht im Tor des BSV Schüren, wo er sich beim 5:3 (1:1)-Erfolg des Fußball-Westfalenligisten gegen den SV Horst-Emscher am Ostermontag ab der 67. Minute plötzlich wiederfand.

„Es war nicht geplant, dass ich wirklich da rausgehen muss“, sagte der 35-Jährige, der zwar im Training ab und zu zwischen den Pfosten aushilft, aber eigentlich gelernter Sechser ist und seine aktive Karriere längst hinter sich hat. Nun aber musste er da rausgehen. Weil Arthur Matliks Optionen auf der Torwartposition „bei Null“ standen, wie der Trainer erklärte.

Schürens Robin Siebert verletzt sich

Stammkeeper Sascha Samulewicz weilt beruflich im Ausland, Keeper Nummer drei, Christoph Parossa, macht Urlaub. „Und dann verletzt sich Robin. Mir blieb ja gar nichts anderes übrig“, meinte Aslan. Robin heißt mit Nachnamen Siebert und ist eigentlich die Nummer zwei beim abstiegsgefährdeten BSV.

Am Ostermontag stand der 22-Jährige erwartungsgemäß in der Startformation, musste dann aber wegen einer starken Prellung des Steißbeins gut 20 Minuten vor Schluss beim Stand von 3:1 für Schüren verletzungsbedingt raus. „Ich hätte gerne weitergespielt, aber es ging einfach nicht mehr“, sagte Siebert, der seinem Trainer damit neue Sorgenfalten auf die Stirn trieb. „Ich habe nur gedacht: Das kann ja noch ein lustiger Nachmittag werden“, sagte Matlik – und sollte recht behalten.

„Ich habe nur gedacht: Das kann ja noch ein lustiger Nachmittag werden.“
Arthur Matlik

Aslan stand noch nicht einmal eine Minute im Tor, da durfte er den Ball auch schon wieder aus eben jenem holen. Yüksel Terzicik hatte einen Freistoß über die Mauer ins Torwart-Eck gezirkelt und auf 2:3 verkürzt. Für einen gelernten Torhüter wie Sascha Samulewicz oder Robin Siebert sicherlich abwehrbar. „Unhaltbar“, sagte Arthur Matlik, und Aslan erklärte, es sei ein „scheiß Einstand“ gewesen, aber „so einen Freistoß schießt er nie wieder in seinem Leben“.

Aslan beim zweiten Gegentreffer ohne Chance

Wer sich den Treffer im Video anschaut, muss zumindest eingestehen, dass der Ball in die Torwartecke ging. Das zweite Tor, das Aslan schlucken musste, war ein Fernschuss, bei dem der 35-Jährige, so sehr er sich auch reckte, ohne Chance blieb. Ansonsten entschärfte er drei, vier Bälle mit der Routine und Souveränität, die ein 35-Jähriger nunmal so an den Tag legt. Er dirigierte, organisierte, sah die Gelbe Karte und zeigte mit dem Ball am Fuß auch sein fußballerisches Talent.

Video
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„Er hat es insgesamt gut gemacht. Zumindest für einen Feldspieler“, sagte Siebert mit einem Lachen. Aslan zeige das ja auch im Training. „Da hat er es auf kleine Tore bislang überragend gemacht“, so der 22-Jährige. „Nur war das Tor jetzt halt ein bisschen größer.“ 7,32 Meter breit und 2,44 Meter hoch, um genau zu sein. Er habe die Spieler von Horst-Emscher daher auch immer wieder „schießen, schießen“ rufen gehört. „Aber wir haben als Team insgesamt gut verteidigt.“

Auch Matlik blickte mit einem Tag Abstand gut gelaunt auf den Einsatz seines Co-Trainers zurück. „Wäre ich Spieler unserer Mannschaft gewesen, ich hätte mich wohl noch mehr darum bemüht, keinen Ball mehr auf unser Tor zu bekommen“, sagte der 41 Jahre alte Fußballlehrer. Auch wenn er später zugab, dass er „doch froh und erleichtert“ gewesen sei, als das Spiel beim Stand von 5:3 für Schüren endlich vorbei gewesen war („Ein 4:5 oder gar 5:5 hätte ich wohl nicht mehr verkraftet.“).

„Torwart ist noch einmal eine ganz andere Nummer“

Und Aslan? Der gewann noch einmal „neue Eindrücke“ bei einem Fußballspiel. Er habe in seiner Karriere bereits auf jeder Position gespielt. Vom Stürmer bis zum Innenverteidiger, sagte er. Nur Torwart eben nicht. „Daher war das jetzt noch mal das i-Tüpfelchen.“ Und sein Respekt vor Spielern wie Samulewicz, Siebert & Co. ist noch einmal gewachsen. „Torwart ist noch einmal eine ganz andere Nummer“, so Aslan. „Jeder Fehler wird bestraft. Man hat niemanden mehr hinter sich, der ihn vielleicht ausmerzt.“

„Jeder Fehler wird bestraft. Man hat niemanden mehr hinter sich, der ihn vielleicht ausmerzt.“
Mehmet Aslan

Aslan blieb am Ostermontag weitgehend fehlerlos. Und der BSV Schüren sammelte drei wichtige Punkte, auch weil Kevin Franzen (2), Zivko Radojcic, Mohamed El Moudni und Eyüp Cosgun vorne fünf Treffer erzielten.

„Das war ein kleines Ausrufezeichen im Abstiegskampf“, sagte Aslan, der sich am kommenden Sonntag gegen Kirchhörde übrigens wieder aufs Coachen von der Bank aus beschränken will. Denn das, so der 35-Jährige, sei der Platz, wo er hingehöre.

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