Cihan Yilmaz hat Bock auf Bövinghausen: „Mit diesem Kader jagt uns die ganze Landesliga“

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34 Spiele, 15 Tore - Cihan Yilmaz war in der letzten Oberliga-Saison bei Rot-Weiß Ahlen DER Führungsspieler. Dennoch wechselt er zum Landesliga-Aufsteiger TuS Bövinghausen. Warum nur?

Dortmund

, 27.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Cihan Yilmaz kommt gerade aus dem Garten im heimischen Recklinghausen. Er gönnt sich noch ein wenig Entspannung, bevor es am 1. Juli wieder losgeht. Los geht es für den 36-Jährigen aber nicht wie in den vier Jahren zuvor mit dem Trainingsauftakt beim Oberligisten Rot-Weiß Ahlen, sondern zwei Etagen tiefer beim Landesliga-Aufsteiger TuS Bövinghausen.

„Es ist schon richtig, dass Ahlen mich gerne gehalten hätte. Und es gab auch noch andere Angebote aus der Oberliga“, sagt Yilmaz. Aber letzlich entschied er sich für Bövinghausen und auch für etwas mehr Nähe zu seinem Zuhause. „Ahlen hin und zurück, das sind gut 70 Kilometer. Das Ganze viermal die Woche. Zuhause nie vor 22 Uhr. Das wollte ich nicht mehr.“ Und als TuS-Boss Ajan Dzaferoski aus dem gerade mal 15 Kilometer entfernten Bövinghausen auf ihn zukam, war auf einmal auch die Landesliga eine Option.

„Ich spiele nicht um die goldene Ananas“

„Aber mal im Ernst“, sagt Yilmaz. „Ich komme hier nicht hin, um mich auszuruhen oder um um die goldene Ananas zu spielen. Dann könnte ich den Leuten nicht in die Augen schauen. Außerdem passt es nicht zu meiner Position im zentralen offensiven Mittelfeld. Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer was erreichen will.“ Und das wollen sie in Bövinghausen auch. „Ich hab ja schon länger mitbekommen, dass man hier was auf die Beine stellen will. Und die Ambition des Vereins, möglichst schon in der ersten Landesliga-Saison ganz oben mitspielen zu wollen, hat mich überzeugt.“

Und eines sei ihm auch klar: Mit den personellen Ausrufezeichen, angeführt von der Verpflichtung von Thorsten Legat als Trainer, die man in Bövinghausen gesetzt habe, werde diese Truppe in der kommenden Saison sicher keine sein, die allen anderen Klubs egal ist. „Ganz gleich, welches Ziel du ausgibst, Meisterschaft, Top Fünf, ganz egal - mit diesen Transfers wirst du von der ganzen Liga gejagt. Jede Mannschaft wird geil drauf sein, gegen uns zu spielen und zu gewinnen.“

Immer Verantwortung übernommen

Cihan Yilmaz will diese Aufgabe annehmen. „Ich bin auf dem Platz immer einer, der Verantwortung übernimmt. Ich versuche, meine Mitspieler zu pushen, ihnen immer zu helfen, sie mitzureißen. Ich bin laut, das stimmt, aber ich schreie meine Mitspieler mit Liebe an und streichel sie nicht mit Hass, wie andere das tun. Klar ist, dass wenn du ein Spiel gewinnen willst, dann brauchst du Leute, die auch mal voran gehen. Und ich bin bereit, das zu tun.“

Dass Yilmaz auch noch mit 36 fit ist für so eine Herausforderung, verdankt er nicht zuletzt seiner Vergangenheit als Profi in der 1. türkischen Liga. „In dieser Zeit hab ich total gelernt, auf meinen Körper zu achten. Ich hab genau gefiltert, was mir gut tut und was nicht. Hab verstanden, wenn Ruhepausen nötig sind und wann volle Leistung möglich ist. Neben dem Training geh ich heute regelmäßig ins Fitnessstudio, jogge und fahr Fahrrad. Aber so dosiert, dass ich die Fitness mit ins Wochenende nehme. Es nützt ja nichts, wenn ich Freitag noch 15 Kilometer renne und am Sonntag nicht mal einen Pass über zehn Meter kriege.“

Kennenlernen am 1. Juli

Bövinghausens neuen Trainer, Thorsten Legat, wird Yilmaz wie viele andere Mannschaftskollegen auch erst beim ersten Training am 1. Juli kennenlernen. „Ich bin aber optimistisch. Der Trainer war selbst lange Profi, und ich glaube, von ihm können wir noch einiges lernen.“ Wie Legat ist auch Yilmaz kein Anhänger von Samthandschuhen - weder im Training noch auf dem Platz. „Der Respekt muss aber immer dasein. Zwischen allen Beteiligten. Und auf keinen Fall dürfen die erfahrenen die jungen Spieler unterbuttern.“

Respekt ist aus Yilmaz Sicht auch eine tragende Säule, wenn es darum geht, aus alten und neuen Spielern schnell ein Team zu formen. „Den Teamspirit zu schaffen, das sehe ich aus meiner Erfahrung als eine der wichtigsten Aufgaben des Trainers. Und wenn dann alle bereit sind zu lernen, zu opfern und auch mal härter zu trainieren, dann kann nur Erfolg daraus entstehen.“

Cihan Yilmaz hat jedenfalls fest vor, auch von Thorsten Legat zu lernen - für die eigene Trainerlaufbahn. Denn die soll irgendwann folgen. Einen kleinen Vorgeschmack genießt er jetzt schon als Trainer der U12 von Westfalia Herne.

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