Thomas Feldhoff hat bei den U23-Torhütern das Sagen - und hilft sogar Lucien Favre bei der Arbeit

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Seit mittlerweile über 14 Jahren ist Thomas Feldhoff Torwarttrainer bei Borussia Dortmund. Sein aktuelles Projekt: die U23 des BVB. Dort sieht er ein Talent auf einem besonders guten Weg.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 17.02.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Thomas Feldhoff seinerzeit noch selbst aktiv war, da gab er laut eigener Angabe schon den mitspielenden, fußballspezifisch guten Torhüter. „Ich war ein Torwart“, meint der 50-Jährige, „der Fußball spielen konnte.“ Und das offenbar so gut machte, dass er im Seniorenbereich bisweilen noch in Pokalspielen als Feldspieler auf dem Platz stand, fern des Strafraums, seiner eigentlichen sportlichen Heimat.

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Die Rückpassregel, die 1992 in den Regelkatalog aufgenommen wurde, bereitete ihm deshalb keine Kopfzerbrechen. „Kicken konnte ich immer“, sagt Feldhoff. Seit 2006 lehrt er beide elementaren Torwartdisziplinen – einerseits das Bällehalten, andererseits die produktive wie effektive Spieleröffnung – in Diensten von Borussia Dortmund. 2017 wurde er da zum Torwarttrainer der hauseigenen U23-Belegschaft befördert.

Thomas Feldhoff war erst bei der Lufthansa, dann beim BVB

Der Weg, den der gebürtige Bochumer bis dorthin zurückgelegt hat, lässt sich nicht gerade zeichnen. Nach seiner Fußballkarriere, die ihn bis in die erste deutsche Spielklasse führte – unter anderem war Feldhoff bei der SG Wattenscheid, dem VfL Bochum, Remscheid und dem MSV Duisburg angestellt –, zog er mit seiner Ex-Frau und seinen Kindern in die USA, arbeitete dort für die Lufthansa.

Als der ehemalige U18-Nationaltorwart sich einige Jahre später dann von New York nach Düsseldorf versetzen ließ, war er wieder im Blickfeld – und der BVB meldete sein Interesse an. Ob Feldhoff nicht bei der Borussia anfangen wollte? Feldhoff wollte, trainierte fortan im Juniorenbereich und stieg in der vereinsinternen Hierarchie fortwährend auf. Vor zweieinhalb Jahren kam er in der U23 an.

BVB-U23-Torwarttrainer: „Spieleröffnung wird immer wichtiger“

Gerade rechtzeitig, denn kurz vor dieser Versetzung hatte ihm Dortmunds ehemaliger BVB-II-Coach David Wagner angeboten, bei Huddersfield Town als Torwartbeauftragter einzusteigen. Feldhoff blieb und kann auf eine nunmehr knapp 14 Jahre währende Amtszeit bei Borussia Dortmund zurückblicken. Das Anforderungsprofil an dort unter Vertrag stehende Keeper, sagt er, sei inzwischen äußerst komplex.

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„Immer wichtiger wird, dass der Torhüter Fußball spielen kann, mit links wie rechts. Ein Torwart kann sich nicht erlauben, nur einen starken Fuß zu haben und den im Spiel dauerhaft für die Spieleröffnung zu nutzen. Durch Videoanalysen sieht der Gegner das ganz genau.“ Im Vordergrund, das betont Feldhoff aber im folgenden Atemzug, stehe weiterhin „das Bällehalten. Diese Qualität auf der Linie ist für einen Torhüter nach wie vor entscheidend.“

BVB-U23 arbeitet auch bei den Torhütern intensiv mit Videoanalyse

Wie das Feldpersonal der Borussia werden die letzten Männer des BVB per Praxisübungen und Videostudium für höchste Aufgaben ausgebildet. Vor jedem Spiel, egal ob daheim oder auswärts, bringt Feldhoff dafür eine Hintertorkamera an, „bei längeren Auswärtsfahrten schneide ich die Szenen dann schon im Bus nach der Partie, ansonsten am nächsten Tag“, erklärt er. Die Torhüter bekommen das Videomaterial zugeschickt, sollen es zunächst in Eigenleistung analysieren.

Thomas Feldhoff ist seit über 14 Jahren beim BVB als Torwarttrainer tätig.

Thomas Feldhoff ist seit über 14 Jahren beim BVB als Torwarttrainer tätig. © Florian Groeger

Danach folgt ein Gespräch mit Trainer Feldhoff, der neben den Hintertoraufnahmen gleichfalls versucht, Videosequenzen zu bekommen, die den gesamten Platz und das dortige Geschehen zeigen. „Da kann man aufs Stellungsspiel achten und auf die Raumverteidigung“, so Feldhoff. Die Hintertorkamera zeigt meist einzig und allein die Torverteidigung.

Zum gelungen Torwartspiel indes gehört dann doch so viel mehr. Unter anderem das Stellungsspiel, das Timing beim Verlassen des eigenen Herrschaftsgebiets, das Verhalten im unmittelbaren Duell mit dem Angreifer, die Spielbeschleunigung per Pass oder Abwurf. Und, und, und.

Thomas Feldhoff hilft auch mal bei den BVB-Profis aus

Mit Profi-Torwarttrainer Matthias Kleinsteiber, den er selbst ab und an vertritt und der vor ihm zum Trainerteam der Dortmunder Zweitvertretung gehörte, pflegt Feldhoff einen regen, kontinuierlichen Austausch. „Wir sprechen täglich zwei-, drei-, viermal“, sagt der U23-Coach.

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Zuweilen stimmen beide dann den Trainingsplan ab, zuweilen tauschen sie sich über die Leistungen ihrer Keeper aus. Denn vor allem auf der Torwartposition ist die Zusammenarbeit zwischen dem BVB II und Dortmunds Elite-Mannschaft freilich besonders eng. Allein weil die Nummer drei der Bundesliga-Mannschaft für gewöhnlich bei den Profis trainiert – und in der Regionalliga Spielpraxis sammeln soll.

BVB-U23-Torhüter Luca Unbehaun ist „ein cooler Hund“

Bis Ende 2019 war das noch Eric Oelschlägel, nun hat das 18 Jahre junge Toptalent Luca Unbehaun diesen Posten übernommen. „Er ist unsere Nummer drei“, betont Feldhoff, „so wollten wir eigentlich auch in die Saison gehen. Dann hat sich Luca allerdings leider verletzt (Knie-Operation war nötig, Anm. d. Red.) – und wir haben uns gefragt: Was machen wir jetzt?“

Letztlich sprang Oelschlägel, dessen Vertrag ausgelaufen war, nochmal ein, verlängerte bis Sommer 2020. „Dass Luca spielen soll, wenn er fit ist, wusste Eric“, sagt Feldhoff. Wie der sechs Jahre ältere Torwart den Entzug des Stammplatzes um den Jahreswechsel hingenommen habe, nennt er „sehr professionell“.

Luca Unbehaun hütete zuletzt das Tor der U23 von Borussia Dortmund.

Luca Unbehaun hütete zuletzt das Tor der U23 von Borussia Dortmund. © Klaus-Peter Ludewig

Unbehaun, diesen allüberall hochgeschätzten Keeper, lobt Feldhoff wiederum für seine ersten guten Spiele auf Regionalliga-Ebene. „Luca ist ein cooler Hund“, sagt der U23-Coach, „er strahlt viel Ruhe aus“ – und habe „seine Ziele ganz klar vor Augen.“

Feldhoff bremst die Euphorie um BVB-U23-Torhüter Luca Unbehaun ein wenig

Mit von extern geäußerten Einschätzungen, nach denen der junge Torwart mit Sicherheit eine große Zukunft vor sich habe, kann Feldhoff allerdings denkbar wenig anfangen. „Er hat viele gute Grundvoraussetzungen, um ein kompletter Torwart zu werden“, sagt er. „Erst wenn die ersten Profi-Einsätze gemacht sind, sieht man allerdings, wohin die Reise wirklich geht.“ Ob nach ganz oben oder ins Mittelmaß.

Viele Talente, auch aus jüngster BVB-Vergangenheit, konnten sich letztlich nie fürs eigentlich angepeilte obere Leistungslevel qualifizieren. Deshalb sagt Feldhoff: „Luca ist ein guter Torhüter, der aber ganz sicher noch Luft nach oben hat. Daran arbeiten wir – und es macht sehr viel Spaß, weil er unwahrscheinlich ehrgeizig ist.“ Unbehaun wolle jeden Tag dazulernen. Sowohl im torwartspezifischen als auch im spielerischen Bereich.

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