BVB-U23-Stürmer Steffen Tigges: Vom Leistungsträger zum Anführer?

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Das erfolgreiche Angriffstrio gibt es nicht mehr. Joseph Boyamba hat die Dortmunder U23 verlassen, Chris Führich wird wohl folgen. Bleibt noch: Steffen Tigges. Wie geht es mit ihm weiter?

Dortmund

, 05.08.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Steffen Tigges war immer dabei. In jedem der zuletzt absolvierten 25 Regionalliga-Spiele stand der Stürmer auf dem Feld. Er arbeitete für die Mannschaft, lief Verteidiger an und Bälle ab, sammelte zudem neun Tore sowie zehn Assists. Gleich nach seiner Ankunft im vergangenen Sommer avancierte der 22-Jährige zum Fixpunkt und Leistungsträger.

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Gemeinsam mit Joseph Boyamba und Chris Führich bildete Tigges den gut funktionierenden Dreiersturm. Am Toreschießen haperte es selten in dieser arg durchwachsenen Saison. Boyamba, in der vergangenen Runde Kapitän der Dortmunder U23, hat den Verein allerdings verlassen, sein Vertrag lief aus. Und auch Führich wird wohl gehen, hat zuletzt schon nicht mehr auf dem BVB-Gelände in Brackel trainiert. Die Zeichen stehen auf Abschied.

Was mit Tigges passiert? Der wird nicht wechseln, das hatte U23-Manager Ingo Preuß schon vor knapp zwei Wochen in aller Deutlichkeit gesagt. Der Angreifer selbst stellte zuletzt nach dem 5:1-Testspielerfolg gegen Oberligist Meinerzhagen klar: „Ich bleibe hier, das habe ich mit Ingo und Enrico Maaßen (U23-Trainer, d. Red.) besprochen.“ Detaillierter mochte er sich nicht dazu äußern.

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Tigges wollte lieber über Fußball sprechen, über die (bislang) gute Vorbereitung mit der mal wieder großflächig umgebauten Belegschaft – und das zweite gute Testspiel, in dem er zweifach traf, zum 1:0 und 3:1, jeweils mit dem starken linken Fuß, jeweils wohlüberlegt flach ins Eck. „Fürs zweite Testspiel war das richtig gut“, meinte er. „Schon jetzt sieht man einige sehr gute Ansätze.“

Zuvorderst in der ersten Halbzeit wurde da für jeden Zuschauer zum Beispiel offenbar, wie sich die Borussia künftig um Balleroberungen bemühen will. Mit lautem Geschrei wurden da Pressing-Angriffe eingeleitet. Das Rasenpersonal attackierte häufig im Kollektiv, wenn sich der Gegner auf der Außenbahn befand. Und hatte damit einigen Erfolg. Auch dank Tigges, der in vorderster Front gewohnt engagiert zu Werke ging.

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„Wir haben bestimmte Pressingräume, in denen die gegnerischen Spieler gepresst werden sollen“, erklärte der Angreifer. „Wir wollen recht früh pressen. Wir stehen ja relativ hoch, da müssen wir auch früh attackieren.“ Mit zu viel Zeit und zu wenigen Sorgen könnte der Gegner schließlich relativ simpel hinter die Dortmunder Abwehrreihe gelangen.

Die Borussia wolle „aktiv sein, bevor wir passiv werden“, sagte Tigges. Und: „Wir wollen dahin kommen, dass wir es über 90 Minuten durchziehen könnten.“ Gegen Meinerzhagen bei knapp 30 Grad Außentemperatur schwanden irgendwann die Kräfte, der BVB presste nicht mehr exzessiv und drosselte auch in Ballbesitz das Tempo. „Wir haben die Ruhe behalten“, fasste Tigges zufrieden zusammen.

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Nach der eher enttäuschenden Regionalliga-Runde 2019/2020 will er mit dem BVB II wieder höher hinaus. „Wir können viel erreichen, wenn wir als Team zusammenspielen. Die Mannschaft ist richtig gut. Sie hat sich natürlich wieder stark verändert, ich habe aber ein gutes Gefühl“, sagte er. Wohlgemerkt mit Kapitänsbinde am Arm. Nach dem Test gegen Westfalia Herne (1:0) trug Tigges sie zum zweiten Mal.

Ob er sich das recht bedeutende Stück Stoff in der kommenden Regionalliga-Spielzeit dauerhaft überstreifen dürfe nach dem Weggang von Boyamba? „Das entscheidet der Trainer“, betonte Tigges. „Es ist natürlich eine Ehre für mich, die Binde getragen zu haben. Prinzipiell kann man aber auch ohne Binde Verantwortung übernehmen.“ Wie die K-Frage final beantwortet werde, so Tigges, lasse er entspannt auf sich zukommen.

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Sicher scheint zum aktuellen Zeitpunkt immerhin, dass der Mittelstürmer künftig zum erweiterten Kreis der Führungsspieler gehören wird und noch mehr Verantwortung übernehmen soll. Darauf weist auch die Aussage von Coach Maaßen hin: „Steffens Wert sieht man allein daran“, so der 36-Jährige, „dass er jetzt die Kapitänsbinde tragen durfte“. In Marco Hober oder Franz Pfanne hätte es dafür auch andere gut denkbare Kandidaten gegeben. Maaßen entschied sich für Tigges.

Der hat sich sein hohes Standing in der vergangenen Saison hart erarbeitet. Im zweiten und letzten Vertragsjahr unter schwarzgelber Flagge könnte er deshalb einen weiteren Entwicklungsschritt vollziehen: vom Leistungsträger zum Anführer.

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