BVB-U23 nach Last-Minute-Pleite: „Müssen dem Verein jetzt langsam auch mal Ergebnisse liefern“

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Der Aufwärtstrend der U23 von Borussia Dortmund setzte sich auch gegen Rot-Weiss Essen fort. Doch wer seine Chancen nicht nutzt, steht am Ende mal wieder mit leeren Händen da.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 10.12.2019, 13:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Späte Früchte schmecken besonders gut. Und so war der Jubel wieder groß bei Rot-Weiss Essen, dem Tabellendritten, der wie schon im Hinspiel erst kurz vor Schluss den Siegtreffer gegen Dortmunds U23 erzielte.

Wieder Hahn

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Hatte es in der ersten Partie Ende Juli bis zur sechsten Minute der Nachspielzeit gedauert, ehe RWE zum 2:1-Siegtreffer durch Alexander Hahn kam, war es nun die 88. Minute, in der das 1:0 für den Aufstiegsaspiranten fiel. Der Torschütze: erneut Hahn, den Essens Cheftrainer Christian Titz später als „enormen Mentalitätsspieler“ adelte.

BVB-Mittelfeldspieler Taylan Duman war wegen dieses Treffers mächtig genervt, als er eine Dreiviertelstunde nach Spielschluss sein Fazit fällte und von einem „Déjà-vu“ sprach, das er und seine Kollegen erlebt hätten.

Chancen auf einem echten Acker

Denn erneut hatten sie gut mitgehalten und Torchancen kreiert auf einem Fußballplatz, der dieser Bezeichnung eigentlich nicht würdig ist. Eher ist es – wie in jedem Jahr bei dieser Wetterlage – ein Acker, auf dem gespielt werden muss. Ein Umstand, der immer wieder kritisiert wird – und doch immer gleich bleibt.

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Mit dem Rasen ist es da wie mit den Ergebnissen: immer wieder die alte Leier. „Wie viele Punkte wir schon völlig unnötig haben liegen gelassen“, haderte Duman, „ist eigentlich unglaublich.“ Denn es sind ja nicht nur die beiden Vergleiche mit RWE, die diesem Schema entsprechen. Auch gegen den Wuppertaler SV (0:1) oder Aufsteiger Haltern (2:2) hätte der BVB deutlich mehr erzielen können – und würde dann sicher nicht mit 24 Punkten nach 18 Spielen auf dem neunten Tabellenplatz festhängen.

Essen macht das Tor, der BVB nicht

Häufiges Defizit der Borussia ist die mangelhafte Ausbeute vor dem gegnerischen Tor. „Essen macht eben diesen einen Treffer“, sagte Duman. „Den haben wir mehrfach verpasst.“ Er persönlich gleich zweifach in der ersten Halbzeit, als er erst zu hastig abschloss („Da dachte ich, ich würde von hinten attackiert und habe mir vielleicht zu wenig Zeit genommen“) und danach grätschend nach einer Steffen-Tigges-Flanke an Keeper Jakob Golz scheiterte. Duman dazu: „In der zweiten Situation kann ich nicht sehr viel besser machen, der Torwart hält einfach gut.“

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Das setzte sich dann auch in der zweiten Hälfte fort. Erst verstolperte der eigentlich frei und recht unbedrängt vor dem Gehäuse stehende Marco Hober und setzte den Ball dann unter eigens provoziertem Gegnerdruck deutlich über das Ziel. Joseph Boyamba scheiterte aus unmittelbarer Distanz am überragend reagierenden Golz; BVB-Fußballlehrer Mike Tullberg trauerte später dieser „Hundertprozentigen“ hinterher. Und darüber hinaus vergab auch noch Profi Leonardo Balerdi zweifach nach einer Ecke.

Ein tolles Fußballspiel des BVB

„Davon muss einer rein“, stöhnte Duman. Und Tullberg sagte: „Wir können uns nicht erlauben, zwei, drei, vier solcher Dinger nicht reinzumachen. Wenn wir die nicht machen, passiert so etwas am Ende eben.“ Dass der Däne ein „tolles Fußballspiel“ seiner Mannschaft auf dem „sehr schwierig“ zu bespielenden Rasen gesehen hatte, brachte zwar die Gewissheit, nach dem sportlich schlechten September eine „große Steigerung“ geschafft zu haben.

BVB-U23 nach Last-Minute-Pleite: „Müssen dem Verein jetzt langsam auch mal Ergebnisse liefern“

© Bielelfeld

Die Gefühlslage indes, sie bringt keinerlei Punkte. Und so ist die Stimmungslage in Dortmunds Belegschaft zwar keine durch und durch schlechte. Doch sie könnte freilich deutlich besser sein.

Hohe Ambitionen in Gefahr

„Für gute Spiele müssen wir uns belohnen, ansonsten werden wir es nicht schaffen, unsere hohen Ambitionen zu erreichen“, sagte Duman. Und: „Ich kann es langsam nicht mehr hören, dass wir die höhere individuelle Qualität haben, aber letztlich dann doch keine Ergebnisse einfahren. Die müssen wir dem Verein jetzt langsam auch mal liefern.“

So, mit diesem 0:1, sei jedenfalls wieder ein Abend zerstört – und er könne nicht richtig schlafen. Vor Ärger und Missmut.

Erfahrung gegen Jugend

Tullbergs Ausführungen klangen da etwas widerborstiger: „Ich habe genug Niederlagen einstecken müssen, gegen Widerstand kämpfe ich gern. Das wird auch die Mannschaft hinbekommen.“

Gegen RWE habe sich eben mal wieder gezeigt, was passieren kann, „wenn eine Spitzenmannschaft mit Erfahrung auf eine Jugendmannschaft trifft“. Die gewinnbringende Cleverness hat häufiger der Routinier - und darf dann auch mal ganz spät feiern.

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