BVB-Torfrau Woltering: "Das Leben neu ordnen"

Handball: Bundesliga

Mit der Erfahrung von vier Jahren Montenegro und zwei Titeln in der Champions-League ist Clara Woltering nach Deutschland zurückgekehrt. Im Interview mit Gerd Strohmann spricht eine der weltbesten Torhüterinnen, die künftig für Borussia Dortmund aufläuft, über Heimweh, den eigenen Bauernhof, einen neuen Lebensabschnitt und sportliche Ziele.

DORTMUND

, 22.08.2015, 09:43 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Torfrau Woltering: "Das Leben neu ordnen"

Clara Woltering (r.) will dem BVB ein sicherer Rückhalt sein.

Herzlich willkommen in der Heimat ... Danke! Ich weiß, dass ich mein Leben wieder neu ordnen muss. Aber das will ich ja auch. Ich arbeite jetzt wieder auf unserem Bauernhof, er ist 85 Kilometer von Dortmund entfernt. Ich bin voll integriert, morgens um sieben Uhr geht es los, manchmal um fünf. Aber ohne meine Eltern ginge es nicht, und wenn es mal eng wird, dann habe ich ein paar Leute, die mir helfen.

Erwischen wir Sie jetzt gerade im Stall? Nein, ich bin auf dem Weg zur Reha. Aber ich bin nach meinem Muskelfaserriss auf dem aufsteigenden Ast, ich hoffe, bald schon mit dem Fahrradfahren anfangen zu können. Ich liege im Zeitplan, es wäre schön, wenn es bis zum Saisonauftakt am 11. September in Celle klappen würde.

Die harte Arbeit auf dem Bauernhof, Handball in der ersten Bundesliga, natürlich auch Nationalmannschaft, brauchen Sie keine Ruhe? Ach, ich liege nicht gern auf der faulen Haut, ich habe eher Hummeln im Hintern. Es ist mir schon lieber, wenn ich Aktion habe, ein freier Tag reicht mir eigentlich, um meinen Akku aufzuladen.

Haben Sie in Montenegro den Stall vermisst? Ja, manchmal schon. Ich kann herrlich dabei abschalten, wenn ich mich um die Tiere kümmere. Dann kann ich alles andere wegdrücken und vielleicht auch mal meine Wut auslassen. Aber nicht an den Tieren, damit das niemand missversteht.

Dennoch muss man das alles ja unter einen Hut bringen ... Ja, ich bin nicht mehr Vollprofi. Mal sehen, wie ich das alles wegstecke. Da ist sicher eine Menge Flexibilität gefragt. Es wird viel Organisation nötig sein, aber ich liebe Herausforderungen.

Sie haben sich in Montenegro sehr wohl gefühlt. Wie sehr vermissen Sie – jetzt, da Sie zurück in Deutschland sind – Ihre zweite Heimat? Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, dorthin zu gehen. Natürlich werde ich die Champions League vermissen, ich habe Freunde fürs Leben gefunden, ich habe zu vielen noch einen engen Kontakt. Aber nun habe ich eben einen neuen Ordner aufgeschlagen. Dabei bin ich eigentlich gar nicht wechselfreudig, ich habe es schon gern, in meinem gewohnten Umfeld zu sein.

Und warum nun gerade der BVB? Weil die Nähe zum Bauernhof passt oder weil es auch eine Sache des Herzens ist? Jetzt haben Sie die Frage ja schon fast selbst beantwortet. Ich war ja schon 2003/2004 hier, es war ein sehr schönes Jahr. Ich war dem Verein immer sehr verbunden, habe mich sehr wohlgefühlt. Und natürlich spielt auch die Nähe zum Bauernhof eine ganz entscheidende Rolle.

Wie sehen Sie die Situation sportlich? Die Borussia ist sicher nicht der klassische Aufsteiger. Mit Anne Müller, Nadja Nadgornaja und mir, um nur drei Spielerinnen zu nennen, hat man sich schon sehr gezielt verstärkt. Der BVB gehört in die erste Liga, aber lassen Sie uns bitte erst mal die Klasse halten. Und dann können wir immer noch sehen, was man machen kann. Wir haben schon einen guten Kader, aber zunächst einmal müssen die Rädchen ineinander passen.

Und Ihre Rolle als beste Torhüterin Deutschlands? Lassen Sie uns das nicht zu hoch hängen. Ich hoffe, dass wir Drei im Tor der Mannschaft ein sicherer Rückhalt sein werden. Und es wäre schön, wenn ich mit meiner Erfahrung helfen kann.

Wie geht die internationale Karriere weiter? Dank einer Wildcard sind wir bei der WM im Dezember in Dänemark dabei, da geht es darum, den deutschen Frauen-Handball nach vorn zu bringen. Aber dazu müssen wir auch unsere Qualität auf die Platte bringen. Ich stelle mich dem gern.

Und haben dabei Olympia 2016 in Rio im Visier? Es wäre sensationell, wenn wir uns für Rio qualifizieren könnten. Das wollen wir unbedingt versuchen. Die Spiele 2008 in Peking werde ich niemals vergessen. Es wäre vielleicht der krönende Abschluss meiner Karriere, aber bis dahin ist es noch ein steiniger Weg.

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