Für BVB-Talent soll schwere Verletzung nur Zwischenstopp auf dem Weg zum Profi und zum DFB sein

dzJuniorenfußball

Ein halbes Jahr lang war Luca Unbehaun zum Zuschauen verdammt. Jetzt ist er zurück, und zeigt, warum der BVB den Keeper zum Profi gemacht hat. Auch beim DFB beobachtet man seine Entwicklung.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 08.11.2019, 18:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der 86. Minute ist es Luca Unbehauns linker Fuß, der einen Schuss abfälscht und um den linken Pfosten lenkt. Kurz vor Abpfiff in der 93. Minute bekommt der Torhüter wiederum seine rechte Hand an den Ball, lenkt ihn diesmal rechts vorbei.

Zwei Leistungsnachweise, die Borussia Dortmunds U19 kürzlich in der Youth-League das 2:1 gegen Inter Mailand sicherten. Beim Heimspiel in Brackel bestritt Unbehaun sein viertes Pflichtspiel nach langer Verletzungspause. Der 18-Jährige ist auf dem Weg zurück zu alter Klasse.

Noch nicht bei 100 Prozent

„Ich denke, dass ich mit dem Inter-Spiel wieder einen kleinen Sprung gemacht habe“, sagt das Talent höchstselbst im Gespräch mit dieser Redaktion. Allerdings sei er „noch nicht komplett bei 100 Prozent“ seiner (großen) Leistungsfähigkeit, sondern eher bei „90, 95“. Es gehe einerseits darum, bemerkt Unbehaun, „sich wieder richtig wohlzufühlen auf dem Platz und Spielsituationen vernünftig einschätzen zu können.“

Und andererseits müsse er das Vertrauen in seinen Körper erst in Gänze zurückgewinnen. In gewissen Situationen sei er nach seiner Knie-Operation „noch ein wenig misstrauisch“, zum Beispiel dann, wenn „es zum Kontakt mit dem Gegner kommt. Oder wenn das Knie auf den Boden aufsetzt“, sagt Unbehaun. Das aber gehe schnell wieder weg. Irgendwann, so glaubt er, mache es „Klick im Kopf“ – und die Selbstsicherheit sei vollends da.

Comeback beim 1:4 gegen Inter Mailand

Ehe Unbehaun am 23. Oktober im Hinspiel bei Inter Mailand (1:4) sein Comeback gab, hatte er am 13. April dieses Jahres letztmals in einer Pflichtpartie mitwirken können. Mit 1:0 wurde da die A-Jugend von Borussia Mönchengladbach geschlagen. Anschließend gewann Dortmunds U19-Belegschaft die Deutsche Meisterschaft, ihr Stammtorhüter allerdings sah nur noch zu. Die nötige Operation am Knorpel wollte er nicht aufschieben, ordnete deshalb den sofortigen klinischen Eingriff an.

Die fünf Wochen danach konnte sich Unbehaun nur mit Krücken fortbewegen, begann anschließend mit dem Reha-Programm. Fortwährend wurde die Belastung gesteigert, bis er Ende September wieder ins Mannschaftstraining einsteigen durfte. Wohlgemerkt bei den Profis. Dort ist Unbehaun kontinuierlich stationiert, soll in der Zusammenarbeit mit Torwartspezialist Matthias Kleinsteiber und Dortmunds Elite-Keepern seine nächsten Entwicklungsschritte gehen.

Unbehaun lernt von Hitz und Bürki

„Ich versuche, mir die Bewegungsabläufe von Roman Bürki abzuschauen“, erklärt der Lehrling und erzählt von dessen „explosivem“ Torwartspiel. Bei Marwin Hitz hingegen sei es die Ruhe, von der er lernen könne. Zwei Fähigkeiten, die Unbehaun zumindest im Juniorenbereich schon ausgiebigst präsentiert hat. Nicht grundlos wurde er von Nachwuchskoordinator Lars Ricken in die Phalanx der „größten deutschen Torwarttalente“ erhoben.

Jetzt lesen

Bei der Borussia ist Unbehaun insgesamt äußerst hoch angesehen – und gilt als Versprechen für die Zukunft. Eigentlich, so der Plan von Dortmunds Machern, sollte dieser Hochbefähigte seit dieser Saison in der hauseigenen U23 Spielpraxis sammeln, die circa sechsmonatige Verletzungspause verhinderte dieses Vorhaben allerdings. Unbehaun, seit 2016 beim BVB und dort mit einem Profivertrag bis 2022 ausgestattet, wird vorerst in der U19 bei Michael Skibbe zum Arbeitseinsatz kommen.

Vier Einsätze stehen da bislang in seiner Bilanz, zwei in der A-Junioren-Bundesliga, zwei in der Youth-League. Die Anmerkungen im Bewertungsbogen fallen dabei fast durchweg positiv aus. Unbehaun, ein offensiver Tormann, hält sich häufig vor dem Strafraum auf, läuft oder grätscht dann schon wieder mutigst Steckpässe ab; er beteiligt sich fußballspielend am Aufbau, behände mit links wie rechts – und überzeugt auch im torwarttechnischen Kerngebiet, auf der Linie oder im unmittelbaren Duell mit dem herannahenden Angreifer. Zuweilen nur sind leichte Unsauberkeiten zu erkennen.

Wann erfolgt die Beförderung in den Herrenfußball?

Warum Unbehaun vor seiner Dienstunfähigkeit in den Seniorenbereich hochgezogen werden sollte, ist längst wieder offenbar. Unklar bleibt einzig, wann die Beförderung in den Herrenfußball nach seiner halbjährigen Pause denn nun ansteht. Noch in dieser Spielzeit?

Niemand kann beziehungsweise will das derzeit beantworten. Fakt ist, dass Eric Oelschlägel seinen Vertrag im Sommer nach Unbehauns Verletzung um ein Jahr verlängert hat und seinen Job als dritter Profi- und erster U23-Torwart solide bis gut erledigt.

DFB beobachtet Entwicklung von Unbehaun

Unbehaun wird also abwarten müssen, daran arbeiten, sich weiter zu stabilisieren – und nebenbei womöglich alsbald sein Debüt für die U19-Nationalmannschaft geben dürfen. Dass er von Coach Guido Streichsbier so zügig nach der Verletzungspause für das kommende Woche stattfindende Vier-Nationen-Turnier in Nordirland berufen wurde, habe ihn „sehr gefreut“ und etwas überrascht. Wenngleich beide – Trainer und Spieler – in den vergangenen Monaten kontinuierlich den Kontakt pflegten.

Die Fortentwicklung von Unbehaun verfolgen sie freilich auch beim DFB genaustens, zeichneten ihn 2018 mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze aus. Der Vielgelobte selbst lässt sich von all den intern wie extern geäußerten Hymnen nicht beeindrucken. „Mich freut natürlich, wenn über mich gut geredet wird“, sagt er. „Ich selber lese aber nicht viel. Das wird dann eher an mich herangetragen.“ Von Freunden und Bekannten. Sie haben einiges zu schleppen.

Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Hallenfußball-Stadtmeisterschaft

Friers, Hassani, Risse, Faust, Thormann: Die Stimmen zur Auslosung der Stadtmeisterschaft