BVB II ist RW Essen auf den Fersen - Profi Tobias Raschl feiert Gala

Borussia Dortmund II

Borussia Dortmunds U23 siegt furios - und sitzt Rot-Weiss Essen dicht im Nacken. Trainer Enrico Maaßen lobt seine Mannschaft. Profi Tobias Raschl äußerst sich zu seiner Situation.

Dortmund

, 29.01.2021, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVBII-Coach Enrico Maaßen gibt die Marschrichtung vor.

BVBII-Coach Enrico Maaßen gibt die Marschrichtung vor. © Bielefeld

Alles musste raus in dieser 77. Minute. Gerade hatte Ansgar Knauff zur 2:1-Führung getroffen, das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach II war innerhalb von nur 120 Sekunden gedreht, da rannte Enrico Maaßen los wie ein Irrwisch, rauf auf den Platz, er sprang und schrie und schmiss seine Arme durch die Luft. In diesem Moment zeigte der 36 Jahre junge BVB-II-Fußballlehrer fast kindliche Freude.

Logisch, schließlich „war der Bann gebrochen“, sagte er später. Nachdem seine Belegschaft einem 0:1-Rückstand über eine Stunde hinterhergelaufen war, ging es plötzlich ganz fix. Innerhalb von 14 Minuten traf die schwarzgelbe Borussia fünffach, siegte im Nachholspiel furios mit 5:1 (0:1) – und ist nur noch einen Zähler hinter Spitzenreiter Rot-Weiss Essen platziert.

BVB-U23 landet „Bigpoint“

Die Bilanz in 2021 bleibt makellos, drei Siege hat der BVB bisher eingefahren, sammelt nach und nach mehr Sicherheit und Zutrauen. Für Maaßen war dieser Sieg ein „Bigpoint“. Warum? Zum einen merkte seine Mannschaft zum wiederholten Mal, dass sie Zwischenstände umkehren kann als wäre nichts gewesen. Gegen die Fohlen gelang dies mit Auszeichnung.

Zum anderen war die Konkurrenz aus Gladbach beileibe keine Laufkundschaft, sie agierte defensiv konzentriert, mutig, aggressiv, doch wurde in der Schlussphase gebrochen. Weil die Borussia noch mehr Qualität besaß, dem Spiel noch mehr Intensität beimischen konnte – und selbst die eher wenig berücksichtigten Kadermitglieder ihren Teil zum Gelingen beisteuerten.

BVB-U23 bleibt eine Gemeinschaft

Ein „großes Kompliment an die Einwechselspieler“ wollte denn auch Abwehrmann Niklas Dams aussprechen, denn: „Sie haben das Spiel noch mehr auf unsere Seite gezogen. Alle merken, dass wir in diesem Jahr etwas schaffen können. Wir gehen in jedes Spiel mit dem Gefühl, nachher als Sieger vom Platz zu gehen. Dem ordnet sich jeder unter.“

Maaßen fordert das ein, erwartet diese Selbstlosigkeit. Dass seine Spieler allerdings so verlässlich liefern und anscheinend niemand ausschert, ist trotzdem einen Hinweis wert. „Jeder muss wissen“, so formulierte es Dams, „dass es Spiele gibt, in denen die Jungs auf der Bank gefordert sind. Sind sie nur lustlos dabei und zeigen das auf dem Platz, gewinnen wir solche Spiele nicht“.

BVB-U23-Spieler Taylan Duman muss verletzt runter

Wohl dem also, der solch lustvolle Ersatzkräfte besitzt. Als Taylan Duman verletzt vom Platz musste (Maaßen: „Er hat einen Tritt gegen das Schienbein bekommen, es gab eine Einblutung am Muskel, er hatte große Schmerzen beim Auftreten. Ich hoffe, dass es nicht schlimm ist“), kam Dominik Wanner, später brachte der Trainer Florian Krebs, Alaa Bakir und Moritz Broschinski.

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Sie alle halfen kräftig dabei mit, den bereits 16. Sieg zu erringen und zu erspielen. Krebs fügte dem Zentrum mehr Dynamik bei; Bakir wuselte wie eh und je und erzielte das 4:1; Broschinski zeigte sich nach dem Tausch für Neu-Profi Steffen Tigges dynamischer und resistenter als zuletzt; und Wanner erzielte den eminent wichtigen und schönen Ausgleichstreffer, zudem legte er Bakirs Tor auf.

BVB-Talente Ansgar Knauff und Tobias Raschl überzeugen

Dass Kapitän Tigges, zum zweiten Mal nach seiner Beförderung zu Dortmunds Elite-Mannschaft beim BVB II, nach 61 Minuten den Rasen verließ, war derweil einer vereinsinternen Absprache geschuldet - er habe nur eine Stunde spielen sollen, erklärte Maaßen nachher. Und es war natürlich nur eine Mini-Notiz in diesem Spiel, das andere Akteure dominierten.

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Einerseits die Joker, andererseits Knauff und Tobias Raschl. Die beiden Offensivkräfte – der eine auf der Außenbahn, der andere im offensiven Zentrum – stellten den Gegner zuvorderst in der Schlussphase vor unlösbare Probleme. Knauff traf zum 2:1, assistierte darüber hinaus unmittelbar beim 5:1 und lieferte den vorletzten Pass vor dem 1:1. Raschl war gar an vier Jubelszenen direkt beteiligt.

BVB-Talent Tobias Raschl fühlt sich „sehr wohl“

Beim 1:1, 2:1 und 3:1 brachte er den Torservice, den Schlusspunkt besorgte er höchstselbst – und sprach nach Abpfiff davon, schlicht „Bock aufs Kicken“ gehabt zu haben. Auf seinem Posten im Zehnerraum, den er von Maaßen seit längerem erhält, fühle er sich „sehr wohl. Die Aufgabe macht Spaß“, meinte der Profi, der bei der U23 hinter der Doppelspitze spielt.

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„Der Trainer will, dass ich die Bälle in die offenen Räume zwischen die Linien spiele und Druck auf die letzte Linie mache, ich soll mehr Torbeteiligungen kriegen, in gefährliche Räume kommen – wie heute“, sagte Raschl zu dieser Redaktion. Dass er zurzeit dauerhaft bei der U23 sei, also nicht bei der Bundesliga-Mannschaft der Borussia wirken dürfe, kommentierte er abgeklärt.

BVB-Talent Tobias Raschl erhält Lob von Trainer Enrico Maaßen

„Ich nehme die Situation an, versuche, das Beste daraus zu machen.“ Für ihn sei es „kein Problem. Ich weiß, dass ich meine Leistung zeige. Alles kommt zu seiner Zeit“, gab der 20-jährige Techniker zu Protokoll - und verschwand dann flugs in der Kabine. Bis Sommer 2022 ist Raschl noch an den BVB gebunden, ein kurzfristiger Abschied scheint trotz der miesen Profi-Perspektive unwahrscheinlich.

So wird der feinnervige Mittelfeldspieler wohl weiterhin für die U23-Mannschaft der Borussia auflaufen und der Maaßen-Elf im Aufstiegsrennen mithelfen können. Der Trainer erfreut sich aktuell an der Entwicklung Raschls. „Er geht eine ganz andere Intensität als zu Beginn, fühlt sich auf der Position Acht oder Zehn sehr wohl und hat gezeigt, wie wertvoll er sein kann.“

BVB-U23 ist auf einem guten Weg

Das Talent, so Maaßen, sei auf einem „sehr guten Weg“. Dieser Befund ist dem BVB II derzeit in Gänze auszustellen.

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