Brünninghausen-Spieler freut sich auf die USA, England und einen Ex-BVB-Spieler

dzFußball-Westfalenliga

Es ist eine ewige Verletzungsgeschichte, die Sahin Kösecik erlebt hat. Jetzt lässt der Mittelfeldmann des FC Brünninghausen den Ball ruhen - und freut sich auf ein Wiedersehen in England.

Dortmund

, 09.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer mit Sahin Kösecik spricht, hat nicht den Eindruck, mit einem frustrierten Menschen zu reden. Dabei hätte der 22-Jährige durchaus Grund, geknickt zu sein. Denn er hat mit nicht weniger klarzukommen als der Erkenntnis, dass sein Körper mit nur 22 es ihm nicht mehr erlaubt, ambitioniert Fußball zu spielen.

Jetzt lesen

Der Westfalenligist FC Brünninghausen war nur die letzte Station auf dieser schmerzhaften Reise, die das ehemalige Jugendtalent in Reihen von Borussia Dortmund im zurückliegenden Jahrzehnt erlebt hat.

Kösecik berichtet davon, wie jemand, der mittlerweile Abstand gewonnen hat zu dieser langen Zeit zwischen größten Hoffnungen mit Deutscher B-Jugendmeisterschaft und Berufung in die Nationalmannschaft, größten Mühen und größten Rückschlägen.

Sahin Kösecik spielte in der Jugend für den BVB

Und es klingt jetzt wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit, wenn er erzählt: „Mit 13 kam ich 2012 aus Brambauer zum BVB. Doch schon in der U14 hab ich mir meine erste große Verletzung eingefangen. In der U15 zum ersten Mal operiert. Die Verletzung war kompliziert, der Ursprung nicht klar. Kein Bänderriss oder sowas, wo du die klare Perspektive hast, in ein zwei Monaten wieder fit zu sein. Schließlich habe ich neun Monate pausiert - mit 16. Dann kam die U19, in der ich im zweiten Jahr als Altjahrgang kein einziges Pflichtspiel wegen der Verletzung machen konnte.“

Jetzt lesen

Es folgten die Vereinslosigkeit und eine Odyssee von Arzt zu Arzt: „Mein Kniespezialist war in der Schweiz, mein Muskelspezialist in Nürnberg. Ich hab alles versucht, was ich versuchen kann.“ Aber das Ergebnis war am Ende doch: Nie wieder Hochleistungssport wie in der Vergangenheit. Der letzte Versuch war der FC Brünninghausen, damals noch in der Oberliga. „Weil ich einfach nur noch Fußball spielen wollte. Das hab ich geschafft. Und das war mir wichtig. Aber am Ende kehrten die Schmerzen im Knie schon nach etwas intensiveren Trainingseinheiten zurück. Da war mir klar, dass es das war.“

Aber endlich ist auch der Platz für etwas Neues da. Denn Sahin Kösecik ist angehender Lehrer für Englisch, Philosophie und - wie sollte es anders sein - Sport. Noch ist der Studienort Dortmund, doch ab August sollen es für ein Semester die USA sein, die Northern Arizona University in Flagstaff genauer gesagt - eigentlich. Denn so sicher ist es angesichts der Corona-Krise nicht mehr, dass der Austausch überhaupt zustande kommen wird.

Aber Kösecik bleibt optimistisch: „Und wenn nicht Arizona in diesem Jahr, dann eben im nächsten. Das wäre schon toll für alle Beteiligten. Weil der Bewerbungsmarathon für das Stipendium war wirklich nicht ohne.“

Kösecik hat einen guten Draht zu Ex-BVB-Spieler Christian Pulisic

Einen Trumpf hat er aber ohnehin noch in der Hinterhand: Denn ab Januar beginnt das zweite Austauschsemester - und zwar in Leeds in England. „Das sollte doch wohl klappen“, ist er sich sicher. Und Leeds, auch wenn es beim ersten Eindruck nicht so cool klingt wie Arizona, hat für Kösecik doch einen besondere Anziehungskraft. Denn 300 Kilometer weiter südlich verdient gerade ein alter Bekannter aus BVB-Tagen aktuell beim FC Chelsea seine Brötchen: Christian Pulisic, 98er-Jahrgang so wie Kösecik. „Wir haben nach wie vor nen guten Draht. Schreiben uns regelmäßig. Da ist der ein oder andere Besuch drin.“

Jetzt lesen

Leeds ist aber auch noch aus einem rein sportlichem Grund mindestens so attraktiv wie die USA. „Der Plan ist schon, im nächsten Frühjahr bei Leeds United zu hospitieren. Die Priorität ist gar nicht, dass ich als Trainer unbedingt was erreichen will. Aber ich hab einfach dieses große Bedürfnis, Fußball zu studieren. Weil wenn du dich mit Fußball beschäftigst, dann gibt es kein Ende. Als Philosophiestudent würde ich sagen: Ich weiß, dass ich nicht weiß. Du kannst ewig über die verschiedensten Pressing-Arten arbeiten oder dich wissenschaftlich mit der Kunst der Passens befassen. Dazu hab ich grad Lust. Ich will den Fußball in meinem Leben haben, aber ohne die Angst, dass jetzt gleich wieder der Muskel oder die Patellasehne reißt.“

Lesen Sie jetzt