Bövinghausen-Aufstieg am Grünen Tisch: Für Dimitrios Kalpakidis nichts Neues

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Der TuS Bövinghausen feierte nach der FLVW-Entscheidung überraschend am Grünen Tisch den Aufstieg in die Westfalenliga. Für TuS-Trainer Dimitrios Kalpakidis war das kein unbekanntes Gefühl.

Dortmund

, 12.06.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

TuS, der Grüne Tisch und die Null am Ende der Jahreszahl! Jubiläen sind wunderbare Anlässe, sich an außergewöhnliche Ereignisse zu erinnern – und in die Zukunft zu blicken. Oder der Jubilar heißt Dimitrios Kalpakidis. Der setzt lieber noch einen drauf und feiert den neuen Moment.

2010 stieg er als Spielertrainer mit dem TuS Eving-Lindenhorst nachträglich am Grünen Tisch auf. Zehn Jahre später, 2020, ist er Trainer – wieder eines TuS. Und wieder geht es am Grünen Tisch in die Westfalenliga. Seit dem 9.Juni steht fest: Der TuS Bövinghausen folgt als Landesliga-Zweiter dem Meister Wacker Obercastrop.

„Wenn jemand am Grünen Tisch hoch will, muss er mich holen“, witzelt Kalpakidis. Um die Lücke zwischen den zehn Jahren zu füllen, benötigen wir wieder die Farbe Grün. Nicht am Grünen Tisch, aber mit grünen Trikots stieg der prominente Dortmunder Amateurfußballer als Spielertrainer des BSV Schüren 2014 in die Landesliga und 2018 in die Westfalenliga auf.

Dimitrios Kalpakidis: „Das Auf und Ab erinnert mich an damals“

Doch diese Geschichte dreht sich um das kuriose Jubiläum. Mittlerweile ist Kalpakidis 41 Jahre alt. Dass er jetzt nicht mehr aktiv am Ball ist, kam für viele genauso überraschend wie der Wechsel zum TuS Bövinghausen Ende des vergangenen Jahres. Nun entwickelt der langjährige „Zehner“ im Alter keine Rot-Grün-Schwäche, sondern eine Rot-Grün-Stärke. Denn die Bövinghauser tragen rote Trikots, die Ausweichkluft ist übrigens - oder besser natürlich - grün.

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Kalpakidis kam wie vor zehn Jahren während der Woche ans Ziel. Warteten er und seine Evinger Kumpel damals in Giovanni Schiattarellas (ASC 09, heute Trainer beim SV Brackel 06) Bistro auf die erlösende Nachricht vom Verband, nahmen die Bövinghauser jetzt die frohe Kunde coronabedingt getrennt auf. Einiges sei ähnlich, erzählt der Protagonist: „Das Auf und Ab, ob es am Ende klappt, mit den Gefühlen des Hoffens oder Bangens, erinnert mich an damals.“ Aber die Vorzeichen waren andere: „In Eving waren wir zum Teil dicke Freunde, allerdings auch ganz verschiedene Leute. Aber sehr viele echte Typen. Daniel Rios, Francis Bugri, Sascha Rammel, Philipp Kasperidus, Dirk Jankowski, Eyüp Cosgun, Karim Bouzerda und weitere, jeder war auf seine Art speziell.“

Dimitrios Kalpakidis feierte damals mit dem TuS Eving-Lindenhorst den Aufstieg.

Dimitrios Kalpakidis feierte damals mit dem TuS Eving-Lindenhorst den Aufstieg. © Nähle

Kalpakidis, der heute mit Frau und Kind ein Haus bewohnt, lebte damals mit einem Teil seiner Kumpel in einer Innenstadt-WG. Hier ging Dortmunds Amateurfußball-Elite ein und aus. Die Couch im Wohnzimmer avancierte zum Startpunkt von legendären Partynächten und vom Plan, ein Erfolgsteam zu gründen. „Wir spielten dann zusammen für den TuS Eving, an dem ich schon länger gehangen hatte. Die anderen Jungs unterstützten uns in der neuen Mannschaft, wir unterstützten die anderen Jungs. So funktionierte das sehr gut.“

TuS Eving-Lindenhorst feierte nach dem Aufstieg „bis in die Puppen“

Am Ende der Saison stand nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aber der Rivale Westfalia Wickede vorne. Gerade diese Teams lieferten sich auch so manchen verbalen Schlagabtausch. Wenn dann aber ein Dortmunder Team in der Relegation spielte, hielt Fußball-Dortmund geschlossen zusammen. Was in der Halle beispielhaft funktionierte, klappte auch im Freien. Der Hombrucher SV genoss 2009 dieses Gefühl, als sich Dortmunder vieler Klubs zum Spiel gegen den SV Mesum in Münster versammelten. Die Evinger durften während der Relegation ein Jahr später zunächst in Avenwedde und dann im entscheidenden Spiel in Herbern auf die Unterstützung der Dortmunder Fußballfamilie zählen.

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In einer denkwürdigen Partie stieg am Ende aber der 1. FC Gievenbeck zunächst sportlich auf. Aus einem 0:2 machten die Münsteraner ein 3:2. „Ich weiß noch, wie ich bitter geweint habe. Ich war zerstört, nur noch leer“, erinnert sich der Mann, der sich den Aufstieg so gewünscht hatte, an einen der traurigsten Momente seiner Karriere. Viele Dortmunder trauerten mit dem Mann, an dem sie sich zum Teil vorher oft auch mal gerieben hatten.

Die Aufstiegs-Mannschaft des TuS Eving-Lindenhorst von 2010.

Die Aufstiegs-Mannschaft des TuS Eving-Lindenhorst von 2010. © Nähle

Aber wer Kalpakidis kennt, weiß, dass fast alles, was er anpackt, irgendwann zu Gold wird. Lag er in Herbern seinem damaligen Vorsitzenden Thorsten Dreier bitterlich und laut heulend in den Armen, kullerten Tage später Freudentränen. Als es in Schiattarellas Pasta-Restaurant die frohe Kunde gab, taten die Evinger das, was sie fast noch besser konnten als kicken: Sie feierten bis in die Puppen. Abends gab es übrigens Pizza. Die Erklärung für den Coup damals: Der eigentlich abgestiegene VfB Hüls durfte wegen des Rückzugs zweier anderer Teams in der Regionalliga bleiben und machte somit wieder einen Platz in der Westfalenliga frei. Den nahmen die Evinger dankend an. „Ich finde auch, dass wir es schon verdient hatten. Während der Saison lagen wir lange vorne, und auch im Spiel gegen Gievenbeck.“

Bövinghausen feierte nach dem Aufstieg spontan eine Abstandsparty

Wir sind zurück in der Gegenwart. Kalpakidis ist bestens gelaunt im Auto unterwegs. Er schaltet nicht nur im Wagen, sondern auch gedanklich um: „Eine wahnsinnige Zeit damals, aber jetzt geben wir auch Gas.“ Wer Kalpakidis kennt, weiß noch mehr: dass er schnell organisieren kann. So trommelte er seine Bövinghauser Mannschaft zusammen und feierte streng nach Corona-Vorschriften eine Abstandsparty. Mittlerweile ist er selbst Gastronom. Perpendikel heißt der Laden, die „Couch“ der heutigen Fußballer-Generation.

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So schnell wie er die Spontanfeier hinbekam, so zügig schwor er den Klub, zu dem er erst während dieser Saison wechselte, auf das große Ziel ein. Gab es in Eving einen Plan, musste er jetzt auf die Schnelle eine Aufstiegseinheit formen und einen anderen Plan fortsetzen und neubeleben. „Als Trainer ist das natürlich anders als in Eving. Ich wirke nur noch von außen auf die Mannschaft ein. Schon vor der Winterpause, dem Spiel gegen Frohlinde, habe ich ihr gesagt, wie wichtig es ist, als Zweiter ins neue Jahr zu gehen.“

Kalpakidis profitiert erneut vom Rückzug anderer Teams

Und Bövinghausen ließ mit Kalpakidis als Erbe von Thorsten Legat auf das 3:1 gegen den FC eine Siegesserie folgen, die das Team von der Provinzialstraße bis zur Pandemie-Pause auf dem zweiten Rang hielt. „Das war so gut und letztlich ausschlaggebend.“ Wieder profitierte der Coach vom Rückzug zweier Teams. SV Spexard und SC Roland Beckum machen Platz für die Bövinghauser in den Westfalenligen. „Im Vergleich zu Eving, als wir es aus eigener Kraft nicht geschafft hatten, boten sich uns jetzt sogar noch sportlich Chancen. Wir waren auf einem guten Weg, hatten ein Spiel weniger bei sieben Punkten Rückstand auf Obercastrop. Wer weiß?“

Der TuS feiert: Zum ganz großen Jubel reichte es für die Evinger 2010 aber erst nach Ablauf der Saison.

Der TuS feiert: Zum ganz großen Jubel reichte es für die Evinger 2010 aber erst nach Ablauf der Saison. © Nähle

Also: Ende gut, „Dimi“ gut! Der Coach dankte allen, seinem Vorgänger, seiner „Top-Mannschaft“ und seinem Chef Ajan Dzaferoski: „Er will den Erfolg und bietet uns so viel.“ Kalpakidis schwärmt von den starken Fußballern, von den Kabinen, vom Frühstück in Dzaferoskis Hotel, dem Konferenzraum, den das Team für die Sitzungen nutzt. „Das ist schon großes Kino.“

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Der Film geht weiter. Wer weiß? Die Frage lässt sich wiederholen. Sicher ist: Wer 2030 Kalpakidis im Verein hat, ob Rot oder Grün, darf mit dem Aufstieg rechnen - selbst wenn er Zweiter ist. Der eine oder andere TuS sollte vielleicht schon jetzt an einem Zehn-Jahres-Plan basteln.

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