Bekannter Dortmunder Amateurfußballer muss einige Wochen in Quarantäne: „Wie Knast Deluxe“

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Ist das bitter. Für über drei Wochen muss ein Dortmunder Fußballer in Corona-Quarantäne - und das auch noch in seinem alten Kinderzimmer bei seinen Eltern. Aber warum? Und warum so lange?

Dortmund

, 14.11.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer mehr Dortmunder Amateurfußballer müssen aktuell in Quarantäne, weil Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Einen bekannten Dortmunder Fußballer hat es nun aber doppelt hart erwischt. Erst musste er für knapp zwei Wochen in Quarantäne, weil ein Familienmitglied positiv getestet worden war - dann verlängerte sich seine Quarantäne, weil er sich selbst infiziert hat. Ein Einblick in eingeschränkte Wochen.

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Muhammed Acil sitzt gerade vor seiner Playstation, als wir ihn am Telefon erreichen. Fifa21 liegt in der Konsole, Acil will den Trainer-Karrieremodus durchzocken. Zeitlich dürfte das kein Problem für den Keeper des Landesligisten Türkspor Dortmund sein. Der 28-Jährige hockt in Quarantäne - mittlerweile schon seit über zwei Wochen; und mehr als eine Woche liegt noch vor ihm. Aber warum all das? Der Reihe nach.

Acil war eigentlich im Umbaustress

Muhammed „Mo“ Acil war eigentlich im Umbaustress. Die Renovierung seiner Wohnung stand an. Wegen der Umbaumaßnahmen musste Acil Ende Oktober kurzfristig zurück zu seinen Eltern ziehen - und da nahm das „Unheil“ dann seinen Lauf. „Mo“ Acils Bruder Kerim, ebenfalls Spieler bei Türkspor Dortmund, hatte sich nämlich mit dem Coronavirus infiziert. Das Testergebnis vom 30. Oktober war positiv. Schnell ließen sich alle weiteren Familienmitglieder der Acils testen. Mit Ausnahme von jenem der Mutter blieben alle Ergebnisse negativ - auch das von Mo. Dennoch stand eine Quarantänezeit bis zum 10. November an. Die trat der Keeper natürlich an und zog sie auch durch.

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Am 10. November dann war die Quarantäne abgelaufen, Mo Acil ließ sich vorsichtshalber aber am 9. November noch einmal testen, blieb am 10. November auch noch bei seinen Eltern. Der Paukenschlag dann am 11. November: Auch Mo Acil ist positiv auf das Coronavirus getestet worden - Quarantäneverlängerung bis zum 22. November.

„Das ist natürlich alles bitter. Ich habe keinerlei Symptome, das ist die gefährliche Variante. Ich hätte das Virus unbewusst weitergeben können. Wir haben auch in der Familie einen Fall, der im künstlichen Koma auf der Intensivstation liegt. Corona habe ich nie unterschätzt“, nimmt Acil die Krankheit ernst. Bruder Kerim hatte sogar stärkere Symptome, lag eine Woche flach. Mo Acil ist davon (zum Glück) noch verschont geblieben.

Quarantäne zieht sich für Acil in die Länge

Wovon er nicht verschont bleibt, ist die Quarantäne - und die zieht sich allmählich in die Länge. Aber was macht der Keeper, der momentan wieder in seinem alten Kinderzimmer lebt und schläft, den ganzen Tag über? „Ich habe viel auf dem Balkon verbracht. Quarantäne ist schon ein abgefucktes Leben - wie im Knast nur ein bisschen deluxer“, sagt Acil, der sich teilweise alten Studien- und Schulthemen wieder gewidmet hat.

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„Ich habe Lektüre von früher gelesen, ich habe ja Geschichte studiert. Thema war zum Beispiel die Französische Revolution“, sagt der Türkspor-Schnapper, der daneben auch viele Serien und Filme auf Netflix schaut. Was ihn aber besonders nervt: „Rückenschmerzen vom vielen Liegen“, sagt Acil, der außerdem seinen Kaffeekonsum drastisch nach oben geschraubt hat. „An einem Tag habe ich 17 Tassen getrunken“, sagt Acil, der trotzdem gut schlafen könne.

Groß trainiert habe er zuletzt nicht. Acil sei ohnehin immer ein Typ, der nur trainiere, wenn er eben Mannschaftstraining habe. „Mit der Gewichtszunahme geht es aber schneller, als man denkt, deswegen werde ich mir Workouts aus dem Internet kopieren“, so der 28-Jährige, der einen extremen Drang nach draußen verspüre. „Ich möchte aber nicht riskieren, dass ich Leute unbewusst anstecke. Es geht auch um das Wohl aller anderen. Trotzdem dreht man zuhause durch. Die Decke fällt mir auf den Kopf“, so der Tormann weiter.

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So muss Acil noch bis zum 22. November warten, ehe er sich wieder nach draußen bewegen darf. Bis dahin kann er in aller Seelenruhe weiter Fifa zocken, Netflix schauen und seine Geschichtskenntnisse über das Nachbarland vertiefen.

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