Aufstieg aus dem Nichts: Letztes Jahr kein Team - dieses Jahr Aufstiegsfeier

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Ein Dortmunder Fußball-Klub hatte keine einzige Senioren-Mannschaft mehr. Jetzt meldet sich der Klub mit einem Aufstieg zurück - im Rücken ein riesiger Vorstand und ein nagelneues Heim.

Dortmund

, 06.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Mantra klingt nach Vergangenheit: „Tradition, Stolz und Ehre“ hat sich der 1912 gegründete Verein auf die Fahnen geschrieben. Da in der Fußballabteilung nur die Tradition übrig blieb, aber keine Seniorenmannschaft, richten die Grün-Weißen ihren Blick seit einem Jahr wieder voll in die Zukunft.

Die Rede ist von TuRa Assen. Für den Vorsitzenden des Vereins Thorsten Musielak, der vor Jahrzehnten immerhin in der Bezirksliga kickte, sind dies übrigens ganz aktuelle Werte: „Tradition haben wir. Wer auf dem Platz steht oder unseren Verein lebt, sollte das auch mit Stolz tun. Und guter Sport und gutes Verhalten sind auch eine Frage der Ehre.“

Er hat auch schon ein Team beisammen, das diese Werte beherzigt: Die 1. Mannschaft meldete sich mit dem Aufstieg aus der C-Liga zurück: „Wir hatten alle Senioren-Mannschaften abgemeldet. Besonders die jungen Leute aber wollten den Verein wieder beleben, also fingen wir ganz unten wieder an“, sagt der Vorsitzende Thorsten Musielak, der seit 2011 im Amt ist. Und die Jungen packen an: Wer sich das Vorstands-Tableau der Asselner ansieht, stößt auf sage und schreibe 25 Namen.

TuRa Asseln hat aufgerüstet: Kunstrasen, Laufbahn, Vereinsheim

Es wäre auch zu schade, sollte das neue Schmuckstück am Grüningsweg keinen Nutzer haben. Fußballfreunde, die länger nicht in Asseln waren, trauen ihren Augen kaum, wenn sie hierher zurückkehren. Ein prächtiger Kunstrasen, eine moderne Laufbahn und ein schickes neues Vereinsheim stehen bereit, um auch Mannschaften und Athleten höherer Ligen Freude zu bereiten. „Für den Platz war die Stadt verantwortlich. Das Vereinsheim haben wir – zwar auch unterstützt mit Fördergeldern – selbst gebaut und ansprechend eingerichtet“, sagt Musielak stolz. Damit ist bewiesen: Teil zwei des Asselner Mottos ist auch wieder zutreffend.

TuRa Asseln

TuRa Asseln © Nähle

All das wäre aber nichts ohne Sport – und da sind die Aufbauarbeiten erst im Anfang. Immerhin jüngste Junioren kickten auch während der Dürre im Seniorenbereich für TuRa, berichtet die 2. Vorsitzende und Jugendleiterin Martina Simon. G- E- und F-Junioren aus Asseln spielen momentan sehr gerne auf der schicken Anlage. Auch eine Frauen- und eine Mädchenmannschaft tragen aktuell hier Grün-Weiß: „Wir suchen aber in allen Altersklassen Spielerinnen und Spieler. Wir bieten ihnen eine familiäre Atmosphäre“, wirbt Martina Simon für ihren Klub.

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Dieses Klima schafft das 25-köpfige Vorstandsteam. Und das genießen auch die Spieler der 1. Mannschaft. Die Coaches Marvin Niesert und Deniz Özdemir, die zuletzt Trainer von TuS Körnes A-Junioren waren, tuten ins gleiche Horn, in dem sie sagen: „Wir fühlen uns hier sehr wohl und geborgen.“ Niesert war in seiner Vergangenheit schon hier, Özdemir kommt jetzt auf den Geschmack: „Das macht richtig Spaß.“

TuRa Asseln wird vom gesamten Vorort unterstützt

Wohlfühloase einerseits, Ambitionen andererseits – das verträgt sich hier äußerst gut: „Wer im ersten Team steht, hat Ziele. Wer in der Zweiten, die wir gerade aufbauen, aufläuft, macht das in erster Linie wegen der Gemeinschaft und des Spaßes an der Bewegung“, erläutert Musielak.

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Normalerweise müsste bei jeder Erwähnung dieses Namens übrigens zur Differenzierung der Vorname dabei stehen, denn Thorsten ist bei weitem nicht der einzige Musielak im Verein. In verschiedenen Funktionen sind Musielaks für TuRa im Einsatz. Neffe Marvin beispielsweise ist mit Jascha Pilgrim Sportlicher Leiter und mitverantwortlich für die Zusammensetzung der Teams. Marvin Niesert freute sich, im ersten Jahr nach dem „Nichts“ gleich eine gute Mannschaft zu haben: „Klar, das war C-Liga. Dafür aber waren unsere Spiele schon ansehnlich.“ Dem stimmt der Vorsitzende sofort zu: „Dementsprechend hatten wir hier bessere Zuschauerzahlen als vor dem Rückzug aller Mannschaften.“

TuRa Asseln

TuRa Asseln © Nähle

Der Verein kommt im Dorf wieder an. Die örtlichen Betriebe sind auch im Boot: „Unsere Freunde vom Bistro 3 mal 6 unterstützen uns. Selbstverständlich orderten wir während der Corona-Zeit da dann oft Pizza, um ihnen zu helfen“, erklärt Niesert.

Asselns Sportlicher Leiter: „Wer nicht wegen des Geldes kickt, ist bei uns herzlich willkommen“

Es darf gerne ein Geben und Nehmen sein. Und: Auf dem Platz und außerhalb sollen gerne noch mehr Fußballfreunde dazukommen: „Wer gerne in einem solch familiären Umfeld den Spaß am Sport erleben möchte, aber auch gut Fußball spielen möchte und nicht des Geldes wegen kickt, ist bei uns herzlich willkommen“, sagt Niesert. Klar, der Verein möchte in Asseln verwurzelt sein, er lädt aber auch Außenstehende ein. Das Beispiel Özdemir zeigt, wie gut es funktioniert.

Wo geht die TuRa-Reise also hin? Da sind sich die Protagonisten zunächst nicht ganz einig: „Jetzt von Durchmarsch in der B-Liga zu sprechen, wäre wohl zu früh“, fällt da. „Oben mitspielen“ ist auch zu hören. Dann aber greift Thorsten Musielak mit freundlichem Unterton lächelnd ein: „Im ersten Jahr sollte wohl doch erstmal der Klassenerhalt das Ziel sein.“ Am Ende finden sich dann doch alle im Ziel „einstelliger Tabellenplatz“ wieder. Marvin Niesert hat aber auch das Vereinsleben im Blick, wenn er sagt: „Um ein gutes System zu haben, wäre ein A-Junioren-Team hilfreich. Im Idealfall schaffen die Eigengewächse dann den Sprung zu uns.“

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Das Ziel des Vereins ist es ohnehin, wieder alle Altersklassen besetzen zu können. Dann müssen die Kinder nicht mehr in die Nachbarvororte fahren, wo Vereine beheimatet sind, die sich ähnliche Werte auf die Fahnen geschrieben haben. Damit löst der Vereins-Chef auch auf, dass die eingangs erwähnten „Tradition, Stolz und Ehre“, nicht Begriffe aus geraumer Vorzeit sind: „Wir fanden das gut, dass sie in unseren Nachbarklubs ähnliche Begriffe leben möchten. Das wollten wir auch.“ Und vielleicht kickt die in der Tat traditionsreiche TuRa in naher Zukunft auch wieder in den Ligen, in denen die Nachbarn den Dortmunder Fußball-Osten in den Vordergrund rücken.

Übrigens steht auch auf der Homepage des Vereins „TuRa Asseln – Fußball, Spiel und Spaß!“ Marvin Niesert stellt schon einmal klar: „Bock auf Fußball haben wir hier alle.“

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