Auf dieses Kreisliga-Derby hat Dortmund vier Jahre lang gewartet

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Sollte die Auf- und Abstiegsregelung des FLVW auf dem Verbandstag im Juni auch noch die letzte Hürde nehmen, kann sich Fußball-Dortmund bald wieder auf ein brisantes Derby freuen.

Dortmund

, 17.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Vorort, zwei Vereine, zweimal Glück im Corona-Unglück. Vorbehaltlich der Verbandsentscheidung bedeutet dies, dass in der kommenden Spielzeit ein lang ersehntes Derby sein Revival feiert.

Der Hörder SC ist in der Kreisliga A gerettet, der VfL steigt auf. „Vier Jahre hat ganz Hörde auf diesen Moment gewartet“, sagt Lukas Lakoma, der auch seit vier Jahren Cheftrainer des Vereins für Leibesübungen ist - im Übrigen gemeinsam mit VfL-Urgestein Aziz Darssi.

Damals musste die Mannschaft vom Goy den bitteren Gang in die B-Liga antreten. Der HSC hielt sich zuletzt allerdings eher schlecht als recht in der höheren Spielklasse. Und auch deren Trainer Robert Podeschwa darf nun freudiger in die Zukunft blicken: „Für solche Derbys spielen wir doch Fußball. Ich möchte nicht mehr über Personalsorgen reden, sondern darüber, dass wir zuversichtlich in ein solches Duell gehen wollen.“

Rainer Blinne meldete seinen Sohn Oliver beim Hörder SC an

Mit Verlaub, Lukas Lakoma und Robert Podeschwa, die Geschichten des Duells der Mannschaften, deren Sportanlagen fußläufig voneinander zu erreichen sind, schrieben andere, selbst in der jüngeren Zukunft. Wer einen Ball vom „Berch“, wie der HSC seine Heimat nennt, die Benninghofer Straße runterrollen lassen und ihm einen starken Linksdrall mitgeben würde, könnte davon ausgehen, dass dieser zu Füßen des noch ruhmreicheren Goystadions ankommt.

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Und so kreuzen sich die Wege der Fußballer und Mitglieder beider Klubs ständig – auch im Alltagsleben, oder sogar in der Familie. Und da denkt jeder in den Vereinen wohl sofort an den Namen Blinne. Rainer und Oliver – Vater und Sohn! Die Geschichte beginnt kurios: Rainer Blinne, 1988 gerade Vorsitzender des VfL geworden, meldet seinen sechs Jahre alten Sprössling zum Fußball an – beim HSC. Denn die Blinnes wohnen nahe des Sportclub-Platzes. „Da ist es einfacher für ihn, oben in Benninghofen zu spielen“, denkt der Papa an das Wohl des Sohnes.

Was später auf allen Ebenen funktionieren sollte, klappte auch innerhalb der Familie Blinne: Klar, Fußball spielte am Frühstückstisch oft eine Rolle, auch Olivers Bruder Björn spielte mal. Die Familie kam immer auf dem gemeinsamen Nenner Fußball zusammen. Zwischenzeitlich trug Oliver zu Bezirksligazeiten auch für ein paar Jahre das VfL-Trikot, er ist längst aber wieder der Name, den die Hörder nur mit dem HSC in Verbindung bringen.

Hörder Derbys werden für viel Gesprächsstoff sorgen

Vater und Sohn eint die Begabung, anpacken und planen zu können. Das gepaart mit der Fußball-Leidenschaft macht beide heute zu wichtigen Figuren beider Vereine – und zu Personen, die das Derby leben und es als rein sportlichen Wettstreit verstehen. Heute ist Rainer noch immer Vorsitzender, der allerdings „jetzt auch mal andere machen lassen“ möchte. Oliver ist Sportlicher Leiter des HSC.

Oliver spielte viele Hörder Duelle, an sein erstes im Seniorenbereich erinnert er sich genau – und da spielen auch die Ruhr Nachrichten eine Rolle. Oliver war, bevor er in der Immobilienbranche Karriere machte, mal freier Mitarbeiter dieser Zeitung gewesen. Und als Jungreporter blieb ihm nichts anders übrig, als in der Redaktion anzurufen: „Ich musste Petra Nachtigäller beibringen, dass der Trainer mich in den Seniorenbereich hochziehen wollte. Die aber wusste schon Bescheid, da unser Coach die Aufstellung bereits durchgegeben hatte.“ Mit dem Segen des Vaters, des HSC und schließlich der RN-Redaktion begann Oliver seine Derbykarriere.

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Es sollten viele heiße Duelle folgen. Rainer weiß heute gar nicht, wie viele es in seiner langen Amtszeit waren. „Selbst wenn auch welche bei der Hörder Stadtmeisterschaft hinzukamen, waren die in der Meisterschaft die brisantesten. Wir in Hörde freuen uns zwar auf jedes Spiel gegen den Nachbarverein. In der gleichen Liga ist es aber am schönsten.“ Rainer freut sich: „Wir kennen die Spieler des HSC so gut, denn wir begegnen uns auch abseits des Platzes oft. Da gibt es bald wieder einiges an Gesprächsstoff.“

Das erste Hörder Derby auf Kunstrasen steht an

Beide Seiten versichern, dass dabei nicht nur das innerfamiliäre Blinne-Verhältnis stimmt: „Auf allen Ebenen, sei es im Vorstand, im Juniorenbereich und unter den Seniorenspielern sind die Beziehungen gut.“ Sie arbeiten nicht mehr gegeneinander, sondern zunehmend miteinander. Das kann dem zumindest im Seniorenbereich zuletzt mäßigen Image des Hörder Fußballs nur zuträglich sein.

Trainer Robert Podeschwa wird auch in der kommenden Saison an der Seitenlinie des Hörder SC stehen.

Trainer Robert Podeschwa wird auch in der kommenden Saison an der Seitenlinie des Hörder SC stehen. © Nähle

Bis das geschichtsträchtige Derby, es ist das erste beider Erstvertretungen auf Kunstrasen im Goy - oder das oben auf dem „Berch“, über die Bühne geht, reden sie in Hörde nicht nur darüber, wann es nach Corona weiterläuft, sondern auch darüber, mit welchem Personal es weitergeht. Und da kommen für die ganz aktuellen Geschichten wieder die eingangs erwähnten Trainer ins Spiel. Nachdem Robert Podeschwa bereits mit einigen hochkarätigen Neuen Vollzug meldete, nennt Lukas Lakoma jetzt weitere VfL-Namen, die in den Genuss des Derbys kommen.

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„Es war immer wieder so, dass sich Leute, deren Wege sich mit dem VfL gekreuzt hatten, erinnerten, dass sie sich hier wohlfühlten“, liefert Rainer zunächst einen Hintergrund. Selbst Ex-Profi Julian Koch kickt wieder hier. Den Vordergrund erzählt dann aber Lakoma und macht mal eine Ausnahme: „Jetzt kommen zu ehemaligen Hörder Junioren- und Seniorenkickern auch Leute von anderen Klubs dazu. Tamer Keskin von Westfalia Wickede, Arlin Berisha (RW Unna) und Marc Hustadt (TuS Kruckel), der in seiner langen Laufbahn für so manchen Dortmunder Klub kickte, schließen sich uns an.“

Sie werden schnell merken, dass die Trainer und die Blinnes recht haben, wenn sie sagen: „Das Derby ist der Hörder Saison-Höhepunkt.“ Und Oliver Blinne beruhigt sie schon jetzt: „Wir kennen uns und hauen uns die Knochen nicht kaputt.“

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