ATV Dorstfeld vor Titelkrönung: Carsten Hergerts Abschied mit filmreifem Finale

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Der ATV Dorstfeld empfängt Wetfalia Herne: Das entscheidende Spiel um die Meisterschaft in der Handball-Landesliga steht über allem. Dabei ist es zugleich das Ende einer Ära beim ATV.

Dortmund

, 10.05.2019, 12:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Story dieser Spielzeit in der Handball-Landesliga 3 ist wie für die Kinoleinwand gemacht. Und schon jetzt lässt sich das auch für beide Eventualitäten sagen, die am Samstag (18.45 Uhr, Fine Frau 56 - 58, 44149 Dortmund) eintreten können: Entweder, der ATV Dorstfeld macht als Spitzenreiter im Topspiel gegen Verfolger Westfalia Herne nach einem Hänger auf der Zielgeraden doch noch sein Meisterstück, oder aber die Herner fangen den ATV in allerletzter Sekunde mit einem Sieg im Auswärtsspiel ab.

„Das Momentum mag bei Herne liegen, aber ich bin mir sicher, dass wir am Samstag den letzten Schritt gehen“, erklärt Dorstfelds Trainer Carsten Hergert. Die letzten Schritte werden es für ihn auf jeden Fall. Denn nach dem Spiel ist Schluss, egal wie es ausgeht. „Ich bleibe als Zuschauer und Fan beim ATV“, verspricht Hergert.

Aber als Trainer wird man ihn so schnell nicht wiedersehen. „Ich bin ein wenig handballmüde“, verrät der Coach. Und das ist nachvollziehbar nach gut 17 Jahren kontinuierlicher Trainerarbeit. Ob es ein Abschied für immer ist, vermag Hergert noch nicht zu sagen. „Für längere Zeit bestimmt, vielleicht auch für immer. Aber vielleicht vermisse ich es ja auch irgendwann.“

Fließender Übergang vom Feld auf die Trainerbank

Mit 17 Jahren hätte er bestimmt nicht gerechnet, als der fließende Übergang vom Spieler zum Trainer ansetzte. Schon damals war Carsten Hergert als Spieler beim ATV Dorstfeld. Und im Gespann mit Mirko Kreuzer übernahm er als Spielertrainer nach und nach mehr Verantwortung – durchaus vergleichbar mit heute, wo Spieler Moritz Fuß nach seiner aktuellen Spielertrainertätigkeit Hergert beerben und gänzlich auf die Bank „wechseln“ wird.

Und auch hier schließt sich ein Kreis, der hollywoodreife Unterhaltung verspricht. Denn damals, während seiner ersten Trainerzeit, gelang schon einmal der Aufstieg – im letzten Saisonspiel der Spielzeit 2005/2006 gegen Westfalia Hombruch in der Bezirksliga. „Ich weiß noch, wie die Stimmung damals in der Halle war. Da blicke ich noch heute gerne drauf zurück“, verrät Hergert. Insgeheim wünscht er sich, dass Unterstützung und Resultat am Samstag ähnlich ausfallen.

„Der Verein hat mir sehr viel gegeben, ich habe hier viele Freunde gefunden.“
Carsten Hergert

Der ATV Dorstfeld ist für Carsten Hergert wie ein zweites Zuhause geworden. „Der Verein hat mir sehr viel gegeben, ich habe hier viele Freunde gefunden“, sagt der Coach. Aus den Augen verloren hat er Klub und Bekannte auch nicht, als nach sieben Jahren die erste Trainerägide zuende ging und es Hergert 2010 auf den Höchsten zur Borussia zog. Seinem zweiten – und neben Dorstfeld bis heute einzigen Klub – den er bis heute trainierte.

Erfolgreiche Jahre bei Borussia Höchsten

Vier Jahre lang leitete „Pelle“, wie er von vielen genannt wird, die Geschicke bei der grün-weißen Borussia. Und das nicht ohne Erfolg: In der Landesliga holte die für ihre offensive Deckungsweise bekannte Hergert-Sieben den Titel plus Aufstieg, auch in der Verbandsliga mischte die Borussia unter seiner Leitung mehrere Jahre gut mit. Bis er 2014 schließlich den Weg für einen neuen Impuls freimachte.

Fern blieb Hergert der Halle aber nicht lange: Denn einen solchen frischen Impuls benötigte auch der gerade in die Bezirksliga abgestiegene ATV Dorstfeld im Sommer 2014. Zurück also in die „Hölle West“, der vielerorts gefürchteten schwarzgelben Heimstätte des ATV. Ohne Niederlage erfolgte die sofortige Korrektur, die Rückkehr in die Landesliga. Einzig der ASC 09 rang den Dorstfeldern in einer ansonsten perfekten Spielzeit einen Zähler beim 30:30 ab. Und seitdem zählen der ATV und Trainer Carsten Hergert zu den Spitzenkräften der Liga.

„Er hat alles über Spaß am Handball vermittelt, war immer fair und ein toller Motivator.“
Moritz Fuß

Beim Klub selbst weiß man, was man in der Zeit am Trainer hatte. „Er ist ein super Mentor für mich gewesen“, erklärte Moritz Fuß, der seinen Posten auf der Bank übernimmt. „Er hat alles über Spaß am Handball vermittelt, war immer fair und ein toller Motivator.“ Er selbst muss lange überlegen, um die richtigen Worte zu finden - was aufzeigt, wie Hergert das Team und alle drumherum prägte.

Nun soll die Ära des Trainers, der Spuren hinterlassen hat, mit einer Jubelfeier enden. Und da landet Carsten Hergert schnell wieder im Hier und Jetzt: „Die Tagesform wird entscheiden“, sagt er und verweist auf die junge, hungrige Herner Truppe. „Aber wenn unsere Deckung stabil steht, wird alles gut.“ Und Hergert ginge mit einem großen Knall.

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