ATV Dorstfeld fühlt sich in der Handball-Landesliga wohl, steht aber vor der Trennung

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Der ATV Dorstfeld ist so gut wie aufgestiegen. Doch noch sind teils kuriose Szenarien möglich, während die Vorfreude auf die Verbandsliga bei allen Beteiligten spürbar wächst.

Dorstfeld

, 17.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Beinahe hätte der ATV Dorstfeld das perfekte Szenario serviert bekommen: Heimspiel in der Handball-Landesliga an Gründonnerstag, damit ein Alleinstellungsmerkmal im Dortmunder Handball – und im Falle eines Sieges über den VfL Brambauer wäre die Meisterschaft perfekt gewesen. Wären da nicht die letzten Spielminuten zwischen Oespel und Herne am vergangenen Donnerstag gewesen, in denen die Westfalia eine Niederlage doch noch abwenden und den Rückstand auf Dorstfeld gleich halten konnte. „Die Jungs haben im Training immer wieder im Liveticker nachgeschaut, wie es steht“, erklärt Trainer Moritz Fuß. „Es ist ärgerlich, dass Oespel am Ende nicht gewonnen hat. Das Heimspiel wäre ein toller Rahmen und die Möglichkeit zur Meisterschaft eine tolle Zusatzmotivation gewesen.“

Zwar können die Dorstfelder am morgigen Donnerstag (20.15 Uhr, Fine Frau 56, 44149 Dortmund) noch nicht den finalen Schritt gehen. Daran, dass der ATV ihn aber zeitnah macht, zweifelt kaum jemand noch. Inklusive der Aufgabe gegen Brambauer hat die Sieben von Moritz Fuß und Carsten Hergert noch vier Spiele bei fünf Punkten Vorsprung auf Herne. Daraus ergeben sich kuriose Konstellationen. Denn selbst wenn die Dorstfelder die kommenden drei Spiele gegen Brambauer, Altenbögge und Gladbeck 2 allesamt verlieren sollte, böte sich im Saisonfinale gegen Herne selbst die Chance, mit einem Sieg den Titel und den damit verbundenen Aufstieg in die Verbandsliga zu sichern. „Wir nehmen die Situation so, wie sie kommt. Aber die Jungs sind heiß und wollen es jetzt endlich packen, das spürt man“, verrät Hergert.

Erst der Blick auf Brambauer

Das Endspiel gegen Herne wäre das extremste Kuriosum. Ein anderes, ebenfalls kurioses Szenario, ist da deutlich wahrscheinlicher. Sollten die Dorstfelder gegen Brambauer gewinnen und Herne am 28. April, dem nächsten regulären Spieltag, beim ASC 09 Dortmund verlieren, würde der ATV die Sektkorken im Auto auf der Fahrt zum drei Stunden später stattfindenden Gastspiel in Altenbögge knallen lassen, ohne selbst eingegriffen zu haben. Bei all den Gedankenspielen, das verrät Moritz Fuß, sei auch eine Vorverlegung in Altenbögge auf den Samstag angedacht gewesen – natürlich erst nach einem Sieg über Brambauer. Das aber wäre vonseiten der Hausherren nicht möglich gewesen.

Wie dem auch sei, sportlich professionell richtet sich der Blick der Dorstfelder zunächst einmal auf das Spiel gegen Brambauer. Auch ohne die Chance einer Vorentscheidung bringt die Partie eine gute Würze mit. Denn für die Gäste geht es noch immer um den Klassenerhalt und hat zuletzt drei Spiele ohne Niederlage (zwei Siege, ein Remis) abgeliefert. „Brambauer ist momentan gut drauf. Außerdem ist es für uns auch eine Art Derby, gegen den VfL haben wir uns immer schwer getan“, erinnert sich Trainer Moritz Fuß. Und Carsten Hergert stößt ins gleiche Horn: „Es gilt zunächst, die Aufgabe gegen Brambauer zu bewältigen. Danach sehen wir weiter.“

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Doch hegt der ATV durchaus gute Erinnerungen an das letzte Aufeinandertreffen: Im Hinspiel legten die Schwarzgelben mit dem 30:25-Erfolg den Grundstein für eine Siegesserie, die bis heute anhält. 13 Spiele ohne Punktverlust. „Bei so einer Serie bekommt man schon eine breitere Brust“, gesteht Spielmacher Sebastian Mund. „Die restlichen Spiele sind allesamt keine leichten Aufgaben. Aber die Marschroute ist klar: Wir brauchen noch zwei Siege und die wollen wir möglichst schnell einfahren.“

Mund selbst muss ein wenig schmunzeln, wenn er an den Anfang der Saison zurückdenkt. Damals erklärte er, dass die Landesliga für das Team genau die richtige Liga sei. „Wenn ich jetzt sage, dass ich lieber in der Landesliga bleiben würde, verpasst mir der ein oder andere im nächsten Training eine“, erklärt er. Den Spaß beiseite gelegt, bringt aber auch der ATV-Spielmacher seine Vorfreude auf die Verbandsliga zum Ausdruck: „Es bedeutet natürlich mehr Aufwand und es wird das ein oder andere Spiel geben, das nicht so toll für uns laufen wird. Aber wir steigen sicher nicht auf, um ohne Pluspunkte durch die Saison zu gehen.“

ATV Dorstfeld fühlt sich in der Handball-Landesliga wohl, steht aber vor der Trennung

Trainer Moritz Fuß sehnt die Entscheidung in der Meisterschaft herbei. © Ludewig

Zwei Pluspunkte haben die Dorstfelder ohnehin schon: die Erfahrung und den Teamgeist. Immerhin haben Akteure wie Mund selbst oder die vor der Saison dazugestoßenen Jürgen Lepine und Florian Edeling auch Verbands- und Oberligaerfahrung. „Das hilft, um in wichtigen Momenten auch Ruhe reinzubringen“, sagt Mund. „Und mit unserem Teamgeist haben wir in dieser Saison auch den ein oder anderen Ausfall auf einzelnen Positionen gut abfedern können.“

Ist der Schritt in die Verbandsliga perfekt, stehen allen Beteiligten spannende Zeiten bevor. Für Moritz Fuß würde es im ersten Jahr als alleinverantwortlichem Coach gleich ordentlich zur Sache gehen. Unterstützt wird er dann von Florian Edeling, der den spielenden Co-Trainer gibt. Für den langjährigen Trainer Carsten Hergert ist im Sommer vorerst Schluss. „Ich werde natürlich Fan und Zuschauer bleiben“, verrät er schon jetzt. Für sein letztes Jahr in Verantwortung hatten er und sein Team sich auf eine Rolle in den Top Drei der Liga als Ziel verständigt. Anfang Februar gelang dem ATV dann der überzeugende 28:19-Derbysieg über Verfolger Oespel, während Herne langsam Federn ließ. „Seitdem war mir klar, dass der Aufstieg möglich ist. Die Jungs haben gespürt, wie sie das Spiel dominiert haben und dass es sich zum Selbstläufer entwickeln kann“, sagt Hergert.

Nun will das Team, das auch im kommenden Jahr zusammenbleibt, dem scheidenden Coach ein besonderes Abschiedsgeschenk machen. Der Aufstieg wird dann am 11. Mai gefeiert – egal, wann er endlich feststeht.

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