Arif Et im Interview: Warum wechseln Sie mit Ihren Fähigkeiten in die Landesliga?

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Hinter Arif Et liegt kein leichtes Jahr beim BVB II. Nun geht er überraschend zur IG Bönen. Angebote höherklassigerer Teams gab es genug. Dennoch hat er sich für die Landesliga entschieden.

Dortmund

, 15.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Arif Et (27) endet nach einem Jahr das Kapitel Borussia Dortmund. Für die U23 des BVB bestritt er nur vier Pflichtspiele. In der kommenden Spielzeit wird er für die IG Bönen in der Landesliga 3 auf Torjagd gehen. Ein Wechsel, der selbst Bönens Sportdirektor ein wenig überraschte. Im Interview spricht Et über die Gründe für seinen überraschenden Wechsel und sein unglückliches Jahr beim BVB.

Herr Et, ihr Wechsel zur IG Bönen kam überraschend. Warum wechseln Sie mit Ihren Fähigkeiten runter in die Landesliga?

Ich hatte viele Angebote aus diversen Ligen, ich konnte mir eigentlich frei aussuchen, was ich machen will. Ich habe es aber in den letzten Jahren beruflich etwas schleifen lassen. Ich wollte sicher gehen, dass ich etwas mache, wo ich mich auch um die Arbeit kümmern kann. Außerdem will ich eine Familie aufbauen. Das Konzept war das beste für mich, bei dem auch der sportliche Aufwand nicht zu hoch war. Und das Projekt hat mich überzeugt. Man hat sich sehr um mich gekümmert und großes Interesse gezeigt. Ich hab mir gesagt, darauf kommt es mir an. Das habe ich im letzten Jahr vermisst.


Sind Sie nicht eigentlich zu gut für die Landesliga?

(Lacht) Ich hoffe, dass ich zu gut für die Liga bin, damit wir schnell hochgehen können. Ich habe jetzt andere Prioritäten, die einen höheren Stellenwert als der Fußball haben. Ich hab es mit professionellem Fußball probiert, das hat aber nicht geklappt.

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Hinter Ihnen liegt ein ereignisreiches Jahr. Sie spielten insgesamt nur vier Mal für die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. War ihr Wechsel rückblickend ein Fehler?

Ich habe meine Erfahrungen gemacht, war aber sehr unglücklich in der Zeit. Ich weiß nicht, warum man so einen Wechsel tätigt, wenn man kein Vertrauen hat. Ich war auch nicht der einzige. Es gab drei, vier Spieler, die eine ähnliche Rolle wie ich hatten. Ich hoffe, dass ich das, was ich im letzten Jahr vermisst habe, jetzt wieder finde. Früher bei Brünninghausen und Dröschede hatte ich immer das Vertrauen vom Trainer und dem Vorstand.

Sie wechselten im Sommer 2019 vom Oberliga-Absteiger Brünninghausen zur zweiten Mannschaft von einem der größten Vereine Deutschlands. Was war die größte Umstellung?

Die Belastung. Nicht von der Intensität her, sondern dass man es als Beruf ausgeübt hat. Das hat mich viel Eingewöhnungszeit am Anfang gekostet. Das war auch ein Grund, dass es dann nicht so gelaufen ist wie ich und Dortmund uns das vorgestellt haben. Ich kam mit der Belastung nicht immer so klar. Nach drei, vier Wochen habe ich die Müdigkeit gemerkt. Und wenn ein Fußballer müde und nicht mehr so dynamisch ist, fehlt halt etwas. Das sieht man dann auch im Training.

Gegen Alemannia Aachen machten Sie dann am 4. Spieltag ihr erstes Pflichtspiel für den BVB.

Ich kann nur immer wieder sagen, dass es eine Ehre war, für Dortmund unter Vertrag zu stehen. Für mich und mein Umfeld war das ein absoluter Gewinn. Wie es gelaufen ist, war aber schade. Ich habe immer versucht, mich zu zerreißen.

Bekommt ihr Debüt-Trikot denn einen besonderen Platz bei Ihnen zuhause?

Ich denke schon. Das Trikot und die anderen Sachen kriege ich aber erst noch.

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Zurück zu Ihrem neuen Verein. Als Aufsteiger spielte Bönen direkt oben mit. Jetzt steigen Wacker Obercastrop und Bövinghausen auf. Ist der Weg in der nächsten Saison also frei für die IG?

Ich glaube schon. Es lief ja auch dieses Jahr sehr gut. Es ist natürlich unglücklich, dass die Saison abgebrochen wurde. Bönen hatte ein Spiel weniger. Mit einem Sieg wären sie an Bövinghausen dran gewesen. Es kann ja immer noch sein, dass sich Mannschaften zurückziehen. Dann könnte ja noch was gehen. Aber wenn nicht, setzen wir alles daran, dass es nächstes Jahr klappt.

Zuletzt spielten Sie in der Saison 2015/16 in der Landesliga. Damals schossen Sie sensationelle 41 Tore in 29 Partien.

Natürlich sind die Erwartungen dadurch groß. Sie sind generell groß, wenn ein Spieler aus der Regionalliga und ausgerechnet vom BVB kommt. Ich mache mir da aber keinen Druck. Ich kenne meine Qualitäten und werde der Mannschaft definitiv weiterhelfen.

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Wollen Sie es denn in den kommenden Jahren auch noch mal einige Ligen höher probieren? Dass Sie mindestens gut genug für die Oberliga sind, haben Sie ja bereits bei Brünninghausen bewiesen.

Für mich sind jetzt in erster Linie andere Dinge wichtig. Wenn alles gut läuft, möchte ich nächstes Jahr heiraten. Ich habe bei Bönen für zwei Jahre zugesagt, weil ich Sicherheit haben will. Dann bin ich 30. Ob es sich dann noch lohnt, weiß ich nicht. Man sollte zwar niemals nie sagen, aber für mich hat sich Regionalliga und höher erledigt. Von den Qualitäten her könnte ich Oberliga oder sogar Regionalliga spielen. Aber es sollte wohl nicht sein. Ich muss Vernunft walten lassen, bin bald 28. Es gibt wichtigere Dinge als so hoch wie möglich zu spielen.

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