16-Jährige Top-Talente in der ersten Mannschaft - eine Alternative, aber nicht für alle

dzFußball in Dortmund

Die deutsche Fußball Liga überlegt, die Altersgrenze im Profifußball zu senken. So können auch 16-Jährige bei den Profis auflaufen. Ist das auch ein Modell für den Dortmunder Amateurfußball?

Dortmund

, 29.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nuri Sahin war einst 16 Jahre, elf Monate und einen Tag alt, als er die große Fußballbühne betrat und für Borussia Dortmund in der Bundesliga auflief. Ein aktuelleres Beispiel ist Barcelonas Supertalent Ansu Fati, der sein erstes Spiel für die Blaugrana mit 16 Jahren, neun Monaten und 25 Tagen absolvierte.

Nun überlegt die Deutsche Fußball-Liga laut mehreren Medienberichten die bisher bestehende Altersgrenze zu senken. Bisher können nur Spieler in der Beletage des deutschen Fußballs auflaufen, die ihr 18. Lebensjahr vollendet haben oder mindestens zum jüngeren Jahrgang der U19 der Vereine gehören. Auswirkungen hätte das auf die Top-Talente der B-Junioren, die mit 16 Jahren dann auch ohne Ausnahmegenehmigung auflaufen könnten- wie Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund.

„Die Jungs brauchen die Zeit für ihre Entwicklung“

Die Idee findet in der Bundesliga durchaus Anklang, unter anderem äußerte sich Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge positiv - anders als einige Verantwortliche der Dortmunder Fußballer. Für sie wäre solch ein Modell auf Amateurebene fragwürdig.

16-Jährige Top-Talente in der ersten Mannschaft - eine Alternative, aber nicht für alle

Jörg Mielers vom Kirchhörder SC steht der Idee Jugendspieler bei den Senioren einzusetzen, skeptisch gegenüber. © Nils Foltynowicz

„Die Jungs brauchen die Zeit für ihre Entwicklung“, sagt Jörg Mielers, Sportlicher Leiter beim Landesligisten Kirchhörder SC. Man merke in der Landes- und in der Westfalenliga, dass schon der Sprung von der A-Jugend in den Seniorenbereich groß sei, dass da oft noch „einiges fehlt“, so Mielers, der sich die Frage stellt, ob man Jugendlichen damit wirklich einen Gefallen tun würde.

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Ähnlich sieht Dominik Grobe, Coach von Bezirksligist DJK TuS Körne. „Die Jungs sollen erst einmal ihre fußballerische Jugend durchleben und dann langsam an den Herrenbereich herangeführt werden“, sagt Grobe. In Körne ist es gängige Praxis, dass die älteren A-Junioren im Training bei den Senioren immer mal wieder mittrainieren und so an den Kader herangeführt werden.

Körperliche Voraussetzungen müssen gegeben sein

Ein Umdenken könnte jedoch auch bei Grobe eintreten, wenn ein Ausnahmetalent in der B-Jugend schlummert. „Wenn man im Einzelfall eine Riesen-Rakete hätte, der auch physisch weiter wäre als andere, müsste man das eventuell anders handhaben“, so Körnes Trainer, der somit auch mit der Meinung von Westfalia Huckardes Spielertrainer Chris Meschede d‘accord geht.

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Dieser sagt: „Talentiert sein und die körperlichen Voraussetzungen haben, sind zwei unterschiedliche Sachen.“ Es bestünde sonst auch die Gefahr, dass man die Jungs „etwas überheizt. Ich weiß es ja auch noch von mir. Ich war so fußballbekloppt und bin nach den Spielen noch auf den Bolzplatz gegangen.“ In dem Alter merke man nicht gerade, was gut für den Körper sei, so Meschede.

Eine Option für Teams mit einem sehr kleinen Kader?

Einen anderen Aspekt sieht Peter Heinrici von B-Ligist DJK SF Nette. Dort standen im letzten Spiel vor der Winterpause nur 13 Akteure im Kader. Hier könnten Jugendliche in den Kader rutschen und somit große Personalprobleme auffangen. „Der Ansatz ist gut“, sagt Heinrici. „Sie können die Mannschaft auffüllen und auch ein bisschen reinschnuppern“.

Immerhin sieht auch er den großen Unterschied zwischen Junioren- und Seniorenbereich, der mit Erfahrungen ein wenig verringert werden könnte. „Bei uns in Nette haben wir ja auch einen Neuaufbau. Nächstes Jahr haben wir wieder eine A-Jugend, da wäre eine solche Regelung eine gute Möglichkeit.“

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