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Zwei ritten zusammen - Bernhard Kerkmann und Josef Haane

dzDas Sportporträt

1948 gründete sich der Zucht-, Reit- und Fahrverein Lembeck nach den Wirren des 2. Weltkriegs neu. Damals dabei und dem ZRFV noch heute treu: Josef Haane und Bernhard Kerkmann.

Lembeck

, 08.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Es ist über 70 Jahre her, doch Josef Haane und Bernhard Kerkmann erinnern sich noch gut, wie sie zum Zucht-, Reit- und Fahrverein kamen.

Im Krieg hatte die Gemeinde Lembeck keine Kirchenglocken mehr, und als dann nach Kriegsende neue Glocken angeschafft wurden, war das ein ganz besonderes Ereignis. Die neuen Glocken wurden damals vom Bischof begleitet von Schloss Lembeck aus in einem großen Festzug zur St.-Laurentius-Kirche gebracht. Der Zug bestand aus mehreren Kutschen, einer großen Reitergruppe mit 40 Pferden und rund 60 Radfahrern. Bernhard Kerkmann erzählt: „Wir sind damals mitgeritten und danach einfach dabei geblieben.“

Beide hatten schon seit ihrer Jugend auf den ländlichen Hofbetrieben immer auch mit Pferden zu tun, verrichteten tagsüber mit ihnen die Feldarbeit und nutzten am Abend die freie Zeit mit den Pferden beim Reitverein. Der hatte in den Anfängen rund 20 Aktive und Haane sagt: „Wir wollten einfach auch dabei sein.“

Der Reitplatz war in den Anfängen am „Jägers Berg“ nahe der Autobahn, später stellte dann der Graf von Merveldt am Schloss einen Reitplatz zur Verfügung. 1966 zog der Reitverein nach der Flurbereinigung erneut um und fand am Hof Witte ein neues festes Quartier, das mit dem späteren Bau der Reithalle noch bessere Sportmöglichkeiten bot.

Ausritte erst nach dem Kirchgang

Der Reitlehrer im Verein war damals Josef Loick. Sonntags organisierte er öfters gemeinsame Ausritte, aber stets erst nach dem Kirchgang. Unter seiner Anleitung wollten sich die jungen Reiter auch mit der Konkurrenz messen und starteten regelmäßig mit ihren eigenen Pferden bei den ländlichen Reitturnieren in Lippramsdorf, Reken oder Erle. Bis etwa Mitte 50er Jahre noch überwiegend mit den Kaltblütern, die auch die tägliche Hofarbeit verrichteten. Erst danach kamen die ersten Warmblüter dazu, die besser auf Turnieren zu reiten waren.

Zum Besuch des großen Pfingstturniers in Borken wurde die Kutsche angespannt, und in Heiden gab es am Turniertag immer einen großen Reiterumzug durch den Ort. Bei großen Veranstaltungen wie etwa beim Kreisturnier auf der „Hiller Heide“ in Gelsenkirchen wurde auf dem Reitplatz auch die heilige Messe zelebriert.

Bei den Turnieren war das Mannschaftsreiten immer das Highlight, dazu gab es auch Sprung und Dressurwettbewerbe. Die Anreise erfolgte entweder mit dem eigenen Pferd oder auf LKW’s. Nachtquartiere fanden die Reiter meist auf den umliegenden Bauernhöfen. Allerdings zeigte sich in der Regel, dass die altgedienten Militärreiter wegen ihrer exzellenten Ausbildung auf den Turnieren der Anfangsjahre nicht zu schlagen waren.

Schützenfeste waren beliebte Ziele

Daneben waren auch die Schützenfeste eine beliebte Gelegenheit für die jungen Reiter um ihre „Sattelfestigkeit“ zu beweisen. Im Herbst war die traditionelle „Fuchsjagd“ für die Reiter ein Muss zum Jahresausklang. Bernhard Kerkmann ist heute noch stolz auf seinen Sieg bei der Jagd im Jahr 1950 .

Josef Haane entwickelte schon in frühen Jahren sportliche Ambitionen und war mit großer Begeisterung im Pferdesport dabei. Er wollte sich sowohl im Springen, aber besonders in der Dressur weiterentwickeln und besuchte 1955 und 1958 Lehrgänge an der Reit- und Fahrschule in Münster. Dort holte er sich in beiden Teilnahmen je eine Bronze und Silberschleife bei der Ablegung des Reit- und Fahrabzeichens.

Zwei ritten zusammen - Bernhard Kerkmann und Josef Haane

In den 60er Jahren war Josef Haane erfolgreichster Turnierreiter des Zucht-, Reit- und Fahrvereins Lembeck. © Privat

Mit diesen Grundlagen und viel persönlichem Engagement gelangen ihm in den 60er Jahren Siege beim Zukunftspreis der dreijährigen Westfalenpferde und er gewann auch zweimal das Westfalenchampionat der jungen Pferde. 1979 konnte er diese Erfolge mit dem Sieg in der Dressur beim Bundeschampionat für junge Pferde noch toppen. In seiner langen aktiven Zeit hat er unzählige Turniersiege eingeritten, wurde zum erfolgreichsten Turnierreiter des Vereins und sagt rückblickend: „Ich wollte schon immer gewinnen.“

Besonderes Gefühl für „Pferdetalente“

Besonders angetan hatten es ihm aber die jungen Pferde, und so brachte er zusammen mit seinem Bruder, einem erfolgreichen Züchter, auch viele Pferde zu Auktionen und zur Hengstkörung. Mit der Zeit entwickelte Haane auch ein besonderes Gespür für echte „Pferdetalente“ die er als Zwei- oder Dreijährige auf den Hof holte, dort weiter ausbildete, um sie dann später in die Hände erfolgreicher Reiter zu geben. So vertrauten unter anderen auch Gerd Wiltfang, Josef Neckermann, Nicole Uphoff und die Niederländerin Anky van Grunsven seinem Pferdeverstand. Er selbst war auch mit über 70 Jahren noch im Sattel, hatte dann aber beim Aufsteigen einen Unfall. Eine Taube war damals in die Reithalle gesegelt und hatte das Pferd erschreckt. Nach diesem Abwurf stand für ihn fest: „Jetzt ist Schluss.“

Neben seinen eigenen Aktivitäten unterstützte Haane mit großem Engagement über viele Jahre auch immer den Reitverein Lembeck bei der Vorstandsarbeit.

“Springen war einfacher und ging schneller“

Bernhard Kerkmann hatte bedingt durch die Arbeit auf dem heimischen Hof weniger Zeit für das sportliche Reiten. Er erinnert sich: „Ich bin am liebsten gesprungen. Das war einfacher, ging schneller und Übung machte den Meister.“ Für ihn war das kein Problem, denn er war, wenn er Zeit hatte, immer gerne mit den Reiterkollegen im Verein zusammen. Mit Friedhelm, Mieze und Annika hatte er nur drei Pferde auf denen er bis etwa Mitte der 60er Jahre aktiv geritten ist, war danach nur noch als Seniorenreiter unterwegs. Später holte er noch Pferde für die Kinder auf den Hof und begleitete seine Tochter gerne zu ihren Turniereinsätzen. Kerkmann liest bis heute engagiert und regelmäßig die Zeitung „Ross und Reiter“ und hält sich damit informiert.

Zu seinem 75. Geburtstag musste seine Familie nicht lange übers Geschenk nachdenken: ein Besuch beim CHIO in der Aachener Sörs, den Bernhard Kerkmann sehr genossen hat.

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