So denkt Michael Haucke über die Wiedervereinigung

dzMauerfall 1989

Die Erinnerung ist bruchstückhaft. Trotzdem ist die deutsche Wiedervereinigung für Basketballer Michael Haucke ein wichtiges Thema.

Wulfen

, 08.11.2019, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Günter Schabowski am 9. November 1989 die legendäre Pressekonferenz gibt, in deren Verlauf er als 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin die neuen Reisegesetze der DDR für sofort gültig erklärt und damit die Mauer fällt, ist Michael Haucke vier Jahre alt.

„Meine Eltern werden damals vorm Fernseher gesessen haben, da bin ich mir sicher“, sagt der Basketballer des BSV Wulfen heute. 30 Jahre älter und mit 2,10 m um einiges größer als damals. Doch was er selbst an jenem Tag gemacht hat in Altenburg in Thüringen, eine halbe Autostunde südlich von Leipzig? „Das weiß ich nicht. Dazu war ich einfach zu jung“, sagt er.

“Es fuhren andere Autos“

Bruchstücke tauchen in der Erinnerung auf: „Es sind danach andere Autos über die Straßen gefahren. Autos fand ich schon als Kind toll.“ Dass es vor dem Mauerfall nur einen Laden gab, in dem man alles einkaufte, ist ein anderes Bild, das bei dem Vierjährigen damals haften blieb. Aber sonst? „Wie gesagt: Ich war vier. An was erinnert man sich da schon? Und was dann kam und wie sich alles verändert hat, war ja für mich dann normal. Ich kannte es ja nicht anders.“

Und so war das Thema Ost-West für ihn im Grunde nie eines: „Für mich war es immer einfach Deutschland.“ Die Schwierigkeiten beim Zusammenwachsen dessen, was zusammen gehört, hat er trotzdem miterlebt. „Das ist etwas, mit dem man auch heute noch konfrontiert wird“, erzählt er. Von Vorurteilen will er nicht sprechen: „Aber viele haben über den Osten noch ihre ganz eigenen Gedanken. Es heißt zum Beispiel immer wieder, der Westen hätte mit dem Soli den Osten wiederaufgebaut. Das stimmt schon. Aber dass die Leute im Osten den Soli ja auch zahlen, wissen scheinbar die wenigsten.“ Selbst bei jungen Leuten habe er das beobachtet.

“Eines der größten Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte“

Obwohl seine Erinnerungen an die Wendetage verschwommen sind, ist der 9. November für Michael Haucke heute ein besonderer Tag. „Ich mag Tage mit historischer Bedeutung“, sagt er, „und die Wiedervereinigung ist sicherlich eines der größten Ereignisse in der deutschen Geschichte der vergangenen Jahrzehnte.“

Ansonsten ist der 9. November 2019 für Michael Haucke ein Tag wie jeder andere. Mit dem BSV Wulfen kämpft er abends um Regionalliga-Punkte. Der 2,10-m-Mann ist im Team der Münsterland Baskets eine Schlüsselfigur und ein Publikumsliebling. Die Fans mögen seinen Einsatz und die ehrliche Arbeit, die er unter den Körben leistet. Wo er herkommt? Spielt keine Rolle.

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